Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer

Mars One Mission: Darmstädter Student will auf einem fremden Planeten leben und sterben

In wenigen Jahren reist Robert Schröder vielleicht zum Mars - und kommt nie wieder zurück. Zumindest ist die Expedition so vorgesehen. Mit uns hat er über diesen ausgewöhnlichen Lebensplan gesprochen.
Bilder > Foto: Privat
Darmstadt. 

Es wirkt etwas steif, wie er da auf seinem Stuhl im Café am Darmstädter Marktplatz sitzt. Ein bisschen untersetzt, leicht nach vorne gebeugt, mit blassem, rundlichem Gesicht und einer schlichten Kurzhaarfrisur. Er studiert Informationssystemtechnik an der Technischen Universität Darmstadt. Während er redet, zupft er hin und wieder beiläufig sein kariertes Hemd gerade. Insgesamt ist Robert ein unauffälliger Typ. Was er vor hat ist spektakulär: Ein Leben auf dem Mars. Im Dienst für die gesamte Menschheit.

Reise ohne Wiederkehr

Im Jahr 2031 will Robert Schröder zum Mars fliegen  - als einer der ersten Menschen überhaupt. Wenn es nach dem niederländischen Unternehmen Mars One geht, soll der rote Planet zu einer neuen Heimat für die Menschheit werden. Die Suche nach freiwilligen Kolonisten begann vor vier Jahren. Über 200.000 Menschen haben sich weltweit für die Mission beworben. Robert ist einer der letzten 100 Kandidaten.
 

 


Über die Frage, wie es sein wird, als einer der ersten Menschen den Mars zu betreten, hat sich Robert schon Gedanken gemacht. Berühmte erste Worte hat er sich aber noch nicht überlegt. „Vielleicht dance ich auch einfach...“, sagt er und guckt verschmitzt. Ohnehin will er eigentlich nicht unbedingt als Erster den Fuß auf den roten Planeten setzen. Nicht aus Angst, sondern um eine Idee zu vermitteln: Wir schaffen es als Team. „Ich würde es am liebsten so gestalten, dass wir alle zusammen gleichzeitig rausspringen.“ Es soll nicht um einzelne Personen gehen, sondern um die Mission. Robert ist Idealist, auch wenn er einräumt, dass es wahrscheinlich aus Sicherheitsgründen nicht möglich sein wird, die ersten Schritte auf dem roten Planeten gemeinsam zu gehen.

 

Die Faszination für das Weltall begann mit Star Wars

Angefangen hat alles mit den alten Star-Wars-Filmen. Als Kind hat Robert mit seinem Vater vor dem alten Röhrenfernseher gesessen und war begeistert von den Abenteuern der Weltraumhelden um Luke Skywalker und Han Solo. Fasziniert war er von der riesigen Weite des Weltalls. „Da wollte ich als Kind schon raus“, erinnert er sich.

Bild-Zoom Foto: Privat


Mehr als 20 Jahre später könnte sein Traum Wirklichkeit werden. Im April 2013 reichte Robert, nachdem er über einen Nachrichtensender von dem Projekt erfahren hat, sein Bewerbungsvideo für die Reise zum Mars ein. Für ihn eine einmalige Gelegenheit: „Ich muss sagen können, dass ich es probiert habe. Ansonsten hätte ich mich mein Leben lang geärgert“, erzählt er rückblickend.

"Die Zerstörung der Erde ist realistisch"

Zwar mag er auch als Erwachsener noch Science-Fiction-Filme, aber aus der Hollywood-Phantasie ist für Robert mittlerweile auch eine wissenschaftliche Notwendigkeit geworden. Klimawandel, Überbevölkerung, all das könnte irgendwann zur Zerstörung der Erde und zum Untergang der Menschheit führen. Da ist sich der Student sicher. „Wenn man auf zwei Planeten lebt, teilt man das Risiko.“

Der Weltraum ist für den Darmstädter seit Kindertagen faszinierend. Lange sei es aber einfach unrealistisch gewesen, selbst ins All fliegen zu können, sagt er. Deswegen ist sein Traum für viele Jahre in den Hintergrund gerückt. Zunächst hat er eine Ausbildung zum Physiklaborant gemacht. Damit konnte er aber nur wenig von seinen eigenen Ideen umsetzen. Deshalb hat er sich entschlossen, zunächst noch einmal Mechatronik und Elektrotechnik zu studieren, bevor der sich auf Informationssystemtechnik spezialisierte. 

