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Umwelt: Feinstaub: Gutachten registriert erhöhte Werte rund um den Flughafen

Von Der Frankfurter Flughafen ist möglicherweise eine maßgebliche Quelle für hohe Belastungen der Luft durch gesundheitsgefährdende Ultrafeinstäube. Das zeigt ein Zwischenbericht des Hessischen Umweltamtes. Während das Land eher den Bodenverkehr am Flughafen verantwortlich macht, sehen Untersuchungen aus Mainz, München und den Niederlanden den Flugverkehr direkt als Verursacher.
Flughafen Frankfurt Foto: Boris Roessler (dpa) Ein Jet nach dem Start in Frankfurt. Jetzt stoßen die Triebwerke den meisten Ultrafeinstaub aus – aber ist der Flugbetrieb damit auch gesundheitsschädlich? Durch das Fehlen von Grenzwerten sind darüber noch keine verlässlichen Aussagen möglich.
Mainz. 

Der Frankfurter Flughafen ist „eine bedeutsame Quelle für ultrafeine Partikel“ in der Umgebungsluft, das bestätigt nun auch das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG). Messungen in der Umgebung des Flughafens hätten gezeigt, dass die Konzentrationen von Ultrafeinstaub ab 5.00 Uhr morgens stark anstiegen, sich bis 6.00 Uhr verdoppelten und bis 12.00 Uhr „mehr als viermal so hoch wie in der Nacht“ lägen, heißt es in einem Zwischenbericht des HLNUG. Nach 23.00 Uhr, also nach Ende des regulären Flughafenbetriebs, fielen die Konzentrationen „schnell auf ihren nächtlichen Wert zurück“.

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Mit dem Frankfurter Flughafen verbinden wir in der Regel Fernreisen und Lärm. Doch zwischen Rollfeld und Vorfeld herrscht eine eigentümliche Stimmung. Dort ist Katrin Friedrich täglich unterwegs. Sie und ihre Kollegen vom Wildlife-Control-Team halten die Natur in Schach und sorgen damit für Sicherheit im Flugbetrieb.

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Noch keine Grenzwerte

Seit September 2017 führt das Landesamt eigene Messungen zu ultrafeinen Partikeln an zwei Messstationen in den Flughafen-Nachbargemeinden Raunheim und Frankfurt-Schwanheim durch. In Raunheim, in der Einflugschneise südlich des Flughafens, werden seit Ende 2015 bereits regelmäßig zwischen 20 000 und 100 000 Partikel Ultrafeinstaub pro Kubikmeter Luft gemessen, Spitzenwerte reichen sogar bis zu 450 000 Partikel. Übliche Silvester-Werte nach dem Feuerwerk zu Jahresbeginn liegen bei rund 46 000 Partikeln. Neueste wissenschaftliche Studien rechnen den winzigen Rußpartikeln, die rund 1000 mal kleiner sind als der gut erforschte Feinstaub, ein hohes Gesundheitsrisiko für Atemwegserkrankungen und Herzinfarkte zu. Grenzwerte gibt es für Ultrafeinstäube bislang aber nicht.

Die ersten Zwischenergebnisse seien „auffallend“, aber „kein Grund zur Panik“, sagte Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) am Mittwoch. Gesicherte medizinische Erkenntnisse zu den gesundheitlichen Auswirkungen von Ultrafeinstaub gebe es bislang nicht, es brauche weitere Studien.

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Die ersten Maßnahmen laufen schon. Doch bis 2019 soll der aktive Schallschutz am Frankfurter Flughafen weiter bessert werden. Es gibt allerdings auch Orte, in denen es lauter wird.

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„Ultrafeine Partikel (UFP) mit Partikeldurchmessern kleiner als 100 Nanometer haben sich in toxikologischen Studien als potenziell besonders gesundheitsgefährdend erwiesen“, heißt es hingegen in einem Bericht des Duisburger Instituts für Energie- und Umwelttechnik (IUTA) im Auftrag des Hessischen Landesamtes vom Januar 2018. Studien aus den USA und den Niederlanden hätten „gezeigt, dass durch den Betrieb von Großflughäfen deutliche Emissionen von UFP erzeugt werden“.

Wind lässt Werte steigen

Das Land Hessen sieht als Ursache aber vor allem den Bodenbetrieb am Frankfurter Flughafen. „Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass der Betrieb auf dem Flughafengelände einen Beitrag zu UFP-Belastungen leistet“, sagte Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) am Mittwoch. „Belege, dass auch Überflüge unterhalb einer bestimmten Höhe als relevante Quelle in Betracht kommen, lassen sich aus den bisherigen Auswertungen nicht ableiten.“ Die Werte stiegen immer dann an, „sobald der Wind aus Richtung des Flughafens weht“, sagte Al-Wazir weiter.

Fluglärminitiativen sehen das skeptisch: „Der Flugbetrieb hat einen dominierenden Einfluss“, das zeigten gerade die Raunheimer Messergebnisse, sagt Joachim Alt von der Mainzer Initiative gegen Fluglärm. Der Wind trage zwar zu einer Erhöhung der Messwerte bei, er erkläre aber nicht, „warum die Werte mit dem ersten Flieger pünktlich um 5.00 Uhr hochgehen“.

Auch in Freising bei München misst eine Fluglärm-Initiative Ultrafeinstäube, bei mehr als 100 Messfahrten rund um den Münchner Flughafen seien auch hier bis zu 116 000 Partikel pro Kubikzentimeter Luft gemessen worden, sagte Gerhard Müller-Starck vom Bürgerverein Freising dieser Zeitung. Die Werte seien „ganz eindeutig den Flugzeugen zuzuordnen“. Partikel an Autobahnen seien hingegen nach 150 Metern nicht mehr messbar gewesen. Das Land betont, man wolle die Messreihen fortführen und mit einem zusätzlichen mobilen Messgerät genauere Erkenntnisse über die Herkunft sammeln.

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