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Terminal 3 am Frankfurter Flughafen: Festtag bei Fraport

Von Ab jetzt wird gebaut: Das Terminal 3 am Frankfurter Flughafen soll 2022 in Betrieb genommen werden. Zum Spatenstich sind neben Fraport-Verantwortlichen und Politikern auch viele Mitarbeiter gekommen.
Spatenstich: Fraport Terminal 3 +++ Aufgenommen, von Christian Christes in Frankfurt am Main, Flughafen Bilder > Foto: Christian Christes Noch ist es eine Projektion, aber so wird die künftige Abfertigungshalle (Hintergrund) aussehen, die auch Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU, am Pult) für unabdingbar hält.
Frankfurt. 

Im Hintergrund dampft die Erbsensuppe. Zur Bockwurst läuft Lounge-Musik aus Lautsprechern. Rund 450 Fraport-Mitarbeiter sitzen in gelben Westen auf Biergarnituren. Auf dem Rücken steht: „Wir sind dabei!“ Sie alle sollen nachher einen Spaten in die Hand nehmen und neben ihrem Vorstandvorsitzenden auf Kommando los schaufeln. Noch ist aber Zeit für einen Kollegenplausch. Oder für ein Erinnerungs-Selfie vor der späteren Baugrube. Das Wetter passt, der Himmel reißt auf, nebenan starten und landen die Flieger nach Plan. Die Stimmung ist so locker wie auf einem Betriebsausflug. Selbst die Bedienungen tragen heute lustige weiße Bauhelme.

Zum Thema: Wie der Flughafen gewachsen ist

Der Frankfurter Flughafen wird seit Jahrzehnten ständig erweitert. Die wichtigsten Schritte: ⋅ 1949: Inbetriebnahme der ersten Start- und Landebahnen ⋅ 1972: Eröffnung

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Ab morgen werden dann die Bagger rollen. Und damit Fakten geschaffen, denen 15 Jahre lange Planungen, Genehmigungsverfahren, Prüfungen und Diskussionen vorausgingen. In den nächsten sieben Jahren will Fraport für 3 Milliarden Euro im Süden des Flughafens ein neues Passagierterminal auf einer Fläche so groß wie 19 Fußballfelder errichten. Dort könnten von 2022 an jährlich rund 14 Millionen Fluggäste abgefertigt werden – so viele wie etwa am Flughafen in Hamburg insgesamt. Errichtet werden mit dem ersten Modul des Terminals zunächst zwei von vier möglichen Flugsteigen.

Für 104 Check-In-Schalter

„Warum machen wir das?“, fragt der Bauherr, Fraport-Vorstandsvorsitzender Stefan Schulte, als er ans Rednerpult tritt, um die Antwort gleich selbst zu liefern. Der Luftverkehr wachse, 2 bis 3 Prozent pro Jahr. „Wir sind der Ankerpunkt in der Region.“ Aber die Kapazitäten der beiden bestehenden Abfertigungshallen seien erschöpft. „Unser Anzug wird uns zu klein“, sagt er. Und fügt hinzu: „Mit dem Bau des Terminals stellen wir sicher, dass Frankfurt auch zukünftig Deutschlands Tor zur Welt bleibt.“ Das habe er schon öfter gesagt. Aber es sei wichtig, es immer wieder zu wiederholen, damit es nicht in Vergessenheit gerate.

Bilderstrecke Spatenstich: Neues Terminal für den Frankfurter Flughafen
In den nächsten sechs Jahren will der Flughafenbetreiber Fraport für bis zu drei Milliarden Euro im Süden des Frankfurter Flughafens ein neues Gebäude für das Terminal 3 bauen. Dort sollen dann ab 2022 jährlich bis zu 14 Millionen Fluggäste abgefertigt werdenVolker Bouffier hält beim Spatenstich für ein neues Passagier-Terminal am Flughafen eine Rede.Bauarbeiter und Gäste beim Spatenstich für das neue Terminal 3.

