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Bensheimer Gymnasiallehrer erhält den „Deutschen Lehrerpreis 2016“: Das ist Deutschlands coolster Lehrer

Florian König ist vom Deutschen Philologenverband und der Vodafone-Stiftung Deutschland ausgezeichnet worden. Wofür ihn seine Schüler lieben, was der Preis mit Hollywood zu tun hat und warum er Noten unfair findet, hat er unserer Autorin Muriel-Larissa Frank verraten.
Ist gern der Freund der Schüler: Florian König vom Alten Kurfürstlichen Gymnasium in Bensheim.
Bensheim. 

Ihre Schüler sagen, Sie seien die perfekte Mischung aus Kumpeltyp und Autoritätsperson. Wieso gelingt Ihnen, was so manch anderem Pauker völlig absent ist?

FLORIAN KÖNIG: Weil ich authentisch bin. Ich verstelle mich nicht und spiele meine Machtposition nicht aus, in der ich als Lehrkraft automatisch bin. Stattdessen lasse ich die Schüler an mich heran. Es muss menscheln, dann kann ich den Jugendlichen zwischenmenschliche Sicherheit bieten und auf Augenhöhe begegnen.

Gelingt das auch, wenn Sie Schülern schlechte Noten geben müssen?

KÖNIG: Natürlich. In solchen Situationen ist mir vor allem wichtig, dass die Notengebung so transparent wie möglich bleibt. Ich möchte keine Geheimnisse haben. Außerdem müssen sich die Schüler auch selbst einschätzen. Denn am Ende soll die Notengebung auch fair sein.

Apropos fair: Können Noten überhaupt fair sein?

KÖNIG (seufzt): Ich muss zugeben, die Notengebung ist die wohl größte Herausforderung unseres Berufs. In einem Schulsystem sind Noten auch bisweilen ungerecht. Das hat mit der finanziellen Ausstattung zu tun. Es müsste viel mehr Geld für Bildung ausgegeben werden, dann wäre es Lehrern auch auch bei den heutigen Klassen- und Kursgrößen möglich, Gutachten zu schreiben, die den Schülern eher gerecht werden. Nichtsdestotrotz ist ein ehrlicher Umgang bei der Notengebung wichtig. Ich würde mir manchmal sogar wünschen, dass meine Kollegen mehr Mut haben, die gesamte Bandbreite an Noten auszuschöpfen.

Was meinen Sie damit?

KÖNIG: Die Note 6 wird heute quasi nicht mehr verteilt. Die 5 ist damit die neue 6. Und selbst die wird nur ungern gegeben. Auch weil sich Lehrer zunehmend dafür rechtfertigen müssen, warum sie es nicht geschafft haben, den Schüler zu besseren Leistungen zu animieren. Hinzu kommt der Rattenschwanz an Fördermöglichkeiten, der folgt, etwa individuelle Förderpläne für den Schüler zu entwerfen oder Klassenkonferenzen einzuberufen. Für viele ist die 4 dann doch das kleinere Übel.

Gilt das auch für Sie?

KÖNIG: Ich scheue keine Konflikte, auch weil ich mich nicht verbiegen möchte. Wenn ein Schüler tatsächlich nichts macht, hat er die 5 verdient. Abgesehen davon bin ich der Meinung, dass Schüler auch mal daneben langen dürfen, ohne sich gleich als Verlierer sehen zu müssen.

Info: Zur Person

Dass er Lehrer werden wollte, hat Florian König schon während der Schulzeit beschlossen. „Es hat mich gestört, dass viele Lehrkräfte zwar mit Begeisterung ihr Fach im Blick hatten, die vermittelten

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Ihre Direktheit imponiert offenbar auch Ihren Schülern. Schließlich haben sie Sie für den Deutschen Lehrerpreis in der Kategorie „Schüler zeichnen Lehrer aus“ vorgeschlagen. Wie haben Sie reagiert, als Sie erfahren haben, dass Sie den Preis bekommen?

KÖNIG: Im ersten Moment dachte ich nur: „Ich hab doch nur unterrichtet“. Nachdem ich es dann wirklich realisiert hatte, war ich froh und auch stolz. Die Auszeichnung ist Bestätigung dafür, dass ich im Job alles richtig gemacht habe. Meine Mutter hat mir aus diesem nlass den kleinen Oscar, den wir vor vielen Jahren in Hollywood erstanden haben, mitgebracht, versehen mit einem kleinen Zettel ,Weltbester Lehrer‘.

Die Auszeichnung ist in der Tat quasi eine Art Oscar für Lehrer. Spornt Sie diese Ehrung an, genauso weiterzumachen?

KÖNIG: Selbstverständlich. Die kristallene Trophäe hat inzwischen einen Ehrenplatz auf einem Regalboden in meinem Büro. Wenn ich dann mal wieder länger sitze, Unterricht vorbereite oder Klausuren korrigiere, dann erinnert sie mich daran, dass sich jede Stunde lohnt, die ich investiere.

Lob gab es von den Schülern übrigens für Ihre innovative Unterrichtsgestaltung. Wie schaffen Sie es, das Interesse Ihrer Schüler immer wieder für Biologie und Erdkunde zu wecken?

KÖNIG: Indem ich mir überlege, was mir selbst Spaß machen würde. Natürlich könnte ich strikt nach Lehrplan arbeiten und ein Arbeitsblatt nach dem anderen austeilen. Aber mein Unterricht soll auch mir Spaß machen. Und dann kann es schon mal sein, dass meine Schüler einen Mordfall lösen müssen oder wir gemeinsam den Zellteilungs-Song singen. Oder ich helfe, wenn sich ein Schüler auf ein Praktikum vorbereitet und dafür beispielsweise ein Tier sezieren muss.

Die Schüler können sich auf Sie verlassen. Das gilt auch umgekehrt. Insbesondere bei einer Herzensangelegenheit haben Ihre Schüler mitgewirkt.

KÖNIG: Sehr richtig. Sie haben mich vor zwei Jahren unterstützt, als ich meiner Frau auf dem Wormser Backfischfest den Heiratsantrag gemacht habe. Während ich mit ihr im Riesenrad saß, haben meine Schüler zum richtigen Zeitpunkt das zehn-Meter-Banner mit meiner Frage ausgerollt. Da brauchte ich Menschen, auf die ich mich verlassen konnte. Und nach der kirchlichen Trauung im vergangenen Jahr haben sie uns einen Riesenseifenblasenempfang bereitet. Das alles war nur möglich, weil es menschelt.

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