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In Taunusstein: Die Schlägerei im Schwimmbad, die gar keine war

Von Laut des Facebook-Posts eines AfD-Politikers haben sich in Taunusstein schlimme Szenen in einem Schwimmbad abgespielt. Die Polizei ist verwundert, der Politiker rudert auf Nachfrage zurück – und die Stadt Taunusstein muss sich Gedanken über ihre Badeordnung machen.
Symbolbild Foto: Rainer Rüffer Symbolbild
Taunusstein. 

Auf Facebook kursiert derzeit ein Post, der vermuten lässt, dass sich schlimme Szenen in einem Schwimmbad in Taunusstein im Rheingau-Taunus-Kreis abgespielt haben. Veröffentlicht wurde er von Klaus Gagel, Vorstandssprecher des Kreisverbandes Rheingau-Taunus der Alternative für Deutschland (AfD). Seinen Schilderungen zufolge widersetzte sich vergangene Woche eine „islamistische Großfamilie aus dem Kreis der Migranten mit geschätzt etwa 15 Mitgliedern“ wiederholt den Anweisungen des Badpersonals. Streitursache war laut Gagel, dass mehrere Mitglieder der Familie in Alltagskleidung ins Wasser gehen wollten. Das ist laut Badeordnung verboten. Die Situation sei eskaliert, es seien auch Fäuste geflogen. Mehrere Badegäste, so der AfD-Mann, hätten sich belästigt oder bedroht gefühlt. 

Beamten ein solcher Vorfall nicht bekannt

Die Polizei in Taunusstein ist verwundert. Ein Vorfall, wie Gagel ihn schildert, ist den Beamten nicht bekannt.  „Falls es zu strafbaren Handlungen kam, wurden diese nicht bei der Polizei angezeigt. Uns ist auf jeden Fall nichts von einer Schlägerei im Freibad Taunusstein bekannt“, sagt ein Polizeisprecher. Auch Mona Werner, Pressesprecherin der Stadt Taunusstein, sagt: „Wir können die Aussagen, dass es verbale oder körperliche Übergriffe gab, in keiner Weise bestätigen.“ Natürlich gebe es immer wieder Situationen, in denen Menschen mit ungeeigneter Kleidung ins Wasser gehen wollten. „Das ist aber ganz unabhängig vom Alter, Religion oder Geschlecht. Das sind sowohl Kinder als auch Erwachsene“, sagt Werner.

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Was sagt Klaus Gagel? „Ich habe die Vorfälle aus dem Kreis der Badenden berichtet bekommen. Es gab laut deren Aussage Beleidigungen und Belästigungen. Die Aussagen der Stadtverwaltung sind deshalb falsch.“ Die Sache mit der Schlägerei nimmt der Politiker aber zurück. „Nachdem ich noch einmal nachgefragt habe, bin ich mir nicht mehr ganz sicher. Für die Badenden hat es sich erst einmal so angehört, es gab Stimmengewirr und so weiter“, sagt er.

Taunussteins erster Stadtrat Peter Lachmuth bestätigt, dass mehrere Badbesucher sich über einen Vorfall im Schwimmbad beschwert haben. „Mehrere Ehepaare, die an diesem Tag anwesend waren, haben mir davon berichtet“, sagt Lachmuth. „Ich war über die Aussagen von Mona Werner erstaunt, denn ich kann nicht negieren, dass sich Bürger bei mir beschwert haben.“ Nun gehe es darum, nach Lösungen zu suchen, mit denen alle zufrieden sind. „In anderen hessische Kommunen gibt es ja schon Beispiele, die müssen wir uns jetzt mit dem Bürgermeister und dem Magistrat genauer ansehen.“ Für Lachmuth ist beispielsweise eine spezielle Badezeit für Migranten denkbar, „aber das müssen wir erst einmal alles genau durchsprechen“.

Härtere Badordnung gefordert

Ob es eine Schlägerei gab oder nicht – AfD-Mann Gagel fordert eine härtere Badordnung. Die Befugnisse der Bademeister müssten gestärkt werden, sagt der Politiker. „Es ist nicht hinnehmbar, dass Menschen in Straßenbekleidung ins Wasser gehen wollen. Das entspricht nicht den hygienischen Standards.“

Die Stadt wolle sich nach der Freibadsaison nun Gedanken darüber machen, ob eine Änderung der Badeordnung nötig ist, sagt Stadtsprecherin Mona Werner. "Akut gibt es aber keinen Anlass."

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