Künftig will man dort noch schneller und komfortabler ein-, um- oder aussteigen. Fraport will die Kapazitäten vor allem an Fluggesellschaften vergeben, die nicht wie Lufthansa zur „Star Alliance“ gehören, aber sich klar auf Wachstumskurs befinden, wie etwa Emirates, Etihad oder den Airline-Verbund One World, zu dem auch British Airways oder Quantas zählt. 20 Positionen sind für Großraumflugzeuge wie den A 380 oder die Boeing 747 ausgelegt. Im Inneren des neuen lichtdurchfluteten Kubus, der an die Flugsteige angeschlossen wird, ist Platz für bis zu 104 Check-In-Schalter.

Die Kehrseite

Die „Kehrseite der Medaille“ verschweigt Schulte in seiner Rede nicht und meint damit die Sorge um steigende Lärmbelastung und die Bürgerproteste, die den Ausbau des Flughafens bis heute begleitet haben. Man arbeite weiter daran, die Belastung für die Bevölkerung so klein wie möglich zu halten, sagt er, und dankt fast im selben Atemzug der Politik: „Ohne sie würden wir heute nicht hier stehen.“

Das Stichwort für den Hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier (CDU). „Unerlässlich“ sei eine Erweiterung in Frankfurt aus seiner Sicht. „Dieser Flughafen ist der Herzmuskel unserer wirtschaftlichen Entwicklung“, sagt Bouffier. Der Ausbau sei „eine zwingende Entscheidung, wenn wir ein starkes Land bleiben wollen“. Gleichwohl respektiere er die Kritik, die es an diesem Projekt gebe. „Doch diese Entscheidung ist die richtige Entscheidung.“

Frankfurts Kämmerer Uwe Becker (CDU) sprach gar von einem „Meilenstein“, nach denen sich andere Städte sehnen würden. Und verkniff sich auch einen Seitenhieb in Richtung Hauptstadtflughafen nicht: „Wir werden schneller fertig als Berlin“, sagte er, bevor auf einer Leinwand ein Imagefilm des Flughafens gezeigt wird und man schließlich kollektiv zu den Spaten greift. Hessens Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) nahm nicht am Festakt teil: Seine Partei hatte gegen den Ausbau des Flughafens gekämpft, bevor sie in Wiesbaden zum Koalitionspartner der CDU wurde. Auch Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) fehlte gestern.

Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) hält das Terminal 3 für „eine noch größere Fehlinvestition“ als den „Flughafen BER“: Das neue Terminal werde in einigen Jahren entweder leerstehen oder nur notdürftig mit Billigfliegern aufgefüllt sein, sagte VCD-Landesvorstand Werner Geiß. Für die Grünen im Landtag war der Spatenstich indes „ein bitterer Tag“. Die Ausbau-Befürworter in Wiesbaden hätten „in der Zeit vor unserer Regierungsbeteiligung“ Fakten geschaffen, sagte der Fraktionsvorsitzende Mathias Wagner. „Ein weiterer tiefschwarzer Tag für die Menschen im Rhein-Main-Gebiet“, fand die grüne Mainzer Bundestagsabgeordnete Tabea Rößner, Mitglied im Verkehrsausschuss des Bundestages. Die Grenzen der Belastbarkeit seien überschritten. Fraport agiere „rücksichtslos und menschenverachtend“.

Kritik der FDP

Die FDP im Landtag fand Al-Wazirs Abwesenheit „peinlich“. „Ein Minister, der beim Spatenstich der größten Investition in seinem Bundesland nicht anwesend ist, hat den Anspruch eines ernsthaften Wirtschaftspolitikers verwirkt.“ Hessens SPD-Chef Thorsten Schäfer-Gümbel verwies darauf, dass die Einführung einer rechtssicheren festsetzbaren Lärmobergrenze dringend erforderlich sei.

Fluglärmgegner befürchten, dass das „Shoppingcenter für Umsteiger mit angeschlossenem Flughafen“ eine neue Landebahn nach sich ziehen könnte – und damit mehr Lärm. Proteste am Bauzaun gab es dennoch nicht. Erst für den Abend riefen die Ausbaugegner zu ihrer 151. Montagsdemonstration auf.

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