"Das waren gute 17 Jahre"

Von Ira Schaible und Frank van Bebber
Kanzlerin Merkel hat Roths Politik für Frankfurt und die Kommunen in Deutschland als "herausragend" gelobt. Zu ihrem Abschied bekam die scheidende OB aber nicht nur freundliche Worte zu hören. Vor der Paulskirche demonstrierten mehrere hundert Menschen lautstark.
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Frankfurt. 

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die scheidende Frankfurter OB Petra Roth (beide CDU) als eines der erfolgreichsten Stadtoberhäupter in der Geschichte der Bundesrepublik gewürdigt. "Das waren gute 17 Jahre für Frankfurt", sagte Merkel am Montag in ihrer Laudatio auf die 68 Jahre alte Parteifreundin. Roth habe zudem "viele Jahre als Städtetagspräsidentin den deutschen Kommunen eine Stimme verliehen, die auch auf Bundesebene deutlich zu hören war", sagte sie vor rund 900 Gästen aus dem In- und Ausland. Sie habe sich weit über Frankfurt hinaus einen Namen als kompetente Verhandlungspartnerin gemacht.

Vor der Paulskirche demonstrierten unterdessen nach Polizeiangaben rund 500 Menschen friedlich mit Trillerpfeifen gegen Fluglärm und den Ausbau des Flughafens. Außerdem protestierten etwa 100 Linke und Autonome - nach dem Verbot des "Blockupy"-Protests - gegen Grundrechtseinschränkungen im liberalen Frankfurt. "Es lief ganz geschmeidig", hieß es bei der Polizei.

Roth habe ihre Ämter mit Leidenschaft vorgelebt und mit Herz und Verstand ausgefüllt, sagte Merkel. Sie habe moderne Kommunalpolitik gemacht. "Petra Roth hat die Integration von Zuwanderern von Anfang an zu ihrer Sache gemacht, zu Zeiten als es noch nicht überall en vogue war", sagte Merkel mit Blick auf unterschiedliche Auffassungen zwischen Roth und der Landes-CDU. Roth habe dabei keinen Streit gescheut und das habe der Partei auch gut getan.

Roth forderte ihren Nachfolger Peter Feldmann (SPD) auf, "werden Sie das Gesicht dieser Stadt, treffen Sie Ihre Entscheidungen zum Wohle dieser Stadt". Feldmann war wie Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) sowie zahlreiche Abgeordnete aus Bundestag, Landtag und Europaparlament unter den Gästen. Auch der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dieter Graumann, der Präsident der Evangelischen Kirche von Hessen und Nassau, Volker Jung, und der katholische Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst aus Limburg waren gekommen. Der Vorstandsvorsitzende der Commerzbank, Martin Blessing, und einer der neuen Deutsche-Bank-Chefs, Jürgen Fitschen, sowie Bundesbankchef Jens Weidmann nahmen auch an dem Festakt teil.

Der Deutsche Städtetag würdigte Roth als "Glücksfall für die deutschen Kommunen". Die langjährige Präsidentin und Vizepräsidentin des kommunalen Spitzenverbands sei eine "herausragende, bundesweit anerkannte und geschätzte Kommunalpolitikerin", heißt es in einer Mitteilung. Roth habe 15 Jahre lang Politik und Auftreten des Städtetages kämpferisch und mit viel Herzblut wesentlich mitbestimmt, sagte der Städtetagspräsident und Münchener OB, Christian Ude (SPD), laut Mitteilung.

Hessens Grüne würdigten Roth als "konservative Modernisiererin" sowie als "angesehene und engagierte OB". "Sie war immer an überparteilichen Lösungen interessiert und hat den pragmatischen Kurs der Konfrontation vorgezogen", heißt es in einer Mitteilung der Landesvorsitzenden Kordula Schulz-Asche und Tarek Al-Wazir. Sie kritisierten darin aber auch: Roths Einsatz für den Ausbau des Flughafens bedeute für Zehntausende Menschen eine deutliche Verschlechterung der Lebensqualität. "Zuletzt hat ihre harte Haltung für ein Verbot aller Veranstaltungen im Rahmen der Blockupy-Proteste einen Schatten auf Frankfurt geworfen."

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