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Vereine und Veranstalter klagen über steigende Kosten: Feste in Hessen: Veranstalter klagen über steigende Kosten

Die Stadt Frankfurt hat einen Sondertopf mit 500 000 Euro eingerichtet, um Vereine zu unterstützen, die bei der Ausrichtung ihrer Feste sonst an den hohen Sicherheitsauflagen des Landes scheitern würden. Wie sieht es anderswo aus?
Ein Sicherheitsmitarbeiter inspizierte im August die aufgestellten Beton-Quarder auf dem Museumsuferfest in Frankfurt. Das Fest zählt mit über zwei Millionen Besuchern zu den größten in Europa. Nach dem Lkw-Anschlag in Nizza wurden 2016 die Hauptzugänge mit Hindernissen gesichert. Foto: Andreas Arnold (dpa) Ein Sicherheitsmitarbeiter inspizierte im August die aufgestellten Beton-Quarder auf dem Museumsuferfest in Frankfurt. Das Fest zählt mit über zwei Millionen Besuchern zu den größten in Europa. Nach dem Lkw-Anschlag in Nizza wurden 2016 die Hauptzugänge mit Hindernissen gesichert.
Frankfurt. 

Je größer das Fest, desto größer auch die Anforderungen in Sachen Sicherheit. Und so sind auch die Planer des Hessentags , der in diesem Jahr in Rüsselsheim gefeiert wird, nicht davor gefeit, aufgrund der bundesweit verschärften Sicherheitslage mehr Geld als gewöhnlich in die Hand nehmen zu müssen. Am Sicherheitskonzept für das Großereignis mit rund einer Millionen erwarteten Besuchern wird seit Monaten gefeilt, immer wieder wurden aufgrund von veränderten sicherheitspolitischen Einschätzungen Anpassungen vorgenommen.

Hessentag mit Defizit

Details bleiben zwar hinter verschlossenen Türen, klar ist aber, dass die Sicherheit einer der größten Kostenpunkte im Millionen-Projekt Hessentag wird. Ursprünglich wollte die Stadt das Landesfest mit einer schwarzen Null abschließen. Inzwischen ist von einem Defizit die Rede, welches zuletzt bei rund 350 000 Euro gelegen haben soll – aufgrund gestiegener Kosten für die Sicherheit.

Fürs Interview setzte sich Vereinsrings-Chef Claus Cromm gern mit Stadtrat Markus Frank (CDU) an einen Tisch. Für die Vorbereitungen aufs Altstadtfest wünscht er sich aber, dass die Sicherheitsexperten nach Höchst auf die Gass’ kommen.
Montags-Interview Interview mit Sicherheitsexperten: Veranstalter von ...

Nicht nur das Museumsuferfest - auch Stadtteilfeste wie das Höchster Schlossfest oder das Schweizer Straßenfest unterliegen besonderen Sicherheitsbestimmungen.

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Diese Kosten sollen in Frankfurt über einen Sondertopf abgefangen werden, den die Stadt für die Vereine eingerichtet hat: 500 000 Euro wurden eingestellt, um Betonblöcke oder andere Sicherheitsvorkehrungen bei großen Festen bezahlen zu können, die von Vereinen organisiert werden. Etwa das Höchster Schlossfest , mit einer dreiwöchigen Laufzeit und mehreren Dutzend Veranstaltungen das größte Stadtteilfest Frankfurts.

Frankfurt hilft Vereinen

Knackpunkte sind dabei das Altstadtfest der Vereine und das große Abschluss-Wochenende mit Kerb, Freiluftkonzerten und Feuerwerk. Hier muss tüchtig in die Sicherheit investiert werden, obwohl die Veranstalter – der Vereinsring Höchst – seit Jahren und Jahrzehnten ein professioneller Festgestalter ist. Die Investitionen reichen von der Leihgebühr und den Transportkosten für Betonsperren über beleuchtete Fluchtwegeschilder bis hin zur Entlohnung von Fahrern, die an Lkw-Absperrungen bereitstehen müssen – in der Stadt schaut man bei den zuständigen Stellen von Feuerwehr, Rettungsdiensten und eingebundenen Ämtern genau hin.

