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Modellprojekt: Digitalisierung von Grundschulen kommt nur in kleinen Schritten

Von Wie soll der digitale Wandel an Grundschulen gelingen? Bislang fehlt in Hessen dafür eine Strategie. Ein Pilotprojekt aus dem Taunus zeigt nun, wie es gehen kann.
Modellprojekt "Vernetztes Lernen" GS Wiesbachsschule Foto: Frank Saltenberger Auch so kann Schule sein: Landrat Ulrich Krebs und Kultusminister Alexander Lorz (beide CDU) nutzen das ActiveBoard
Grävenwiesbach. 

Die Hessische Landesregierung sucht noch ihre Linie für die Digitalisierung an Grundschulen. Genaue Vorgaben, wie der Kraftakt gelingen soll, gibt es nicht. Kultusminister Alexander Lorz (CDU) hat jetzt eine Schule im Hochtaunuskreis besucht, die ein Modell für den Sprung ins digitale Zeitalter sein könnte.

Rund 170 000 Euro hat sich der Hochtaunuskreis als Schulträger die Ausstattung der Wiesbachschule in Grävenwiesbach kosten lassen: 66 Tablets, zwölf ActiveBoards, ein Cloud-Netzwerk. Nicht nur die Lehrer bildeten sich fort, selbst die Eltern machten mit. Schon 2013 hatte Landrat Ulrich Krebs (CDU) eine Expertengruppe aus Pädagogen, Politikern und Computerexperten ins Leben gerufen, die ein Konzept für das Leuchtturm-Projekt entwarf. So viel Eigenengagement wünscht man sich im Kultusministerium häufiger. „Wir können den Schulen die Digitalisierung nicht von oben herab verordnen. Wir haben ja schon bei G8 gemerkt, dass das nicht klappt“, erklärt Philipp Bender, Pressesprecher der Behörde. Das Land müsse stattdessen Anreize schaffen, den digitalen Wandel zu vollziehen.

Die hessischen Vertreter der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) kritisieren derweil, dass ein ganzheitliches Konzept für die Modernisierung der Schulen fehle. Schuld daran sei auch die „Kleinstaaterei“ im Bildungswesen, sagt Stefan Wesselmann, Vorsitzender des VBE in Hessen. Es ist die Aufgabe der Landkreise und Kommunen, die Schulen technisch aufzurüsten. Gleichzeitig muss das Kultusministerium eine pädagogische Linie zur Digitalisierung vorgeben. Genau an dieser Stelle hakt es, glauben die Gewerkschafter. „Es ist ein Irrglaube, dass Kinder nur, weil sie mit Smartphones groß werden, technisch schon alles können“, sagt Wesselmann. Er fordert einen Computerführerschein für Schüler.

Lehrkräfte mitnehmen

„Wir müssen eine digitale Strategie weiter in Angriff nehmen“, sagt der Kultus-Pressesprecher. Er gibt zu: Wie digitale Medien im Unterricht eingesetzt werden sollen, sei noch nicht endgültig geklärt. Wichtig sei, die Lehrkräfte in dieser Entwicklung mitzunehmen. Noch seien nicht genügend Lehrer bereit, die schon vorhandene technische Ausstattung auch zu nutzen und Fortbildungen zur Digitalisierung zu besuchen. Eine Zielmarke, wann der digitale Umschwung geschafft sein soll, will das Kultusministerium nicht setzen. Dessen Aufgabe sei es, die Grundlage für Initiativen der Schulträger zu schaffen.

Dass jede Region selbst dafür verantwortlich ist, wie ihre Schulen ausgerüstet sind, stellt für alle Beteiligten eine Herausforderung dar. Jeder Landkreis hat eigene Voraussetzungen – besonders in finanzieller Hinsicht. „Zwischen mittelalterlich und top ausgestattet ist deshalb alles dabei“, so Wesselmann (VBE). Er fordert, dass schulischer Erfolg weder vom Geldbeutel der Eltern noch von der Postleitzahl der Wohnadresse abhängig sein dürfe.

Selbst für einen reichen Kreis wie den Hochtaunuskreis ist ein Projekt wie an der Wiesbachschule eine kostspielige Ausnahme. Und das, obwohl, wie Bender es formuliert, dort keine Elite-Grundschule geschaffen worden sei, sondern lediglich eine Schule mit Vorbildcharakter. Laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung wären für eine angemessene IT-Ausstattung der Grundschulen pro Schule und Jahr rund 45 500 Euro fällig. Bei 1155 Grundschulen mit knapp 211 000 Schülern in Hessen ergeben sich schnell Unsummen. Für eine einmalige Umrüstung des Hochtaunuskreises etwa würden rund 6,6 Millionen Euro fällig. Das Kultusministerium setzt für die Finanzierung kommender Projekte auf den Bund.

Birgit Koch (GEW)kritisiert, dass Vorzeigeprojekte wie in Grävenwiesbach zwar zeigen, was möglich wäre, aber nicht die Situation an Tausenden hessischen Schulen änderten. Zumal weitere Missstände das Bildungswesen beschäftigten: Sanierungsstau und Lehrermangel.

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