Lachend räumt er ein: „Ich habe das nicht studiert, um auf den Mars zu fliegen.“ Dass es nun trotzdem klappen könnte, ist ein glücklicher Zufall. Mittlerweile arbeitet der ehemalige Physiklaborant neben seinem Studium selbstständig als IT-Spezialist und wird auch von großen Firmen als Experte angefragt. Dieses Know-How wird ihm auch auf dem Mars nützen.

Ohne Opfer geht es nicht

Bei seinem Entschluss, zum Mars zu fliegen, geht es ihm nicht um eine pathetische Pose. Dafür ist Robert viel zu zurückhaltend. Wenn es um die ganz großen Fragen geht, die mit seinem Vorhaben verbunden sind, spricht er in einem nüchternen Tonfall. Für den Studenten geht es um den wissenschaftlichen und technischen Fortschritt in der Menschheitsgeschichte. „Wenn wir nicht aus der Höhle gekommen wären, würden wir jetzt hier nicht sitzen. Dann hätten wir diese ganzen Annehmlichkeiten nicht -  und die ganzen Technologien.“ 

 
Eine Reise zum Mars, ohne die Möglichkeit jemals zur Erde zurück zu kehren; dafür hat das niederländische Unternehmen Mars One viel Kritik einstecken müssen. Denn man kann sich schon fragen, ob ein solches Angebot in ethischer Hinsicht nicht sehr zweifelhaft ist. „Klar, man kann es fragwürdig finden“, gibt Robert zu. „Aber ich glaube, wir als Menschheit müssen voranschreiten.“
 
Allerdings nicht um jeden Preis: Für Robert kommt es darauf an, wie viel Verantwortung man für andere Menschen trägt. Ein Familienvater sollte sein kleines Kind zum Beispiel nicht auf der Erde zurücklassen, findet der Student. Trotzdem muss es aus seiner Sicht Menschen geben, die dafür sorgen, dass es immer weiter vorangeht, Dafür müssen eben auch Opfer gebracht werden. „Ohne geht es nicht.“ Davon ist Robert überzeugt. Seine „Neugierde“ und sein „Forscherdrang“ sind viel größer als die Angst vor dem Unbekannten. Es ist der Pioniergeist, der ihn antreibt.

Mission steht für Vielfalt

Robert hat Vertrauen in das Unternehmen: Immerhin wir die erste Bemannte Mars-Mission gut vorbereitet. Versorgungskapseln, Frachtladungen und viel technische Ausrüstung – darunter auch Kommunikationssatelliten, Lebenserhaltungssysteme und zwei Marsrover –  werden nach derzeitigem Stand ab dem Jahr 2024 schon vorausgeschickt. Genug Gelegenheiten also, um zumindest die Reise bis zum Mars vorab zu testen. Robert ist deshalb zuversichtlich gestimmt: „Diese Missionen werden alle vorher durchgeführt – mit der selben Rakete, mit dem selben Landesystem. Das heißt das System wird schon sechs bis acht Mal getestet worden sein, bevor Menschen zum ersten mal mitfliegen.“
 
Die kulturelle Vielfalt der Menschheit abzubilden ist bei der Auswahl der Kandidaten für das niederländische Unternehmen besonders wichtig. Toleranz und Teamfähigkeit sind entscheidend. So denkt auch Robert: „Das ist das Schöne an der Mission. Es kann eine Symbolkraft haben, zu zeigen, dass ein international zusammengesetztes Team, trotz großer kultureller Unterschiede zusammenarbeiten kann und etwas erreicht: das Überleben auf dem Mars – als Menschheit.“

Lesen Sie auf Seite 2, warum die Stubenhocker für die Mars-Mission genau die richtigen sind.

Zur Startseite Mehr aus Rhein-Main & Hessen

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse