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Wohnungsbau: Fast überall gibt es Hindernisse für neue Bauflächen

Von 62 Prozent der im regionalen Flächennutzungsplan für Wohnungsbau reservierten Grundstücke sind bebaut oder sollen entwickelt werden. Die übrigen 38 Prozent sind blockiert – aus ganz unterschiedlichen Gründen.
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Frankfurt. 

In der rund 9000 Einwohner zählenden Gemeinde Liederbach am Taunus konnten die Bürger am 24. September nicht nur ihre Stimme für die Wahl zum Bundestag abgeben. An diesem Sonntag war auch ein Bürgerentscheid angesetzt. Es ging um das Baugebiet „Nördlich Weingärten“. Zwölf Mehrfamilienhäuser mit 120 Wohnungen sollten auf einer Streuobstwiese gebaut werden. Doch das Projekt fiel bei den Wählern deutlich durch: 61 Prozent stimmten dagegen.

In der Übersicht des Regionalverbands zu den Wohnbaugebieten rund um Frankfurt ist das Projekt deshalb mit einem roten Punkt gekennzeichnet. Das heißt: Einer Bebauung stehen noch Hindernisse entgegen. In diesem Fall wäre es „fehlender politischer Wille“. Das ist einer der häufigsten Gründe, die die Gemeinden nennen, wenn sie gefragt werden, warum ein Baugebiet nicht voran kommt.

Angst vor den Folgen

An der Spitze der Liste stehen schwierige Eigentumsverhältnisse. Die liegen vor, wenn ein Baugebiet sehr zersplittert ist – oder wenn einzelne Besitzer überzogene Preisvorstellungen haben. Ein Beispiel dafür ist Marxheim II in Hofheim. Thomas Horn (CDU), für Planung zuständiger Beigeordneter des Regionalverbands, hat für solche Fälle einen Tipp: Die Gemeinden sollten verstärkt das Instrument der „Städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme“ nutzen. Damit soll zum Beispiel der geplante neue Stadtteil im Nordwesten von Frankfurt an der A 5 vorangebracht werden. Den Eigentümern werden die Grundstücke zum Preis von Ackerland abgekauft. Aus dem Gewinn, der durch den Weiterverkauf als Bauland entsteht, werden die Kosten für Infrastruktur wie Schulen oder soziale Einrichtungen gedeckt.

Damit würde den Gemeinden auch die Angst genommen, dass sie durch ein Neubaugebiet finanziell überfordert würden. Denn in den meisten Fällen müssen wegen der zusätzlichen Einwohner neue Kitas oder Straßen gebaut werden. In Oberursel zum Beispiel ist seit Jahren eine Bebauung des 17 Hektar großen Gebiets Bommersheim-Süd im Gespräch. Umstritten ist es unter anderem deshalb, weil die Erschließung ohne den Bau einer leistungsfähigen Umgehungsstraße kaum gewährleistet wäre.

Vögel in Gefahr

Naturschutz ist ein anderer Grund, warum Baugebiete blockiert sind. Aktuelles Beispiel ist das Projekt Vorderheide II in Hofheim. Auf elf Hektar sollen dort 220 Wohnungen entstehen. Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) hat jedoch gegen den Bebauungsplan geklagt, der Verwaltungsgerichtshof in Kassel hat eine Entscheidung im kommenden Jahr in Aussicht gestellt. Bis dahin dürfen die alten Obstbäume nicht gefällt werden, die auf dem Areal stehen, .

Um Naturschutz geht es auch im Streit um die Bebauung des „Schlämmer“ im Kelkheimer Ortsteil Münster. Auf rund drei Hektar Fläche sollen dort Ein- und Mehrfamilienhäuser entstehen. Die örtliche FDP würde das Gebiet gerne erweitern – doch das würde laut Ornithologen Kleinspecht, Gartenrotschwanz und andere Vögel gefährden.

Einige Gemeinden wie Florstadt, Ronneburg oder Weilrod haben aus einem anderen Grund keine Neubaugebiete ausgewiesen: Sie sind Teilnehmer von Programmen zur Dorferneuerung und haben sich deshalb verpflichtet, sich auf die Entwicklung ihrer Kerngebiete zu konzentrieren.

Aber auch bei Flächen, die der Regionalverband in seiner Übersicht als „aktiv“ dargestellt hat, ist längst noch nicht klar, ob sie realisiert werden: Gegen das ohnehin schon verkleinerte Baugebiet „Am Silberbach“ in Glashütten zum Beispiel haben Anwohner bereits Klagen angekündigt.

Viele Bausparkassen stöhnen über Altverträge, die teilweise den Kunden vier Prozent Zinsen einbringen, und wollen diese Verträge so schnell wie möglich loswerden. Foto: Friso Gentsch/Symbolbild
Wohngebiete Die Region baut wieder mehr

In der Region Frankfurt/Rhein-Main werden wieder mehr Baugebiete ausgewiesen als in den vergangenen Jahren. „Der Wind hat sich gedreht“, sagt Thomas Horn (CDU), designierter Direktor des Regionalverbands. Er hält es dennoch für nötig, den Wohnungsbau zu beschleunigen.

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