Auch die Bernemer Kerwe-Gesellschaft hatte bereits Alarm geschlagen: „Die Kosten sind höher als die Einnahmen – das kann auf Dauer nicht sein“, klagte der Vorsitzende Ralf Moritz noch vor einem Vierteljahr über die gestiegenen Sicherheitskosten. Begrüßt wurde der Sondertopf auch von der Aktionsgemeinschaft Schweizer Straße (Schweizerstraßenfest). Ob die Vereine in Vorlage treten müssen, kommt auf die Abläufe an: Hilfe gibt’s in Frankfurt vom Service-Center Veranstaltungen, das all die eingebundenen Akteure koordinieren soll – damit die Vereine nicht von Pontius zu Pilatus laufen. „Wir koordinieren das“, sagt der Frankfurter Ordnungsdezernent Markus Frank, „denn wir wollen, dass unsere Traditionsvereine ihre Feste auch weiterhin feiern können.“

Kostenfaktor Brandschutz

Und auf dem Land? 251 Jahre Dauborner Markt werden in diesem Jahr gefeiert, und die Veranstalter kommen gut zurecht mit den verlangten Sicherheitsvorkehrungen. „Die Hauptsache ist der Brandschutz, das heißt, wir müssen zum Beispiel im Zelt bestimmte Abstände zwischen den Plätzen einhalten, für die Fluchtwege sorgen. Das ist aber kein Problem, da haben wir Routine“, sagt Marktausschuss-Mitglied Rüdiger Hofmann.

Das größte Volksfest im Goldenen Grund richten die Vereine im Wechsel aus, natürlich in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Hünfelden, und die sei sehr gut, so Hofmann. Dieses Jahr ist die freiwillige Feuerwehr als Ausrichter an der Reihe. Lkw-Absperrungen gebe es nicht. „Wir haben auf dem Land nicht dieses Bedrohungspotenzial“, sagt Hofmann. Seit ein paar Jahren engagieren die Organisatoren eine Security. „Das hat sich mittlerweile in der Region so eingebürgert.“ Außerdem werde natürlich auf die Jugendschutzbestimmungen geachtet. Da sind strenge gesetzliche Vorgaben zu beachten.

Für den Bad Vilbeler Markt gibt es ein Sicherheitskonzept, welches bis zum Marktbeginn immer wieder neu angepasst und aktualisiert wird, erläutert Stadtsprecher Yannick Schwander. Je nach Örtlichkeit der Veranstaltungsflächen werde nach aktuellsten Erkenntnissen eine Gefährdungsanalyse erstellt, die von den Polizeibehörden immer wieder neu zu bewerten ist. „Welche Schutzmaßnahmen, etwa mechanische Durchfahrtsperren, polizeiliche Kontrollstellen oder ganz etwas anderes“, das könne für die Veranstaltung im August heute noch nicht abschließend gesagt werden, weshalb auch eine Aussage zu den Finanzen nicht möglich ist.

Der Stadt Bad Vilbel sei die Veranstaltungssicherheit aber ein wichtiges Anliegen, wobei auch schon in den zurück liegenden Jahren ein erhöhter Personaleinsatz der städtischen Ordnungspolizei und der Landespolizei zu mehr Sicherheit auf den Veranstaltungsflächen geführt hat. Zu den Sicherheitsbelangen zählt in diesem Zusammenhang auch die präventive Begleitung von Veranstaltungen nach jugendschutzrechtlichen Gesichtspunkten durch die örtliche Ordnungsbehörde zusammen mit der Landespolizei und der Fachkraft für Suchtprävention. Der personelle, damit auch der finanzielle und organisatorische Aufwand für die Kommunen ist insgesamt größer geworden.

Jugendschutz ist wichtig

Für das Quellenfest Anfang Juni ergibt sich eine etwas andere Ausgangslage, so Schwander. Das Quellenfest sei im Grunde die Summe verschiedener kleinerer und mittlerer Veranstaltungen. Für jede dieser Veranstaltungen muss einzeln abgewogen werden, welche Sicherheitsmaßnahmen richtig und zielgerichtet sind – wie auch beim Höchster Schlossfest. Bei „Rock im Park“ beispielsweise arbeiten die Veranstalter mit einem privaten Sicherheitsdienst zusammen und halten den Kontakt zur örtlichen Polizei. Auch beim Quellenfest erfolge eine grundsätzliche Abwägung stets aktuell und so könne man auch keine pauschalen Aussagen tätigen.

Die Preise sind explodiert

Auch in Königstein haben es die Vereine schwer, die hohen Sicherheitsauflagen für öffentliche Großveranstaltungen zu erfüllen. Ein Paradebeispiel dafür ist das Burgfest. In diesem Jahr wird der Burgverein für das große Königsteiner Fest insgesamt rund 97 000 Euro aufwenden müssen. Das sind fast 30000 Euro mehr als noch vor sieben Jahren. Ein Hauptgrund für diese Kostenexplosion sind die erhöhten Sicherheitsvorkehrungen. Rund 20 000 Euro muss der Burgverein dieses Jahr allein in den Bereich „Security“ investieren – also genauso viel, wie er 2010 noch für ein Gesamtpaket aus Sicherheitsdienst, Verkehrswacht, DRK, Toiletten und Nachtbussen gezahlt hatte.

hv / göc / pp / dd / col / ag

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