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70 Jahre Hessen: Drei Gedanken zu . . .

Karlheinz Weimar im Jahr 2003 als Finanzminister im alten Plenarsaal des hessischen Landtags.

Karlheinz Weimar ist mit 36 Jahren einer der langjährigsten Abgeordneten im hessischen Landtag. Von 1978 bis 2014 vertrat er für die CDU seinen Wahlkreis Limburg-Weilburg II in Wiesbaden.

Von 1987 bis 1991 war er unter Ministerpräsident Walter Wallmann (CDU) Minister für Umwelt und Reaktorsicherheit – und damit Nachfolger und Vorgänger des Grünen Joschka Fischer. Ministerpräsident Roland Koch berief Weimar später erneut ins Kabinett: Von April 1999 bis August 2010 war der gebürtige Kirberger Finanzminister.

In dieser Zeit hat der 66 Jahre alte Rechtsanwalt sämtliche spektakulären Ereignisse der Landespolitik miterlebt, die er noch immer interessiert verfolgt. Als Aufsichtsratsvorsitzender des Flughafenbetreibers Fraport mischt er zudem weiterhin in einer auch politisch brisanten Angelegenheit mit. Hessen-Redakteur Christoph Barkewitz verrät er seine Gedanken zu drei markanten Schlagworten aus der hessischen Polit-Historie.

 

„Hesse ist, wer Hesse sein will“

Hessen ist ein Land ohne große Tradition, da erst nach dem 2. Weltkrieg gegründet. Aber mit einer großartigen Entwicklung in der Mitte Deutschlands. Fast alle wichtigen Straßen und Bahnlinien führen durch Hessen. Durch den Flughafen sind wir direkt mit der Welt verbunden. Dies öffnet den Horizont und macht den Hessen aufgeschlossen gegenüber der Welt. Hessen sind fleißig und wirtschaftlich erfolgreich. Mit ein wenig Stolz kann man sagen „manchmal etwas mehr als andere“. Die Hessen sind auch ihren Regionen verbunden und pflegen Traditionen und Heimatbewusstsein. Also ein erfolgreiches, schönes Land mit weltoffenen und heimatverbundenen Bürgern. Wer so denkt und handelt ist ein Hesse, wenn er es denn sein will!
 

„Hessische Verhältnisse“

Der Begriff „Hessische Verhältnisse“ hat einen festen Platz in der politischen Geschichte Hessens. Er umschreibt, wie Aussagen im Wahlkampf zur Koalitionsfähigkeit nach der Wahl missachtet wurden. Im Wahlkampf 1982 schlossen Holger Börner und die SPD eine Koalition mit den Grünen aus. 1983 koalierten sie. 2008 versprach die SPD Spitzenkandidatin Ypsilanti im Wahlkampf auf keinen Fall mit der Linkspartei zusammenzuarbeiten. Nach der Wahl versuchte sie eine Zusammenarbeit, die erst durch vier SPD Abgeordnete gestoppt wurde. Die bitteren Signale an die Beobachter außerhalb von Hessen waren, dass wie in keinem anderen Bundesland persönliche Auseinandersetzungen, extreme Aggressivität und persönliche Abneigungen die Politik bestimmten. Also Hessische Verhältnisse. Solche Bilder sollten nicht mehr aus Hessen kommen.

 

„Politiklabor der Republik“

Ich glaube, dass der Begriff etwas zu hochtrabend ist. Seit 40 Jahren kommt es in Hessen zu knappsten Wahlergebnissen und damit zu besonderen Herausforderungen an die hessischen Politiker. Sehr früh machen sich gesellschaftliche Veränderungen auch durch die Internationalität Hessens bemerkbar. Die beiden „neuen“ Parteien Grüne und Linkspartei waren bald nach ihrer Gründung im Hessischen Parlament. All dies zwingt hessische Politiker oft früher als anderswo über eventuelle Chancen zu neuen Koalitionen nachzudenken. Wer hätte die schwarz-grüne Koalition noch vor wenigen Jahren für möglich gehalten?

Aber ganz persönlich sage ich auch, dass neben allen taktischen Fragen der persönliche Kontakt eine extrem große Rolle in der Politik spielt. Sich respektieren, zuverlässig sein und sich eventuell zu mögen, haben schon mehr Wege zur Kooperation geebnet, als ausgeklügelte Wahlprogramme. Politiker sind auch Menschen und Politik findet nicht nur in Politiklaboren von Parteizirkeln statt.

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