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Ein Hanauer in der Westsahara auf UN-Mission

Er sei "true blue", durch und durch UN-blau, sagt Wolfgang Weisbrod-Weber selbst über sich. Seit 28 Jahren ist der gebürtige Hanauer Diplomat bei den Vereinten Nationen. Jetzt übernimmt er einen UN-Spitzenposten - und einen "versteinerten Konflikt".
New York. 

Die Dienstorte von Wolfgang Weisbrod-Weber sind nicht die typischen eines deutschen Arbeitnehmers: Bosnien, der Nahe Osten, Namibia, Afghanistan, Osttimor - und immer wieder New York. Denn der Hesse ist, wie er selbst sagt, "true blue", durch und durch UN-blau: Der Hanauer ist jetzt zu einem der höchsten Repräsentanten der Vereinten Nationen aufgestiegen. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat ihn zum Sondergesandten für Westsahara ernannt.

Bei den Vereinten Nationen gibt es klare Hierarchien. Ganz oben steht der Koreaner Ban, dann folgen seine Untergeneralsekretäre, in etwa Ministern vergleichbar. Direkt danach kommen die Sondergesandten, also Missionschefs in Haiti oder Afghanistan, Osttimor, Südsudan - oder eben Westsahara.

Das Gebiet ist so groß wie die alte Bundesrepublik, hat aber nicht einmal die Einwohner Bremens. Marokko beansprucht die spanische Ex-Kolonie für sich, doch die sozialistische Frente Polisario kämpfte dagegen, bis für 1991 ein Referendum vereinbart wurde - auf das die gut 500.000 Einwohner noch heute warten. Ein "versteinerter Konflikt".

Weisbrod-Weber rechnet nicht damit, dass er das Referendum rasch durchdrücken kann. Die Fronten seien völlig verhärtet. "Für die Polisario muss eine der Optionen des Referendums die Unabhängigkeit für die Westsahara sein, für Marokko dagegen geht es höchstens um Autonomie innerhalb Marokkos." So bleibe es Hauptaufgabe der UN, den Frieden zu wahren und allen Volksgruppen, Stämmen und Religionen gerecht zu werden. Gut, dass der Hesse als Fachmann für "multidimensionale Konflikte" gilt.

Seit 30 Jahren bei der UN

Der 57-Jährige ist seit fast 30 Jahren bei den UN, seit er 29 ist. Der Hanauer - statt militärischer Erfahrung brachte er einen Doktor der Philosophie mit - arbeitete sich in alle Konfliktherde ein und war persönlich oder vom Hauptquartier in New York aus immer da, wo geschossen wurde. Oder genau das verhindert werden sollte. Die letzte Zeit, "zwölf Stunden am Tag, sieben Tage die Woche", war das Syrien.

Über Details der Mission darf er nicht sprechen, aber eines sei klar: "Diese 300 Militärbeobachter können den Konflikt nicht lösen. Aber ihre Aufgabe als Augen und Ohren der Welt ist unersetzlich."

Weisbrod-Weber ist UN-Fan. "Natürlich", räumt er ein und dreht sich fast verlegen auf dem Stuhl, "natürlich gibt es viel Bürokratie. Aber die Erfolge der UN sind doch enorm." Als er Mitte der 1980er Jahre anfing, feierten sich die UN für ein drittrangiges Abkommen zwischen Neuseeland und Frankreich.

Kriege verhindern

"Heute sind die UN weltweit präsent, helfen beim Aufbau von Nationen, verhindern oder beenden Kriege und unterstützen Millionen Menschen mit Nahrung, Medizin und Bildung." Ein Beispiel: "Vor 30 Jahren gab es in Mittelamerika nur Militärdiktaturen mit unzähligen Morden. Heute sind das ganz normale Länder. Manchmal nicht die effizientesten, aber gesunde Demokratien."

Deshalb könne er jungen Menschen nur zu einem Dienst bei den UN raten. Auch wenn seine beiden Söhne und die Tochter andere Laufbahnen gewählt haben. Er wisse sich zudem mit seiner Frau einig, sagt der 57-Jährige. "Als ich ihr sagte, dass ich zum Sondergesandten für Westsahara berufen wurde, sagte sie nur: "Dann gehen wir zwei eben noch einmal ein Abenteuer ein."

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