Lade Login-Box.
E-Paper
Abo & Service Immo Stellen Trauer

Wirtschaft ist gefordert: Fachkräftemangel: Arbeitsminister nimmt Unternehmen in die Pflicht

Von Sozialminister Grüttner empfiehlt gegen den Fachkräftemangel Anstrengungen für eine bessere Eingliederung von Frauen, Älteren und Behinderten.
Der hessische Sozialminister Stefan Grüttner (CDU) gibt am 11.10.2016 während der Plenarsitzung des hessischen Landtags in Wiesbaden (Hessen) seine Regierungserklärung zum Thema Arbeit ab. Foto: Arne Dedert (dpa) Der hessische Sozialminister Stefan Grüttner (CDU) gibt am 11.10.2016 während der Plenarsitzung des hessischen Landtags in Wiesbaden (Hessen) seine Regierungserklärung zum Thema Arbeit ab.
Wiesbaden. 

Die Wirtschaft klagt nicht erst seit gestern über Fachkräftemangel. Und das Problem ist noch keineswegs gelöst, wie Sozialminister Stefan Grüttner (CDU) am Dienstag in seiner Regierungserklärung zu diesem Thema vor dem Landtag einräumte. „Die Aufgaben, die hier anstehen, sind riesig, und es bedarf der Anstrengung vieler Akteure, um ausreichend Fachkräfte für Hessen und die kommenden Jahrzehnte zu gewinnen“, fügte er hinzu. Doch der Minister nahm auch die Wirtschaft selbst in die Pflicht: Die Qualifizierung und Einstellung von Frauen mit flexiblen Modellen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, aber auch von Behinderten, von älteren Menschen und nicht zuletzt von Zuwanderern und Flüchtlingen legte er den Unternehmen als Schritte zur Lösung des Problems ans Herz.

Grüttner räumte ein, dass dabei politische Unterstützung notwendig sei und zählte die Maßnahmen der Landesregierung zum Ausbau der Kinderbetreuung ebenso auf wie die Förderprogramme zur Integration behinderter Menschen in den Arbeitsmarkt und Deutschkurse sowie weitere Eingliederungsprogramme für Flüchtlinge und Zuwanderer auf.

Doch ob die schwarz-grüne Koalition wirklich genug dafür tut, war in der Landtagsdebatte strittig. „Altbekanntes, Selbstverständliches und Worthülsen“, hielt der SPD-Arbeitsmarktexperte Wolfgang Decker dem Minister als Fazit der Regierungserklärung vor und vermisste konsequentes Handeln und Lösungen. So müssten die Kinderbetreuung flächendeckend verbessert, Ganztagsschulen konsequent ausgebaut und ein qualifiziertes Einwanderungsgesetz verabschiedet werden, wenn man wirklich einen großen Schritt zur Fachkräftesicherung machen wolle.

Viele Initiativen gestartet

Doch an den politischen Rahmenbedingungen liegt es nach Auffassung Grüttners nicht. Schließlich habe sein Ministerium schon 2014 eine Stabsstelle Fachkräftesicherung als zentrale Anlaufstelle eingerichtet. Er zählte die Anstrengungen zum Ausbau der Kinderbetreuung auf, die noch nie so hoch gewesen seien wie jetzt. Weiter verwies er auf Qualifizierungs- und Arbeitsmarktinitiativen der Landesregierung zur Integration benachteiligter Menschen in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt oder die Förderung von Programmen wie dem Netzwerk Wiedereinstieg von Frauen in den Beruf. Und nicht zuletzt habe das zusammen mit Arbeitsverwaltung und Handwerkskammer zur Unterstützung internationaler Fachkräfte geschaffene „Welcomecenter Hessen“ seit seiner Eröffnung im Juli 2013 mehr als 3000 Menschen aus 119 Staaten bei ganz praktischen Fragen geholfen.

Doch allen voran sei die Wirtschaft selbst gefordert. „Denn es ist das ureigene Anliegen der Unternehmen am Markt, Fachkräfte für ihre Branche nicht nur zu finden, sondern in den Betrieben auch dafür zu sorgen, dass Berufsbilder und Ausbildungen attraktiv sind und hier die richtigen Anreize geschaffen werden“, schrieb Grüttner den Arbeitgebern ins Stammbuch.

Die Linke Marjana Schott meinte dagegen, der Staat müsse schon selbst etwas tun, um beispielsweise die Arbeitsbedingungen im Pflegebereich zu verbessern. Und René Rock von der FDP bemängelte, die Kommunen könnten es sich oft finanziell gar nicht leisten, das Kinderbetreuungsangebot in dem Umfang auszubauen, wie es erforderlich wäre. Zudem forderte auch er ein Einwanderungsgesetz zur gezielten Gewinnung fehlender Fachkräfte.

Ausdrückliches Lob für ihre Bemühungen zur Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt erhielt die Landesregierung vom Deutschen Gewerkschaftsbund. Die DGB-Landesvorsitzende Gabriele Kailing forderte aber zugleich, die Mittel dafür anzuheben und die Angebote verschiedener Ministerien besser zu koordinieren.

Zur Startseite Mehr aus Rhein-Main & Hessen

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2016 Frankfurter Neue Presse