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Proteste am Frankfurter Flughafen: Demonstration der Bürgermacht

Von Zur 100. Montagsdemo am Frankfurter Flughafen waren scharenweise Politiker gekommen. Die bekamen vor allem eines zu hören: „Solange die Nordwestbahn nicht geschlossen wird, bleiben wir hier!“
Die Demonstranten haben ihre Kernforderungen auf einem Groß-Plakat zusammengefasst. Foto: Rüffer Die Demonstranten haben ihre Kernforderungen auf einem Groß-Plakat zusammengefasst. Foto: Rüffer
Frankfurt.  Die Politiker mussten an diesem Montag zusehen – ihre Redebeiträge waren nicht gefragt. „Wir sind so oft verarscht worden, wir bieten Politikern keine Bühne“, sagte Thomas Scheffler, Sprecher des Bündnisses der Bürgerinitiativen gegen Fluglärm. Der Ton, er war rau an diesem Montag. Selbstbewusst trumpften die Bürgerinitiativen bei dieser 100. Montags-Demo im Terminal 1 des Frankfurter Flughafens auf. Für die Politiker blieben nur finstere Blicke und laute Pfiffe.

„Natürlich wird heute gepfiffen“, sagte Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) im Gespräch mit dieser Zeitung. Er glaube aber weiter daran, „dass wir den Dialog brauchen, dass wir den Ausgleich brauchen, deshalb bin ich hier“, betonte er.

Bilderstrecke 100. Montagsdemo: Farbenfroher Protest gegen Fluglärm
Tausende Lärmgegner haben sich am Montag in Frankfurt zu ihrer 100. Demonstration gegen Fluglärm im Flughafen-Terminal getroffen. In unserer Fotostrecke sehen Sie Bilder von der Demonstration. Fotos: dpa /fnpAn der Jubiläums-Demo nahmen auch zahlreiche Landes- und Kommunalpolitiker teil.Den hessischen Wirtschaftsminister Tarek al-Wazir (Grüne) . . .

Der Verkehrsminister hatte just an diesem Montag eine Ausweitung der Wirbelschleppen-Vorsorgegebiete rund um den Flughafen angekündigt, nachdem am Wochenende erneut durch Flugzeuge Ziegel von Dächern geweht worden waren. „Die 100. Montagsdemo hat die Ausweitung sicher beschleunigt“, sagte Scheffler.

Natürlich war das Demo-Jubiläum die Stunde der Oppositionsparteien, die schon immer gegen den Flughafenausbau gestritten haben. „Wenn die Portestanten nicht jeden Montag hier stehen würden, würde in der Landespolitik keiner über Fluglärm reden“, sagte Linksfraktionschefin Janine Wissler.

„Wir misstrauen heute allen Zusagen und Versprechungen“, unterstrich BI-Sprecherin Ursula Fechter aus Sachsenhausen. 100 Mal seien die Bürgerinitiativen im Terminal gewesen, 100 Mal hätten sie Protest und Verzweiflung artikuliert. „Man hält uns für hypersensible Spinner“, kritisierte Fechter, doch die Menschen hätten „das einzig Richtige getan: Wir haben den Lärm dahin getragen, woher er herkommt.“

Bilderstrecke Mit Trommeln und Trompeten: 100 Demos gegen Fluglärm
Mit Plakaten, Trillerpfeifen, Trommeln und Sprechchören demonstrieren seit November 2011 Fluglärm-Gegner regelmäßig im Terminal 1 des Frankfurter Flughafens. Das Bild entstand bei der ersten Demo am 14. November 2011. Am 19.05.2014 findet die 100. Jubiläums-Demonstration statt. Fotos: ArchivMit Sprüchen auf Plakaten, Transparenten und T-Shirts übten die Demonstranten schon 100 Mal an Montagabenden Kritik an Nachtflügen, der Nordwest-Landebahn und den Ausbauplänen für ein drittes Terminal am Frankfurter Flughafen.Häufig wurde der Protest laut vorgetragen, ob mit Trommeln...

Die Beharrlichkeit der Demonstranten zeige, „dass es keine Aktion von Spinnern ist“, erklärte der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD). Lange Zeit sei immer nur gesagt worden, was nicht gehe, nun bewege sich vielleicht etwas mit der neuen schwarz-grünen Landesregierung. Und wenn Frankfurt der modernste Flughafen in Sachen Lärmreduzierung werde, könne das sogar ein Standortvorteil sein, mit dem man werben könne, erklärte

„Gut, dass es so einen langen Atem gibt“; so Feldmanns Mainzer Amtskollege Michael Ebling (SPD). Es dauere offenbar „noch eine Weile“, bis Fraport verstehe, dass es zu Lärmreduzierungen kommen müsse. Die Mainzer Umweltministerin Ulrike Höfken (Grüne) kündigte an, ihr Land werde einen neuen Anlauf für ein Lärmschutzgesetz im Bundesrat starten, gemeinsam mit Hessen, Baden-Württemberg und Brandenburg.

„Die Region hält zusammen heute“, freute sich Demo-Koordinator Jochen Krauß über den großen Andrang aus der Politik: „Wir sind hergekommen, um Solidarität zu zeigen, und das macht Fraport Angst“, betonte Krauß, der dann doch zwei Grußworte der Solidarität von der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) und dem Groß-Gerauer Landrat Thomas Will (SPD) verlas. Der hessische Ministerpräsident, Volker Bouffier (CDU), ließ sich nicht blicken. Das wiederum veranlasste SPD-Fraktionschef Thorsten Schäfer-Gümbel zu der Kritik: Die Montagsdemos seien „das Ergebnis einer ignoranten Politik“.
 

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