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Bad Hersfelder Mädchen stirbt an Masernkrankheit SSPE: Den Kampf verloren

Die sechsjährige Aliana aus Bad Hersfeld ist tot. Sie litt an einer unheilbaren chronischen Gehirnentzündung – die Folge einer Maserninfektion im Säuglingsalter. Der Landesverband der Kinder- und Jugendärzte hat eine klare Meinung zum Thema Impfen.
Masern-Patientin Aliana kämpft um ihr Leben Foto: Uwe Zucchi (dpa) Ein Bild aus glücklicheren Zeiten: Mirella Kunzmann (l.) streichelt ihre im Rollstuhl sitzende Tochter Aliana.
Frankfurt. 

Als die Kinder- und Jugendärztin Barbara Mühlfeld gestern Morgen vom Tod der jungen Aliana erfährt, ist sie tief betroffen. Sie habe den Fall des Mädchens verfolgt, erzählt Mühlfeld. Auch wenn nie Hoffnung auf Heilung bestand.

Aliana litt an einer chronischen Gehirnentzündung – im Fachjargon subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE) genannt –, die als Spätreaktion auf eine Masernerkrankung auftrat. „Sie verläuft in Schüben, bewirkt peu à peu Funktionsausfälle und endet immer tödlich“, so Barbara Mühlfeld. Manchmal lebten die Betroffenen noch viele Jahre, manchmal aber auch nur noch wenige Monate oder Tage. Die Pädiaterin kennt sich aus. Auch sie hatte vor 20 Jahren einen Fall von SSPE. „Dem Kind ging es an Weihnachten noch super. Dann kamen die Masern und als Folge SSPE. Ein halbes Jahr später ist es gestorben“, blickt sie zurück.

Aliana war im Alter von drei Monaten an Masern erkrankt – unbemerkt. Mit vier Jahren wurde sie plötzlich vergesslich, fiel immer wieder in eine Art Sekundenschlaf. Die Ärzte diagnostizierten daraufhin SSPE. Und gaben der Vierjährigen nur noch wenig Zeit.

Info: Masernfälle in Hessen

Im vergangenen Jahr sind in Hessen insgesamt 64 Menschen an Masern erkrankt. Das teilt das Robert-Koch-Institut in Berlin mit. Das war ein Fall pro 100 000 Einwohner.

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Das Mädchen trotzte der pessimistischen Prognose. Zuletzt hatte sich Aliana sogar so gut entwickelt, dass die Eltern den Plan fassten, ihre schwerbehinderte Tochter im kommenden Jahr in einen integrativen Kindergarten nach Bebra zu schicken. Sie hatten dafür sogar schon ein größeres Auto angeschafft, um das Mädchen in ihrem Rollstuhl transportieren zu können. Doch nun die traurige Nachricht: Aliana hat den Kampf gegen die SSPE am Donnerstagmorgen verloren. „Sie hat in letzter Zeit mit Infekten zu tun gehabt“, erklärte gestern ihr Kinderarzt in Bad Hersfeld, Georg Johann Witte.

Impfpflicht gefordert

Mutter Mirella Kunzmann war mit der Krankheit ihrer Tochter mehrfach an die Öffentlichkeit gegangen. Auf Facebook kämpfte sie beispielsweise dafür, dass andere Mütter ihre Kinder und auch sich selbst impfen lassen. Kunzmann war nämlich nicht gegen Masern geimpft, habe um die Bedeutung der Impfung auch nicht gewusst.

„Das ist ein gravierender Mangel an Fürsorge“, empört sich Barbara Mühlfeld. Ihr Unverständnis richte sich aber nicht gegen die Eltern – „Sie sind häufig hochgradig verunsichert.“ –, sondern vielmehr gegen Menschen, die Lügen über die Impfung verbreiteten. „Unwahr ist beispielsweise, dass Autismus die Folge einer Masernimpfung ist“, betont Mühlfeld, die dem Landesverband der Kinder- und Jugendärzte angehört und für eine verpflichtende Impfung gegen Masern eintritt. „Neueste Zahlen belegen, dass es bei einem von 3000 Fällen zu Komplikationen nach einer Maserninfektion kommt“, so Mühlfeld. Das sei erschreckend. Sie mahnt: „Eltern, die ihre Kinder nicht impfen lassen, bringen sowohl die eigenen Kinder als auch die noch nicht impfbaren Säuglinge anderer Eltern in Gefahr, weil die Krankheit so besonders ansteckend ist.“

In Deutschland wird die Masernimpfung vom neunten Lebensmonat an empfohlen. „Es ist eine Lebendimpfung, das heißt, es wird ein unschädlich gemachtes Masern-Virus gespritzt, damit die Kinder daraufhin Antikörper entwickeln können“, erklärt die Homburgerin. Da dies allerdings beim ersten Mal nur 80 Prozent der Kinder tun, sei eine Impfauffrischung ein Jahr später dringend notwendig.

Der einzige Nachteil: Der Impfschutz reicht nicht für einen Nestschutz von Säuglingen aus. Es würden während der Schwangerschaft nicht genügend Antikörper von der Mutter auf das Kinder übertragen, wie Mühlfeld erklärt. Das sei nur der Fall, wenn die Mutter Masern gehabt und überlebt habe. Deshalb sei wichtig, dass auch die Mütter geimpft seien.

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