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Flieger neben der Spur

Auch die schnelle Festschreibung des Nachtflugverbots für den Frankfurter Flughafen lässt die Region nicht zur Ruhe kommen: Bürger aus der südlichen Wetterau haben eine Sicherheitsbeschwerde gegen die Flugsicherung gestartet. Sie sind sauer darüber, dass startende Maschinen zu tief und zu laut fliegen.
Bad Vilbel. 

Die vergangenen Wochen seien furchtbar gewesen, sagt Ronald Kasten. "Dauernd Ostbetrieb." Für den Physiker und Chemiker aus Bad Vilbel bedeutet das, dass er und seine Nachbarn besonders viel Lärm der aus Frankfurt abfliegenden Flugzeuge abbekommen. Die Flugroute "07 lang" führt östlich an Frankfurt, Bad Vilbel und Karben vorbei, über Bergen-Enkheim und Niederdorfelden.

Schon länger beschweren sich Kasten und seine 16 aktiven Mitstreiter aus der Bürgerinitiative "Bad Vilbel minus Fluglärm" darüber, dass viele Maschinen weiter westlich fliegen, direkt über die Orte der südlichen Wetterau hinweg. Das dürften die Flugzeuge, antwortete die Deutsche Flugsicherung (DFS) bislang stets, weil sie dann eine Mindesthöhe erreicht hätten.

"Danach haben wir angefangen, es genauer zu beobachten", berichtet Kasten. Er und die Nachbarn griffen zu GPS-Geräten, um ihre Standorte genau zu orten, wenn die Maschinen sie überflogen. Schon in einer Höhe von 800 bis 1200 Metern drehten viele ab, berichtet Kasten. Es sind die schweren Jumbos und Frachter nach Amerika. "Das haut einem fast die Mütze vom Kopf, es donnert und kracht."

Plötzlich korrekt geflogen

Als die Bad Vilbeler ihre Messungen mit den Flugspuren verglichen, die die Flugsicherung in die öffentlichen Radaransichten "Casper" und "Stanly Track" einspielt, hätten sie die Flieger plötzlich auf korrekten Flugbahnen jenseits der Orte verzeichnet wiedergefunden. "Das wich um bis zu zwei Kilometer ab", berichtet Kasten. Was nicht nur zu einem Lärmproblem führe. "Es ist ein Sicherheitsproblem, wenn der Radar-Tracker nicht richtig funktioniert" und sich Fluglotsen danach richteten, warnt der Bad Vilbeler.

DFS: Lotsen nicht betroffen

Beim Langener Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung (BFA) hat Kasten deshalb eine Sicherheitsbeschwerde eingereicht. Dort liegt diese zwar noch nicht vor, doch werde man den Sachverhalt ermitteln und anhand der Daten der Flugsicherung prüfen, kündigt BFA-Sprecherin Kerstin Weber an.

Die Flugsicherung weist die Vermutung der Bad Vilbeler zurück: "Es gibt kein Sicherheitsproblem", sagt DFS-Sprecherin Kristina Kelek. Die Radaransichten seien "nicht geeignet, um ins letzte Detail zu gehen". Als "reine Informationssysteme für die Öffentlichkeit" würden die Verläufe der Flüge "schemenhaft dargestellt". Die Fluglotsen arbeiteten nicht mit diesen Systemen.

Auch nutze die DFS mit dem System Fanomos ein genaueres Werkzeug, um Lärmbeschwerden nachzugehen, erklärt Kristina Kelek. Dieses habe keine Ungenauigkeit. Fanomos zeichnet die Flugspuren der Maschinen auf. In den öffentlichen Flugspur-Ansichten würden die Daten für die Bevölkerung verständlich ausgegeben, indem sie auf der Landkarte eingetragen seien. "Das ist nicht exakt auf den Millimeter genau möglich", sagt Kelek. Die in Bad Vilbel nachgemessenen Flugverläufe wolle die DFS aber nun konkret nachvollziehen. dpg

Flugspuren unter casper.umwelthaus.org oder "Stanly Track" unter www.dfs.de

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