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Katastrophenschutz: FAQ: Wie funktioniert die Handy-App Katwarn?

Damit Sirenen auch im Ernstfall funktionieren, müssen sie regelmäßig angeschaltet werden. Das gilt in ähnlicher Form auch für die Handy-App Katwarn. Nun stand wieder ein Probelauf an.
Foto: Maik Reuß Bei einem Störfall wird ein Sirenenalarm im Industriepark Höchst ausgelöst - die Feuerwehr ist im Einsatz, wie hier im September 2016.
Frankfurt. 

Um für den Katastrophenfall vorbereitet zu sein, testen die Städte und Gemeinden in Hessen regelmäßig ihre Sirenen und das Handy-Warnsystem Katwarn. Gestern Morgen ist es wieder so weit gewesen. Unter anderem heulten auch in Darmstadt die Sirenen probeweise auf, vielerorts wurde Katwarn getestet. Nachfolgend Fragen und Antworten zu den Warnungen für den Ernstfall:

Wann wird Alarm ausgelöst?

Dem hessischen Innenministerium zufolge gelten besonders Hochwasser, schwere Stürme und Unfälle in Chemieparks als Katastrophen. Speziell in Hessen sind auch Zwischenfälle am Atomkraftwerk Biblis denkbar. Dieses ist zwar stillgelegt, auf dem Gelände lagern aber noch radioaktive Abfälle. Auch auf Szenarien wie Terroranschläge oder Attentate bereiten sich die Behörden vor.

Welche Möglichkeiten der Warnung werden genutzt?

Ziel ist, auf möglichst vielen Kanälen gleichzeitig zu warnen und zu informieren. Dabei setzen die meisten Kommunen immer noch auf Sirenen. Ergänzend warnt die Feuerwehr über Radiosender, Lautsprecherdurchsagen, Hinweise in sozialen Medien und die Handy-App Katwarn. Einige Kommunen hätten das flächendeckende Sirenennetz Anfang der 90er Jahre allerdings zurückgebaut, sagt der Geschäftsführer des Landesfeuerwehrverbands in Kassel, Harald Popp. Mit dem Ende des Kalten Krieges sei ein wesentlicher Grund für eine Alarmierung weggefallen. Der Sprecher der Frankfurter Feuerwehr, Rainer Heisterkamp, ergänzt, das Frankfurter Sirenen-Netz sei ohnehin nie von der Feuerwehr genutzt worden. Derzeit werde allerdings diskutiert, ob Frankfurt wieder ein flächendeckendes Sirenennetz bekommen soll.

Notfall-App «KATWARN» Bild-Zoom Foto: Rolf Vennenbernd (dpa)
Die App Katwarn auf dem Handy soll Nutzer sofort informieren.

Wann und wo wird Katwarn getestet?

Die kostenlose App Katwarn verbreitet orts- und themengebundene Warnungen über das Smartphone. Für Frankfurt können Nutzer zum Beispiel auch Warnungen speziell für das Volksfest Dippemess’ abonnieren. Gestern ist das System in hessischen Landkreisen getestet worden. Alle angemeldeten Teilnehmer haben kurz nach 10 Uhr eine Probe-Warnung auf ihre Handys bekommen. Die App übermittelt auch Hinweise, wie man sich verhalten soll. Jährlich gibt es zwei Probealarme. In Hessen hatten sich mit Stand Jahresbeginn rund 486 000 Nutzer registriert. An dem Probealarm nahmen folgende Landkreise teil: Bergstraße, Darmstadt-Dieburg, Fulda, Groß-Gerau, Lahn-Dill, Limburg-Weilburg, Marburg-Biedenkopf, Odenwald, Offenbach, Vogelsberg, Waldeck-Frankenberg, Werra-Meißner, Hersfeld- Rotenburg, Wetterau, Main-Kinzig, Schwalm-Eder und Kassel.

Gibt es Alternativen zu Katwarn?

„Die kreisfreien Städte arbeiten nicht mit Katwarn“, sagt Harald Popp vom Landesfeuerwehrverband. Sie hätten sich dagegen entschieden und setzen auf Alternativen wie Radiodurchsagen, Meldungen in sozialen Medien oder andere Warn-Apps. Darmstadt hat zum Beispiel mit Biwapp (Bürger-Info- und Warn-App) ein eigenes Angebot. Der Dienst warnt nicht nur vor großen Katastrophen, sondern informiert auch über Schulausfälle, Verkehrsunfälle oder Fahndungen der Polizei. Daneben gibt es die App Nina (Notfall-Informations- und Nachrichten-App) vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK). Dieses wird über das sogenannte modulare Warnsystem (MoWaS) angesteuert. Aus Wiesbaden kann damit vor überregionalen Katastrophen gewarnt werden. Lokal gibt es noch keine MoWaS-Server. In Frankfurt soll das System in der zweiten Jahreshälfte zur Verfügung stehen.

Wann und wo werden Sirenen getestet?

„Mit Katwarn kriegt man nur die Empfänger, die sich angemeldet haben“, sagt Harald Popp vom Landesfeuerwehrverband. Denn gerade ältere Menschen hätten die Handy-App nicht. Sirenen seien daher immer noch ein geeignetes Mittel zur Alarmierung. „Rund um die Industrieparks gibt es in Frankfurt noch Sirenen“, sagt Sprecher Heisterkamp von der Frankfurter Feuerwehr. Neben den Sirenen bei der Allessa GmbH in Frankfurt-Fechenheim und den Industrieparks Höchst und Griesheim gebe es sonst keine mehr in Frankfurt. Sirenenprobealarme seien Aufgabe der Industrieparks. Sie werden halbjährlich getestet, das nächste Mal am 6. Juni 2018. Jede Kommune entscheidet selbst, wann sie ihre Sirenen testet. In Hanau und Fulda gibt es einmal pro Quartal Probealarme, der Kreis Groß-Gerau lässt die Sirenen zwei Mal jährlich aufheulen.

Was bedeuten die Warntöne?

In den Industrieparks in Frankfurt ertönen bei den Tests drei Signale: Ein einminütiger Dauerton zur Entwarnung gefolgt von einem einminütigen Heulton zur Warnung und einem erneuten Entwarnungs-Ton. Auf der Informations-Plattform „Ihr Nachbar“ empfehlen die Industrieparks Verhaltensweisen für den Ernstfall. Anwohner sollen demnach „möglichst innenliegende Räume in oberen Stockwerken“ aufsuchen, Fenster und Türen schließen, Klimaanlagen ausschalten, Nachbarn verständigen und Radios einschalten. Andere Kommunen lassen den Heulton unterschiedlich lange ertönen. In Wiesbaden zum Beispiel wird der auf- und abschwellende Ton für fünf Sekunden zu hören sein, im Kreis Groß-Gerau wird er eine Minute dauern.

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