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Regierungserklärung: Fit machen für die digitale Schule

Von Kultusminister Alexander Lorz setzt in seiner Regierungserklärung zum Thema Bildung einen neuen Akzent. Die Opposition stellt das nicht zufrieden, sie verweist auf fehlende Lehrkräfte im Land.
Landtag Hessen -  Ralph Alexander Lorz Foto: Susann Prautsch (dpa) Kultusminister Lorz am Rednerpult Archivfoto: dpa
Wiesbaden. 

Eine Regierungserklärung zur Schulpolitik steht im Hessischen Landtag traditionell in der ersten Sitzung nach der Sommerpause und damit zum Beginn des neuen Schuljahres an. Dass die Landesregierung in diesem Jahr von der bewährten Übung abwich, hat ihr viel Spott und Hohn der Opposition eingebracht. Sie argwöhnte, Kultusminister Alexander Lorz wolle sich angesichts von Lehrermangel und anderen Problemen wegducken. Mit einem Monat Verspätung holte der CDU-Politiker gestern seine Regierungserklärung doch noch nach. Vielleicht weil es mit so einer Verspätung unpassend wäre, noch mit der Korrelation von Schülern und Lehrern zu kommen, setzte Lorz aber einen anderen inhaltlichen Akzent: Er kündigte eine „Qualitätsoffensive“ in den Schulen an.

Die soll sich vor allem in einer gründlicheren Fort- und Weiterbildung der Lehrer bemerkbar machen. In Studium und Referendariat erhielten die angehenden Lehrkräfte eine qualitativ sehr gute Ausbildung, konzedierte Lorz. Notwendig sei aber noch eine dritte Phase der Lehrerbildung danach, um durch Fort- und Weiterbildung die Herausforderungen von Gegenwart und Zukunft zu bestehen und eine individuelle Förderung der Schüler zu sichern.

Hilfe von Schulämtern

„Von daher setzen wir hinsichtlich unserer Qualitätsoffensive bei der Fortbildung und Beratung nicht auf die einzelnen Lehrkräfte im Sinne von Einzelkämpfern, sondern möglichst auf ganze Kollegien“, formulierte der Kultusminister den Anspruch. Konkret sollen sich die Schulen mit ihrem speziellen Fortbildungs- und Beratungsbedarf direkt an ihr zuständiges Staatliches Schulamt wenden und dort die entsprechende Unterstützung neu eingerichteter „multithematischer Teams“ holen. Und Lorz will auch die „Diagnosefähigkeit“ der Lehrkräfte stärken, um die individuelle Förderung der Schüler zu sichern. Dazu würden eigens Projektbüros zur entsprechenden Beratung der Lehrer aufgebaut.

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Schließlich verkündete er noch eine großangelegte Initiative zur Fortbildung aller Lehrkräfte im Bereich der digitalen Bildung mit dem Ziel, „unsere Schülerinnen und Schüler auf die Anforderungen der Arbeitswelt von morgen vorzubereiten“. Weiter verwies der Minister auf die Bemühungen um Sprach- und Rechtschreibkompetenz, etwa mit dem Grundwortschatz für interessierte Grundschulen, auf die Einstellung von 700 Sozialarbeitern und 24 Schulpsychologen und die jetzt in ganz Hessen eingeführte Qualifizierung von Schulleitern. Die Oppositionsparteien nahmen den unerwarteten neuen Schwerpunkt in der Regierungserklärung von Lorz aber nicht widerspruchslos hin. Christoph Degen von der SPD nannte das einen „Beipackzettel zu Beruhigungspillen“, um von den eigentlichen Problemen abzulenken. Die sieht er in fehlenden Lehrkräften und in der Überlastung der vorhandenen Lehrer. FDP-Mann Wolfgang Greilich nannte den Beitrag des Kultusministers „langweilig“, weil er nichts Neues geboten habe. Die Situation an den hessischen Schulen sei schwieriger denn je. Kritik äußerte auch Gabi Faulhaber von der Linken, die aber anerkannte, dass jetzt „nach langem Stillstand wenigstens Schritte in die richtige Richtung“ kämen. Grünen-Fraktionschef Mathias Wagner lobte dagegen, dass die ideologischen Diskussionen über die Schulpolitik der Vergangenheit angehörten.

Inklusion mit Bedacht

Für Diskussionen sorgten indes auch die Aussagen des Kultusministers zur Unterrichtung behinderter Kinder in den allgemeinbildenden Schulen. Lorz, der parallel dazu auch an Förderschulen festhält, postulierte eine „Inklusion mit Augenmaß“ und wandte sich explizit gegen „Inklusion mit der Brechstange“. Immerhin würden inzwischen deutlich über 8000 Schüler in Hessen inklusiv beschult. Und rund 33 000 erhielten eine vorbeugende sonderpädagogische Beratung und Förderung. Oppositionsredner kritisierten dagegen, Hessen nehme bei der Inklusion noch immer einen schlechten Platz im Ranking der Bundesländer ein.

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