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Wohngebiete: Die Region baut wieder mehr

Von In der Region Frankfurt/Rhein-Main werden wieder mehr Baugebiete ausgewiesen als in den vergangenen Jahren. „Der Wind hat sich gedreht“, sagt Thomas Horn (CDU), designierter Direktor des Regionalverbands. Er hält es dennoch für nötig, den Wohnungsbau zu beschleunigen.
Foto: Friso Gentsch/Symbolbild Foto: Friso Gentsch/Symbolbild
Frankfurt. 

Die Region wächst. Prognosen zufolge werden im Jahr 2030 rund 2,4 Millionen Menschen im Gebiet des Regionalverbands zwischen Hofheim, Butzbach, Hanau und Groß-Gerau wohnen. Das sind rund fünf Prozent mehr als heute. Deshalb muss neu gebaut werden. Einen Bedarf von rund 180 000 zusätzlichen Wohnungen hat der Regionalverband Frankfurt/Rhein-Main für die Jahre bis 2030 ermittelt.

Bisher schien es so, als würde dieses Ziel nicht erreicht. Nur elf Prozent der im regionalen Flächennutzungsplan ausgewiesenen Neubaugebiete seien genutzt worden, hieß es. Doch jetzt hat der Regionalverband neue Zahlen vorgelegt: Mittlerweile sind 14 Prozent der Wohnbaupotenziale genutzt, auf weiteren 48 Prozent der Flächen ist eine Entwicklung geplant (siehe Text rechts). Das heißt: 62 Prozent der Reserve wird genutzt.

Bis zu 36 000 Wohnungen

Thomas Horn, Beigeordneter und designierter Direktor des Planungsverbands, erkennt deshalb eine Trendwende. „Der Wohnungsdruck ist in den Kommunen verstärkt angekommen, und die Verantwortlichen handeln jetzt“, sagt der CDU-Politiker. 600 Hektar würden in den kommenden Jahren bebaut. Darauf sind gemäß der im Flächennutzungsplan vorgegeben Bebauungsdichte zwischen 27 000 und 36 000 Wohnungen möglich.

Eigentümer verzögern die Entwicklung

Rund 3820 Hektar sind im regionalen Flächennutzungsplan für neue Baugebiete reserviert. Davon sind 62 Prozent schon „aktiviert“, wie es die Fachleute ausdrücken.

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Horn weist darauf hin, dass in diesen Zahlen die Potenziale der Innenentwicklung noch gar nicht enthalten sind, das sind Baulücken oder die Umwandlung kleinerer Gewerbegrundstücke. Der Schwerpunkt der Entwicklung liegt in Frankfurt, Offenbach und Hanau. Dort gibt es kaum noch ungenutzte Reserveflächen.

Das gesamte Flächenangebot in der Region reicht nach Einschätzung Horns aus, um den prognostizierten Wohnungsbedarf zu decken. Allerdings tut sich derzeit auf 38 Prozent der potenziellen Baugebiete gar nichts. Betroffen sind zum Beispiel etliche Städte im Taunus. „Dort muss mehr passieren“, fordert Horn. Der Regionalverband hat bei den Gemeinden die Gründe für die Stagnation abgefragt. Demnach sind schwierige Eigentumsverhältnisse das größte Hindernis für eine Bebauung. Es folgen die Kosten für zusätzliche Infrastruktur und der fehlende politische Wille.

Gegen Bürgerentscheide

„Bauen ist für Kommunalpolitiker kein Gewinnerthema“, zeigt Horn, der früher Bürgermeister in Kelkheim war, Verständnis für schwierige politische Debatten. Komme es zu Blockaden, helfe nur „argumentative Überzeugungsarbeit“. Außerdem setzt er auf Landeszuschüsse, um Kommunen dabei zu helfen, neue Infrastruktur wie Kitas und Schulen zu schaffen.

Aber es müsse auch schneller geplant werden. Das betreffe nicht nur die Baugebiete, sondern auch die Schienenstrecken, mit denen die Neubürger zu ihrem Arbeitsplatz gelangen sollen. „Es darf nicht sein, dass solche Projekte 30 Jahre dauern“, meint er. „Das müssen wir in höchstens zehn Jahren schaffen. Am Flughafen hat das ja auch geklappt.“ Horn hält deshalb ein „Beschleunigungsgesetz“ auf Bundesebene für nötig. Der Regionalpolitiker warnt auch vor dem Trend zu immer mehr Mitwirkung der Bürger. „Das ist ein Fehler, weil dadurch die Planungsprozesse verzögert werden.“ Horn plädiert dafür, die Beteiligungsrechte auf ein Minimum zu beschränken. Auch dürften Bebauungspläne nicht mehr Gegenstand von Bürgerbegehren sein. „Denn Konflikte gibt es doch bei jedem zweiten Baugebiet.“

Die Stadt Frankfurt, in der künftig der größte Teil des Einwohnerzuwachses erwartet wird, hatte sich immer wieder für mehr Wohnungsbau im Umland eingesetzt. Auf den umstrittenen neuen Stadtteil im Nordwesten der Stadt an der A 5 kann nach Einschätzung von Planungsdezernent Mike Josef (SPD) dennoch nicht verzichtet werden. „Wir haben schon jetzt täglich 350 000 Pendler, die überwiegend mit dem Auto in die Stadt kommen“, sagt er. „Das ist ein großes ökologisches Problem.“ Seite 3

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