Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige LS Lederservice Sie suchen einen Spezialisten aus Rhein-Main? Frankfurt am Main 29°C

Rüdiger Flik eröffnet Sektmanufaktur in Mainz: Ein Pionier lässt’s prickeln

Von Die Sektproduktion – für viele Winzer ist das eigentlich nur ein nettes Zubrot. Doch es gibt eine kleine Gruppe von Pionieren, die sich ganz der Herstellung hochwertiger Schaumweine verschrieben haben. Rüdiger Flik lässt mit seiner Sektmanufaktur in Mainz historische Wurzeln in der Heimat des Sektes wieder aufleben.
Rüdiger Flik in seinem Barrique-Keller Foto: Kirschstein Rüdiger Flik in seinem Barrique-Keller
Mainz. 

Es ist wahrhaft historischer Boden: Im heutigen Marienhof in Mainz-Laubenheim gründete einst Christian Adalbert Kupferberg seine berühmte Sektmanufaktur. 1850 war das, nun, 167 Jahre danach, beherbergen die uralten Keller erneut einen Macher, der sich ganz dem edlen, prickelnden Genuss verschrieben hat: 2016 startete der gelernte Winzer Rüdiger Flik in den Räumen des Marienhofes die Sektmanufaktur Flik. Es sind feinperlige Kreationen auf Champagnerniveau: Riesling, Pinot Noir, Auxerrois.

60 Barriquefässer lagern im alten Keller des Marienhofes, „wir bauen alle unsere Weine in Holz aus, wie in der Champagne auch“, sagt Rüdiger Flik. Der 41 Jahre alte Winzer ist gebürtiger Karlsruher und gehört zur wachsenden Gruppe von Quereinsteigern in Sachen Weinbau. Eine frühere Freundin brachte ihn via Weinshop des Vaters in Kontakt mit der Weinszene, Flik fing Feuer – und studierte in Geisenheim Oenologie und Weinbau.

Doch statt wie andere Kollegen als Kellermeister auf Dauer in ein Weingut einzusteigen oder gar eines als Betriebsnachfolge zu übernehmen, tat Flik etwas völlig Ungewöhnliches: Er gründete 2011 eine reine Sektmanufaktur. „Schaumwein ist einfach eine Leidenschaft von mir“, sagt er. Natürlich gibt es in Deutschland keinen Mangel an Sektherstellern, Deutschland gilt als der weltweit größte Schaumweinmarkt mit mehr als 400 Millionen getrunkenen Flaschen pro Jahr. Doch dass sich ein Winzer ganz allein dem Sekt widmet, das ist noch immer selten.

Den Sektmarkt dominieren die Großen wie der Wiesbadener Sekthersteller Henkell. Die Nummer zwei im deutschen Sektmarkt hat ihren Ursprung – in Mainz: Der Weinhändler Adam Henkell gründete 1832 eine Weinhandlung im goldenen Mainz, seine Passion gehörte indes den moussierenden Getränken der Champagne. Er war nicht alleine: 1833 gelang dem Mainzer Industriellen Christian Ludwig Lauteren die Herstellung der Schaumweine – als zweitem in Deutschland überhaupt. Henkell begann 1856 mit dem ersten eigenen Sekt unter eigenem Namen, die Geburtsstunde des Henkell Sekts.

Es war die Zeit der industriellen Revolution und großer Veränderungen, in den Städten entstand ein neues Bürgertum – und das wollte feiern. Das neue, prickelnde Getränk aus der Champagne entsprach genau dem Lebensgefühl – bis heute sind die Deutschen Weltmeister im Sekttrinken. Kupferberg Gold wurde zeitweise zur berühmtesten Sektmarke der Welt und am Kaiserhof kredenzt. 1855 verließ Kupferberg den Ursprungsort Laubenheim – der Sektproduzent hatte die 60 Stock tiefen Keller auf dem Kästrich in Mainz erworben, die Kupferbergterrassen sind bis heute nach ihm benannt. Heute gehört die Marke Kupferberg zum Sekthaus Henkell, das 1909 nach Wiesbaden umzog.

Doch auch die Winzer entdeckten das prickelnde Getränk neu, der Winzersekt – 1981 in Rheinhessen erfunden und in traditioneller Flaschengärung hergestellt – eroberte schnell auch die deutschen Weingüter. Doch für die meisten sind Sekt und Secco nur ein Zubrot, eine schöne Ergänzung zur Weinpalette. Erst in den vergangenen Jahren widmeten sich einzelne Pioniere ganz der Kunst der Sektproduktion nach Méthode Champenoise. Schloss Vaux im Rheingau ist da natürlich zu nennen, die Sektkellerei Bardong in Geisenheim – und der Rheinhesse Volker Raumland, der mit seinen Kreationen nach Champagnerart selbst Franzosen zum Staunen bringt.

Auch das Vorbild von Rüdiger Flik lautet Champagne, doch erst einmal stehen rebsortenreine Sekte auf der Liste – typisch für deutschen Winzersekt. Ob Riesling oder Pinot Noir, Flik legt Wert auf sanfte, cremige Sekte mit viel Frucht, bei denen man das lange Hefelager schmeckt. Von September bis Mai gären die Weine im Keller auf der Hefe, die Weine werden durch das Holzlager voluminöser. Die Barrique-Fässer kommen vom Burgunderspezialisten Bernhard Huber am Kaiserstuhl. Ein Jahr lang lernte Flik dort noch unter Bernhard Huber persönlich. „Ich konnte da alles über Weinbau aufsaugen, von einem der besten“, sagt er. Seine Trauben bekommt der Jungwinzer von ehemaligen Studienkollegen aus Mainz, aus Gundersheim und von der Hessischen Bergstraße. Dort reifen die Rieslinge später, die Trauben haben mehr Frucht, Gehalt und Reife. „Das ist für uns ganz wichtig“, sagt Flik, „weil wir üppige Schaumweine machen wollen.“ Die fertigen Weine reifen dann noch einmal 12 bis 24 Monate in der Flasche auf der Champagnerhefe, die zweite Gärung, bei der die Kohlensäure entsteht.

Ob er auch demnächst Schaumweine auf Basis der typischen Champagner-Grundweine herstellt? Da lächelt Flik verschmitzt – später, sicher einmal. 2016 zog er nach Mainz, und lässt nun in den historischen Kellern des Marienhofes die Wurzeln der Sektherstellung neu aufleben. Und seine Kreationen sind schon jetzt preisgekrönt: Mit einer seiner ersten Sekte holte Flik gleich einen der begehrten Preise beim Deutschen Sektpreis 2015.

Zur Startseite Mehr aus Rhein-Main & Hessen

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse