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Deutscher Buchpreis für Österreicher Robert Menasse

Der Autor hat selbst vor Ort in Brüssel recherchiert. Jetzt hat Robert Menasse für seinen vielschichtigen Roman über die EU-Bürokratie in Brüssel den Deutschen Buchpreis erhalten.
Der österreichische Autor Robert Menasse. Foto: Arne Dedert Der österreichische Autor Robert Menasse.
Frankfurt/Main. 

Der österreichische Schriftsteller Robert Menasse hat mit seinem Europa-Roman „Die Hauptstadt” den Deutschen Buchpreis gewonnen. Das gab der Börsenverein des Deutschen Buchhandels am Montagabend in Frankfurt bekannt.

Mit dem Preis wird vor der Frankfurter Buchmesse der beste deutschsprachige Roman des Jahres ausgezeichnet. Die Auszeichnung für den 63-jährigen Autor aus Wien ist mit 25 000 Euro dotiert. Im Finale standen sechs Titel.

Menasses Buch, ein ironischer Gesellschaftsroman mit Krimi-Elementen, spielt in Brüssel und setzt sich mit der EU-Bürokratie auseinander. Am Beispiel zahlreicher Figuren und Erzählstränge entwirft er ein schillerndes Panorama der europäischen Eliten.

Die siebenköpfige Jury würdigte das Buch als „vielschichtigen Text, der auf meisterhafte Weise existenzielle Fragen des Privaten und des Politischen miteinander verwebt und den Leser ins Offene entlässt”. „Dramaturgisch gekonnt gräbt er leichthändig in den Tiefenschichten jener Welt, die wir die unsere nennen”, urteilte die Jury weiter. Das Buch mache „unter anderem unmissverständlich klar: Die Ökonomie allein, sie wird uns keine friedliche Zukunft sichern können.”

Robert Menasse stammt aus einer jüdischen Familie in Wien. Sein Vater hatte Österreich im Jahr 1938 mit einem der letzten Rettungstransporte für jüdische Kinder in Richtung England verlassen können.

Der 63-Jährige gilt als leidenschaftlicher Anhänger eines supranationalen Europas. Mit der europäischen Idee hat er sich schon mehrfach in Büchern und Essays beschäftigt. Für seinen neuen Roman hat Menasse auch in Brüssel recherchiert.

In der Endausscheidung setzte sich Menasse gegen Gerhard Falkner („Romeo oder Julia”), Franzobel („Das Floß der Medusa”), Thomas Lehr („Schlafende Sonne”), Marion Poschmann („Die Kieferninseln”) und Sasha Marianna Salzmann („Außer sich”) durch. Im vergangenen Jahr hatte Bodo Kirchhoff für seinen Roman „Widerfahrnis” den Buchpreis gewonnen.

Für den Deutschen Buchpreis haben Verlage aus Deutschland, der Schweiz und Österreich mehr als 200 Neuerscheinungen eingereicht. Vor der Shortlist hatte die Jury eine 20 Titel umfassende Longlist erstellt.

Der Deutsche Buchpreis wird vom Dachverband des Deutschen Buchhandels seit dem Jahr 2005 vergeben. Er hat sich zur wichtigsten Auszeichnung der Branche entwickelt. Mit dem Preis ist in der Regel auch ein vorderer Platz auf den Bestsellerlisten verbunden.

(dpa)
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