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Immer wieder Probleme mit der Rettungsgasse: Egoismus verhindert rasche Hilfe

Schon wieder kein Korridor für Einsatz- und Rettungskräfte gebildet: In Hessen sorgen rücksichtslose Autofahrer durch ihr Verhalten immer wieder für Ärger. Dabei können Rettungsgassen Zeit sparen auf dem Weg zum Unfallort. Ein Verkehrssoziologe erklärt das Phänomen.
Foto: Frank Rumpenhorst (dpa)
Breitenbach. 

Die Wartezeit, bis endlich Hilfe naht, verstreicht quälend langsam. Plötzlich fühlen sich wenige Minuten an wie Stunden. So ergeht es in Deutschland immer wieder Opfern bei Verkehrsunfällen. Mitunter eingeklemmt in ihren deformierten Fahrzeugen müssen sie länger ausharren als nötig. Das Problem und Hindernis für die Einsatzkräfte: Es wurde keine Rettungsgasse gebildet. So verstopfen Blechkolonnen den Weg für Ärzte und Feuerwehrleute. Oft vergeht dabei Zeit für lebensrettende Maßnahmen.

Wiederholt werden Einsatzkräfte in Hessen bei der Hilfe behindert. Am Mittwoch war es wieder soweit. Diesmal nach einem schweren Verkehrsunfall auf der Autobahn 5 zwischen Bad Hersfeld und Frankfurt. Ein Geisterfahrer hatte nahe dem Hattenbacher Dreieck einen heftigen Crash verursacht. Der 79-Jährige war in den frühen Morgenstunden in falscher Richtung auf die A 5 gefahren und war mit einem entgegenkommenden Auto frontal kollidiert. Beide Fahrer wurden in ihren Autos eingeklemmt.

Info: Wann und wo muss Rettungsgasse gebildet werden?

Bei einem Stau auf mehrspurigen Straßen sind alle Autofahrer verpflichtet, eine Rettungsgasse freizumachen. Sie ist immer zwischen dem linken und den übrigen Fahrstreifen zu bilden.

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Was sich danach abspielte, führt bei Rettungskräften, Polizisten und auch Verkehrsexperten zu Besorgnis. Denn statt anzuhalten und zu helfen, schlängelten sich einige Fahrer egoistisch an der Unfallstelle vorbei. Getreu der Devise: Bloß weg hier, habe ich nichts mit zu tun. Die im Stau gestoppten Fahrer schafften es anfangs nicht, eine Rettungsgasse zu bilden. Die ersten Einsatzkräfte kamen deshalb teilweise nur im Schneckentempo voran. „Es war wirklich belastend für die Unfallopfer, sie warteten eingeklemmt auf Hilfe“, sagte ein Polizeibeamter am Unfallort.

Ein weiterer Fall erschütterte die Helfer wenige Tage zuvor auf der A 5. Mehrere Dutzend Fahrzeuge fuhren an einem verunglückten Auto, das umgestürzt auf dem Dach lag, einfach vorbei. Erst ein zufällig vorbeikommender Reisebus mit Feuerwehrleuten hielt zur Hilfe an.

Zu wenig Kommunikation

Alarmierende Berichte zu fehlenden Rettungsgassen kamen auch schon aus Nord- und Südhessen. Dabei ist es eigentlich einfach: Der Korridor ist immer zwischen dem äußerst linken und dem unmittelbar rechts daneben liegenden Fahrstreifen zu bilden.

„Selbst solch eine einfache Regel scheint einige Autofahrer zu überfordern“, beobachtet der Frankfurter Verkehrssoziologe Alfred Fuhr. Eine Rettungsgasse zu bilden, misslinge häufig ebenso wie das eigentlich altbekannte Einordnen nach dem Reißverschlussverfahren. Seine Erklärung für das Fehlverhalten: Die Verkehrsteilnehmer kommunizieren zu wenig durch Blickkontakt und Gesten miteinander.

Und: „Das frühzeitige Erkennen der Verkehrssituation scheitert an der fehlenden Aufmerksamkeit der Autofahrer.“ Sie seien durch die vielen Komforteinrichtungen im vernetzten Auto abgelenkt. Radio, Navigationsgerät und zwischendurch noch ein Telefonat – zuviel Multitasking verschleiere den Blick fürs Wesentliche.

Was tun? Mit Schildern auf richtiges Verhalten hinweisen – davon hält Fuhr wenig. Man könne nicht noch mehr Schilder aufstellen. Zudem wirken sie seiner Beobachtung nach nicht – zumindest verglichen mit dem Appell, weniger zu rasen. Deswegen empfiehlt Fuhr eine technische Lösung, um Aufmerksamkeit zu erzwingen. Einsatzkräfte könnten auf dem Weg zum Unfallort in ihrem Bereich eine Art elektronisches Blaulicht einschalten und mit einem Störsender kurzzeitig Radio- und Handyempfang kappen.

Das Problem mit Gaffern am Unfallort sei nur schwer in den Griff zu bekommen, findet Fuhr. „Schauen was passiert ist, bekommt man aus den Menschen nicht raus. Das sind archaische Reflexe.“ Ein Problem sei auch der Egoismus im Straßenverkehr: „Jeder ist sich selbst der Nächste.“ Im Auto verhielten sich Menschen oft anders als sonst – ohne schützende Blechhülle. „Es drängeln sich ja auch nicht laufend Leute an der Schlange im Supermarkt vorbei“, vergleicht Fuhr.

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