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Die Landebahn soll leiser werden

Späteres Beidrehen, größere Höhen und steilere Anflugswinkel: Diese drei Strategien des "Forums Flughafen und Region" sollen seit gestern den Fluglärm senken. Kritiker sprechen von "Beruhigungspillen".
Frankfurt. 

Das Datum passt. Am 21. Oktober 2011 steuerten die ersten Flugzeuge die damals neu gebaute Landebahn Nordwest an. Fast genau ein Jahr später sitzen Fraport-Chef Stefan Schulte und Vertreter der Dachorganisation "Forum Flughafen und Region" (FFR) in einem klimatisierten Besprechungsraum und stellen neue Schritte vor, mit denen sie den Fluglärm eindämmen wollen. Dieses Paket gehört zur "Allianz für den Lärmschutz 2012", die die Luftfahrtbranche und Landesregierung vereinbart haben.

Im Kern sehen die drei neuen Strategien vor, dass die Flugzeuge später zum Landen beidrehen, höher fliegen und in einem steileren Winkel den Boden ansteuern. Das Forum Flughafen und Region hat sie mit dem Expertengremium Aktiver Schallschutz erarbeitet. Den Weg für die Umsetzung ebneten die Deutsche Flugsicherung und die Fraport AG.

Neues Landesystem

Seit gestern sollen demnach die Piloten die Landebahn Nordwest steiler anfliegen, um mehr Abstand zwischen sich und die Kommunen zu bringen. Normal sind 3 Grad, künftig werden 3,2 Grad angestrebt. Dafür waren Vorarbeiten und Ausnahmen nötig. "Denn eigentlich hebt die Internationale Zivilluftfahrorganisation ICAO die Gradzahl nur an, wenn beim Anflug Hindernisse im Weg sind und der Sicherheitsabstand nicht anders eingehalten werden kann", erläutert André Biestmann vom FFR-Vorstand. "Ein steilerer Anflug aus Lärmschutzgründen ist normalerweise nicht vorgesehen."

Um dennoch für weniger Lärm zu sorgen, musste sich der Flughafen für die Landebahn Nordwest ein zweites Instrumenten-Landesystem anschaffen – was deutschlandweit einmalig ist. Eines der Systeme wird auf 3,2 Grad, das andere bleibt zur Sicherheit bei 3 Grad. "Allerdings geht das nur bei der neuen Landebahn", schränkt Schulte ein. Die Piste im Süden verträgt nur ein System, ein weiteres würde das erste behindern.

Die zweite Strategie betrifft die Gegenanflüge, also dem Übergang vom Sinkflug zur Landevorbereitung. Sie sollen jeweils um 1000 Fuß, also rund 300 Meter, erhöht werden. An vier festgelegten Fixpunkten müssen die Maschinen neuerdings eine Mindesthöhe von 5000 Fuß im Nordwesten und 4000 Fuß im Süden einhalten.

Außerdem werden die Anflüge über Offenbach und Mainz anders geführt. "Es geht hierbei um die Wendepunkte, an denen die Piloten beidrehen. Sie werden nach Osten hin verschoben und halten so mehr Abstand zu Offenbach und Mainz", sagt Biestmann. Das bedeutet eine Erleichterung für die beiden Städte. Dafür könnte es jetzt in der Gegend um Langenselbold und Mühlheim lauter werden. Aber diese Balance ist eben das Problem bei einem solchen Maßnahmenpaket, sagt Günter Lanz vom Umwelt- und Nachbarschaftshaus. Die Einrichtung überwacht die Lärmschutzstrategien und misst Veränderungen, seit der erste Lärmschutz-Katalog im Juni 2010 ausgearbeitet wurde. Ob die drei neuen Strategien zu einer merklichen Entlastung führen, kann noch niemand sagen: Man rechne mit Verbesserungen zwischen 1,5 und drei Dezibel pro 1000 Fuß. "Das hängt aber von vielen Faktoren wie Konfiguration und Flugzeugtyp ab", so Lanz. "Wie viel leiser es wird, müssen wir erst untersuchen."

"Eher theoretisch"

Zudem besteht für die Luftlinien nur eine freiwillige Selbstverpflichtung: Wenn die Piloten beispielsweise den steileren Anflug ablehnen – etwa bei schlechter Sicht –, bleibt alles beim Alten. "Die Sicherheit steht über dem Lärmschutz."

Deswegen hält Ingrid Kopp, Sprecherin des Bündnisses der Bürgerinitiativen "Kein Flughafenausbau", die Maßnahmen für eher theoretisch. "Das sind Beruhigungspillen", sagt sie auf Anfrage der Frankfurter Neuen Presse. "Ob sich tatsächlich etwas ändert, werden wir sehen. Aber wir lassen uns gern positiv überraschen."

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