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Fakeprofil auf Facebook: Der erfundene Grüne

Von Mit einem dubiosen Facebook-Eintrag erntete ein vermeintlich Grüner viel Aufmerksamkeit von der AfD und stiftete Verwirrung bei den Grünen. Dann stellt sich heraus: alles nur ein Fake.
Frankfurt. 
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War schon kurios, was der vermeintliche Grüne, da im Internet zum Besten gab: „Meine Freunde“, schrieb er auf seiner Facebook-Seite an seine Web-Bekanntschaften, „Trumps Wahlsieg zeigt, dass der Rechtspopulismus sich durchsetzt“. So weit, so unauffällig. Aber dann kommen seltsame Schlussfolgerungen. Dies werde 2017 auch in Deutschland passieren, die AfD werde Stimmen sammeln – und deswegen „müssen wir bis zur nächsten Wahl unser Bestes geben und so viele Afrikaner und Syrer wie möglich in unser Land holen“. Es folgt die Aufforderung an alle Grünen, Flüchtlinge zu unterstützen, „egal wie integrationswillig sie sind“.

Geschrieben von „Tobias Weihrauch“, Porträtfoto, ein Banner von Bündnis90/Die Grünen, Landesverband Rheinland als Hintergrundbild, einige Hundert „Freunde“ wie die Kontakte auf diesem „sozialen Netzwerk“ heißen, darunter auch viele hessische Grüne. Alles wirkte echt. Das Profil ist auf Facebook inzwischen gelöscht, Screenshots gibt es davon allerdings zuhauf.

Der Korbacher Landtagsabgeordnete Daniel May war es schließlich, der Verdacht schöpfte und erstmals in seiner Partei nachfragte: „Wer kennt ,Tobias Weihrauch‘?“ Es stellt sich heraus: Niemand, bis hin zur Bundeszentrale kennt keiner den vermeintlichen Grünen.

Ein sogenannter Fake-Account, ein gefälschtes Profil. Davon gibt es in den sogenannten sozialen Medien Tausende, doch dieses ist besonders perfide. Zum einen wegen des Fotos: Das ist geklaut und zeigt einen Fotografen aus Heidelberg, der weder mit den Grünen noch mit den Rechten etwas zu tun hat.

Die rechte Szene war es nämlich, die den „Weihrauch“-Beitrag eifrig weiterleitete – viele AfD-Verbände darunter, wie Tobias Sämann, Vorsitzender der Grünen Jugend Hessen berichtet. Sämann hatte sich nach dem ersten Vorstoß Mays daran gemacht die Causa „Weihrauch“ zu dokumentieren: „Wie ein rechtes U-Boot uns Grüne unterwandert“.

Die Reaktionen auf den vermeintlichen Grünen-Eintrag sind oft nicht druckfähig; klar ist, dass in rechten Kreisen der Beitrag für bare Münze genommen wird. Beispiel: „Grüne Politik? Danke für die klaren Aussagen!“ Und selbst als es die Runde macht, dass es den Grünen „Tobias „Weihrauch“ nicht gibt, interessiert das die entsprechende Klientel gar nicht: „Egal ob Fake oder nicht“, schreibt ein Nutzer, „der Typ hat nur die tragische Positionierung der Grünen formuliert.“

Auch wenn Jürgen Frömmrich, netzpolitischer Sprecher der Grünen-Landtagsfraktion in Wiesbaden, noch keine weiteren Fälle dieser Art kennt, warnt er davor, „wie leichtgläubig mit Meinungsäußerungen im Netz umgegangen wird und wie schnell sich solche Meinungen in der eigenen Klientel – in diesem Fall der rechten Szene – verbreiten“.

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