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Interview: "Die Nachtflugregelungen gehen nicht weit genug"

Einst hat sich Frank-Peter Kaufmann gegen den Ausbau des Frankfurter Flughafens ausgesprochen. Heute ist der 70-Jährige flughafenpolitischer Sprecher der Grünen im Landtag und sitzt seit 2013 im Aufsichtsrat von Fraport. Gespräch: Klaus Späne.
Montagsdemonstration gegen Fluglärm am Frankfurter Flughafen. Foto: Heike Lyding Montagsdemonstration gegen Fluglärm am Frankfurter Flughafen.

Herr Kaufmann, wie bewerten Sie es, dass die Montagsdemo bereits zum 250. Mal stattgefunden hat?

KAUFMANN: Ich finde es gut, dass sich die Bewegung, die sagt, der Fluglärm ist immer noch entschieden zu hoch, bemerkbar macht. Wenn man nicht daran erinnert, ist das Thema weg. Aber es ist – auch nach unserer Auffassung – nicht weg, weil es nach wie vor heftiger Bemühungen bedarf, die aktuellen Zustände zugunsten der Anwohner zu verbessern. Da wir es mit keinem leichten Gegenüber zu tun haben, sondern mit einer im Lobbyismus geübten Wirtschaftsbranche, muss immer wieder darauf hingewiesen werden. Wie schwierig die Situation ist, sehen Sie zurzeit in Berlin: Das Umweltbundesamt hat Vorschläge gemacht, das Fluglärmschutzgesetz entsprechend zu ändern; die Lobby der Luftverkehrswirtschaft versucht, das mit Macht zu verhindern. Im Augenblick sieht es nicht so aus, als würde sich die Vernunft durchsetzen.

Frank Kaufmann Bild-Zoom Foto: Boris Roessler (dpa)
Deutschlands größter Airport ist das Spezialgebiet von Frank-Peter Kaufmann. Für manche Fluglärmgegner ist der Grüne aber auch ein rotes Tuch.

Die Grünen argumentieren, dass sie das Nachtflugverbot erreicht hätten. Vielen Fluglärmgeplagten geht das ja nicht weit genug. Zu Recht?

KAUFMANN: Dass die Nachtflugregelungen nicht weit genug gehen, ist eine Tatsache – sie werden gerne Nachtflugverbot genannt, sind es aber bedauerlicherweise nicht in Gänze. Die von mir persönlich mitinitiierte Nora-Studie weist eindeutig aus, dass acht Stunden Nachtruhe im Prinzip für die Gesunderhaltung notwendig sind.

Haben Sie vor Fraport und der Fluglobby kapituliert?

KAUFMANN: Wir Grüne haben den Planfeststellungsbeschluss nicht gemacht, wir waren immer dagegen und halten nach wie vor den Ausbau, wie er geschehen ist, für einen Fehler. Leider kann man Fehler nicht einfach wegzaubern. Deswegen haben wir uns entschieden, wir übernehmen die Verantwortung und versuchen, jede rechtlich zulässige Möglichkeit durchzudrücken, um die Belastung zu senken. Mit ordnungsrechtlichen Maßnahmen, also mit Änderungen des Planfeststellungsbeschlusses, kommen wir leider nicht weiter, weil der Beschluss selber Grenzen zieht, ab wann er überarbeitet werden kann. Diese Grenzen sind bei weitem nicht erreicht. Und alles, was dort steht, hat den Segen der obersten deutschen Verwaltungsrichter.

Ein weiteres Problem ist: Ryanair entwickelt sich gerade zum Dauerärgernis mit verspäteten Landungen . . .

KAUFMANN: Ich finde, dass es sich gerade in die richtige Richtung entwickelt. Ryanair hat die Flüge von Stansted und Catania vorverlegt, so dass nur noch der Barcelona-Flug bleibt. Jetzt wollen wir gucken, ob das etwas bringt.

Dennoch hat man manchmal den Eindruck, dass Ryanair der Landesregierung auf der Nase herumtanzt …

KAUFMANN: Wenn die 50 000 Euro Strafe zahlen müssen, würde das auf Nase herumtanzen sehr teuer. Noch teurer würde es, wenn man zusätzlich den vermiedenen Schaden abkassieren würde, also die geldwerten Vorteile durch die verbotenen Maßnahmen. Das hat Hamburg versucht, bisher ohne Erfolg. Auch da muss man nachweisen, dass die Verspätung sich bereits aus der Planung ergeben hat. Die Tatsache, dass die beiden Flüge vorverlegt wurden, beweist, dass Ryanair merkt, dass das auf Dauer nicht funktionieren kann.

Der Flughafen will weiter wachsen, das Terminal 3 ist beschlossen. Der Zeitplan für den neuen Billigflieger-Flugsteig G steht. Klingt das nicht nach mehr als nach weniger Lärm?

KAUFMANN: Mehr Flugbewegungen sind zunächst mal mehr Lärmereignisse. Die Frage ist jedoch, ob das objektiv nach Dezibelzahlen wirklich zu mehr Lärmbelastung führt. Das steht dahin. Was man Ryanair bei allen Schweinereien, die das Unternehmen sonst begeht, nicht vorwerfen kann, ist, dass es altes lautes Gerät fliegen würde. Ryanair fliegt mit das Modernste, was es gibt. Mit den Lärmobergrenzen wollen wir erreichen, dass selbst bei mehr Flugbewegungen der Lärm nicht beliebig ansteigt.

Die Flughafenanrainer empfinden das aber nicht so, ist aus Ihren Worten herauszuhören …

KAUFMANN: Ich komme aus dem Kreis Offenbach. Dazu gehört auch Neu-Isenburg. Die Neu-Isenburger haben seit der Eröffnung der Nordwestlandebahn im Normalbetrieb, also bei Westwind, deutlich weniger Flugbewegungen. Trotzdem erklären viele, es sei lauter geworden. Ich will gar nicht bestreiten, dass die Leute so empfinden, aber die subjektive Komponente ist sehr hoch bei Lärmwahrnehmungen. Ich vermute auch, dass durch unser hektisches Leben, die ständige Erreichbarkeit per Smartphone und all diese Dinge, die einem weniger mentale Pausen ermöglichen, das Nervenkostüm stärker strapaziert wird. Möglicherweise werden auch deshalb solche Effekte als viel störender wahrgenommen.

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