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Adventskalender: Depot des Städel Museums: Hier lagern die Meisterwerke

Von Türchen öffne Dich: Bis zum Heiligabend werfen wir jeden Tag einen Blick auf verborgene Orte im Rhein-Main-Gebiet. Heute geht es die Stufen hinab im Frankfurter Städel Museum.
241117StaedelDepot_5 Foto: Heike Lyding Martin Engler, Leiter der Sammlung Gegenwart, muss kräftig ziehen, damit die Kostbarkeiten zum Vorschein kommen.
Frankfurt. 

Wo die Ausstellungsräume aufhören und das Depot beginnt, würde man auch merken, wenn keine schweren Türen den Durchgang für normale Museumsbesucher unmöglich machen würden. Dahinter riecht es anders: nach Betonfußboden und ein bisschen nach Keller, obwohl das Depot für die Gegenwartskunst auch nicht tiefer liegt als die Gartenhallen, für die zwischen 2009 und 2012 im Städelgarten eine riesige Wanne gegraben wurde, für 3000 Quadratmeter Ausstellungsfläche. Aber das ist eben nur der für alle begehbare Teil. Hinzu kommen mehr als 1000 Quadratmeter fürs Depot.

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In neun Räumen lagern die Bilder der Altmeister-Abteilung, für die moderne und für die Gegenwartskunst. Dazu kommt, vierstöckig, ein Extra-Depot für die Graphische Sammlung. Sie hat die Sonderstellung, dass sich jeder Besucher jedes gewünschte Blatt zur Ansicht vorlegen lassen kann.

Nur das Team hat Zutritt

Nicht so in den Depots für die Gemälde und Fotografien: Hier darf nur eintreten, wer zum Team gehört – und auch das nicht allein. Im Depot herrscht das Vier-Augen-Prinzip, sagt Martin Engler. Er betreut die Gegenwartskunst im Städel. Nur einen Schlüssel gibt es, verzurrt am Hosenbund von Depotverwalter Dominik Auvermann. Ohne ihn kommt niemand hinein.

Bilderstrecke 200 Jahre Städel: Dialog der Meisterwerke
Die Austellung "Dialog der Meisterwerke" im Frankfurter Städel zeigt Bilder aus den renommiertesten Museen der Welt. Unser erstes Bild zeigt "Judith enthauptet Holofernes" von Artemisia Gentileschi aus dem Jahre 1612. Das Gemälde hängt normalerweise in der Nationalgalerie in Neapel.Natürlich sind auch die "Klassiker" des Städels zu bestaunen. Zum Beispiel "Goethe in der römischen Campagna" von Johann Heinrich Wilhelm Tischbein aus dem Jahre 1787.Hier sehen wir das bekannteste Goethe-Bildnis an seinem Platz im Städel.

Die dicken Stahltüren sind fünf Meter hoch: Auch übergroße Wandgemälde müssen hier durch. An der Decke rauschen die Lüftungsrohre. Hygrometer in den Regalen wachen über Feuchtigkeit und Temperatur. Gleich im ersten Depotraum eine Überraschung: Auf dem Boden lehnen Anselm Kiefers „Argonauten“: zur Kontrolle, sagt Engler. Regelmäßig muss das Gemälde, das mit Stoffteilen, Zähnen und vielen Schichten rissiger Lehmkruste bemalt ist, begutachtet werden. Das Depot ist ein Ort hingebungsvoller Fürsorge.

Übersichtlich und doch vollgestellt ist der Raum. Man sollte sich achtsam bewegen. In unvermuteter Nachbarschaft zu den „Argonauten“ die ebenfalls riesige schöne Nackte von Victor Müller, kürzlich noch in der Schausammlung zu sehen.

Herolds „Großer Bär“

Davor lagert das Modell der Sol-Lewitt-Skulptur, deren Original man an der Frankfurter Gallusanlage besichtigen kann. Selbst von der Decke hängt Kunst: Georg Herolds „Großer Bär“, eine komplizierte Leinwand-Skulptur, umwickelt von einer großen weißen Stoffplane, um sie vor Staub zu schützen.

241117StaedelDepot Bild-Zoom Foto: Heike Lyding
Über fünf Meter hoch: Eingangstür in einen der Depoträume.

Dicht an dicht in deckenhohen Hängeregalen reihen sich die Meisterwerke – und weniger Bedeutendes. Auf Rollen gleiten die Bilder heraus, sobald man an den Schiebewänden zieht. Sich geläufig im Depot zu bewegen heißt, den Geist des Hauses verstanden zu haben.

Natürlich ist jedes Bild auch digital gespeichert. Anders als die öffentlich zugängliche Bildersuche verzeichnet die interne Datenbank, übrigens im Depot über einen ebenfalls staubgeschützten Rechner zugänglich, auch detaillierte Informationen über Leihaktionen, Versicherungswerte, Schenkungsurkunden und dergleichen.

Der Rechner ist somit der erste Zugang zu den unterirdischen Schatzkammern. Doch wenn es um eine Ausleihe oder Umhängung geht, kommt irgendwann der Augenblick, in dem das Original hervorgezogen wird.

Ein feierlicher Moment

Ein feierlicher Moment, trotz Betonfußboden und Wänden, die das Mauerwerk durchscheinen lassen. Der Weg zurück in die Sammlung führt durch einen umlaufenden Gang, der die gesamten Gartenhallen umrundet. Dann noch eine schwere Tür, und man steht wieder mitten im Museum. Es ist ein seltsamer Kontrast, ein Sprung in eine andere Welt: ähnlich dem Gang vom Backstage-Bereich auf eine große Bühne, auf die sich tausend Augenpaare richten. Eben noch unscheinbar, erstrahlt, was in die Halle gelangt, im besten Licht. Damit das funktioniert, bedarf es des Depots dahinter. Der große Auftritt – hier wird er bedacht und geplant.

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