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„Das Gift im öffentlichen Diskurs“: Experten geben Ratschläge: Was tun gegen bewusste Falschmeldungen im Internet?

Über Falschmeldungen, die sogenannten Fake-News, machen sich auch in Hessen Experten Gedanken. Ein Mittel aus ihrer Sicht: früh aufklären und gegenlenken.
Bei der Initiative Mimikama kann man falsche Nachrichten melden und überprüfen lassen. Foto: Franziska Gabbert Bei der Initiative Mimikama kann man falsche Nachrichten melden und überprüfen lassen. Foto: Franziska Gabbert
Marburg/Frankfurt. 

Ein frei erfundenes Verbrechen oder bewusste politische Falschmeldungen: „Fake News“, die vor allem über das Internet verbreitet werden, dürften auch in diesem Jahr für Verunsicherung und Ärger sorgen. Der Marburger Politikwissenschaftler Thomas Noetzel hält die bewusste Verbreitung von Falschmeldungen für „ein Gift, das in den öffentlichen Diskurs einsickert“.

Auch die hessische Regierung sorgt sich wegen des Phänomens – zusammen mit Bayern und Sachsen-Anhalt hat das Land deshalb eine Bundesrats-Initiative gegen sogenannte Social Bots auf den Weg gebracht, die nun noch im Bundestag verabschiedet werden soll.

Es geht dabei um computergesteuerte Programme, die politische Falschmeldungen bei Diensten wie Twitter oder Facebook verbreiten können. Sie täuschen menschliche Identität vor und verbreiten massenhaft Einträge in Netzwerken wie Twitter oder Facebook. Die hessische Initiative soll dazu führen, dass die Verursacher von Social Bots härter bestraft werden können. Doch auch auf anderem Gebiet kann nach Ansicht des Politologen Noetzel angesetzt werden. Er fordert eine „sehr viel striktere Bildung“ in Schulen und Bildungseinrichtungen. Wer mit der Reizüberflutung unserer Zeit umzugehen versteht, der könne auch „kritikfähig im Sinne der Aufklärung“ sein: „Wir müssen pädagogische Ansätze fördern, die Urteilskraft stärken.“ Er hält es für wenig aussichtsreich, mit einem Verwaltungsapparat gegenzusteuern, der mit Berichtigungen oder Dementis auf Falschbehauptungen und Verschwörungstheorien antwortet. Aus dem Internet auszusteigen wie China oder die Türkei sei auch keine Lösung für ein demokratisches Gemeinwesen. Peter Holnick, Geschäftsführer des Instituts für Medienpädagogik und Kommunikation in Dreieich (Kreis Offenbach), hält Medienbildung schon im Kindergarten für unerlässlich. „Ziel muss es sein, ein positives Selbstbewusstsein im Umgang mit Medien zu entwickeln. Dies bezieht ein, dass jeder Mensch Kriterien für sich entwickeln sollte, wie Medien auf ihn wirken und wie Medien sein Weltbild mitgestalten“, sagte er. Technische und gesetzliche Schritte können aus Expertensicht nur ein Teil der Lösung sein, da beispielsweise „Fake News“ vom Ausland aus in Umlauf gebracht werden. Daran ändere ein deutsches Gesetz ohnehin nichts, sagte IT-Sicherheitsexperte Christian Schülke aus Langen (Kreis Offenbach). Auch seien Kriminelle den staatlichen Stellen – technisch gesehen – oftmals eine Nasenlänge voraus.

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