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Lebendige Luftfahrtgeschichte in Hessen: Flieger suchen ein Zuhause

Von Auf Deutschlands ältestem Flugplatz in Griesheim bei Darmstadt wird die Luftfahrtgeschichte lebendig – von Otto Lilienthals Fluggleiter über fliegende Post-Holzkisten bis hin zum Cockpit einer DC-8 und weiter zur Forschung in der Bionik. Doch trotz der Exponate, vieler Experten und der Partnerschaft mit dem Frankfurter Flughafen und der TU Darmstadt fehlt Burkhard Fiebigs Verein August-Euler-Museum noch immer ein Zuhause. Jetzt ist er zwischengelandet im Ausstellungsraum einer Egelsbacher Flugzeugfirma.
Burkhard Fiebig (rechts) und Schatzmeister Gary Gray zeigen in Egelsbach den Nachbau einer Fokker DR 1, des Fliegers des „Roten Barons“ Manfred von Richthofen.
Griesheim. 

Die Fliegerei hat es dem Bad Vilbeler Burkhard Fiebig (59) angetan. Schon als Junge las er lieber Fliegerrevue statt Bravo und baute Flugzeugmodelle. In den 1980ern brach dann die Sammelleidenschaft aus. Fiebig suchte auf Provinzflughäfen nach alter Technik, bastelte daraus ein Instrumentenbrett. Bald wurden die Wünsche größer. 1998 holte er sich das Cockpit einer MIG-21 inklusive Schleudersitz in den heimischen Schrebergarten. Im Keller lagert er die Pilotenkanzel eines Starfighter F 104. Doch die Sammlung nur im stillen Kämmerlein sei „eigentlich blöd“, dachte Fiebig und entwickelte das Konzept eines Flugzeugmuseums.

Museumsverein gegründet

Die zunächst kühne Idee bekam 2005 überraschend schnell Aufwind. Mit 20 weiteren Flugzeugbegeisterten gründete Fiebig den Verein August-Euler-Museum. Im gleichen Jahr erwarb die Technische Universität Darmstadt (TU) von den Amerikanern das Gelände des Griesheimer August-Euler-Flughafens, dessen Namensgeber 1908 deutschlandweit die ersten Motorflüge unternahm und eine Flugzeugwerft betrieb. Fiebig konnte zwei entscheidende Förderer für seine Idee gewinnen: den damaligen TU-Präsidenten Johann-Dietrich Wörner, seit Juli Generaldirektor bei der Europäischen Weltraumorganisation ESA. Und Wilhelm Bender, Ex-Vorstandsvorsitzender der Fraport AG.

Ihnen ist es zu verdanken, dass der Verein etliche Exponate geschenkt bekam, wie die DC-8, die einst die Besucherterrasse des Flughafens schmückte. Der Rumpf der nach 26 100 Landungen ausgemusterten Maschine mit Baujahr 1960 steht jetzt auf dem von der TU gekauften Griesheimer Flugplatz, wo der Verein Gastrecht hat. Azubis der Lufthansa absolvierten Teile ihrer Ausbildung mit deren Restaurierung.

Besucher können das Cockpit mit den rein mechanischen Schaltern bestaunen, damals war Platz für vier Besatzungmitglieder: zwei Piloten, Navigator und Flugingenieur. Fiebig zückt dazu ein altes Foto mit Jassir Arafat. Der Palästinenserführer war einst von Libyens Staatschef Muammar al-Gaddafi dort eingeladen worden. In einer Halle der TU steht der „Gelbe Hund“, den die Vereinsmitglieder in 3000 Arbeitsstunden mit Holz aus dem Baumarkt nachbauten. Das Original, 1912 als „Euler Nr. 33“ gefertigt, war das erste Postflugzeug, damals mit offenem Cockpit, drei Sitzen und einem kuriosen Antrieb. Ein Umlaufdruckmotor mit 70 PS, der sich am Heck mit dem Propeller mitdreht. Auch der „Gelbe Hund“ suche noch ein Zuhause, sagt Fiebig.

Auf Geldsuche

Zwar hat der Verein inzwischen knapp hundert Mitglieder, darunter viele Lufthanseaten, Techniker, Historiker und andere Experten. Aber um diese Schätze zeigen zu können, fehlt noch immer ein Museum. Dafür anbieten würden sich die Hallen des Flughafenareals, doch die gehörten der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA), der Kauf für den Verein unerschwinglich. Immerhin unterstützen auch die Kommunalpolitiker das Vorhaben, aber es fehlt das Geld. Fiebig hofft auf Sponsoren, auch aus der Wirtschaft, oder eine Fondslösung. Abgesehen von den Mitteln könne der Verein sofort eine Halle museal bestücken, er ist vernetzt mit zwei anderen Hütern der Historie: dem Zeppelinmuseum und dem Verein Luftbrücken-Chapter. 2012 veranstaltete der Verein in Griesheim eine zweitägige Flugschau mit Oldtimern, zu der 50 000 Zuschauer kamen.

Ausstellung in Egelsbach

Dieser Tage hat der Euler-Verein eine Zwischenlandung eingelegt, wie es Fiebig formuliert. Er darf die Ausstellungsräume der Egelsbacher Flugzeugfirma Diamond Aircraft nutzen. Bis zum Frühjahr soll dort eine kleine Ausstellung eingerichtet werden. Schon jetzt hängt dort eines von zwei noch erhaltenen Exemplaren von Otto Lilienthals Normal-Segelapparat von 1894 an der Decke, mit Segeltuchflügeln und Haltegriff, auf dem der Flugpionier bis zu 250 Meter weit bergab schwebte. Das Modell wurde damals für 500 D-Mark verkauft als erstes in Serie gefertigtes Flugzeug. Auch ein Nachbau der Fokker DR 1 ist zu sehen, dem Flugzeug des „Roten Barons“ Manfred von Richthofen, dessen Geschwader 1918 auf dem August-Euler-Flugplatz aufgelöst wurde. Das Modell wurde 1985 beim RAF-Anschlag auf die Abflughalle des Frankfurter Flughafens beschädigt und ebenfalls restauriert.

Lindberghs Enkel an Bord

Doch nicht nur die Nachbauten und jede Menge Aviatik, auch Geschichten hat Fiebig gesammelt. Etwa die von einem Vereinsmitglied, das den ersten Atlantiküberflieger Charles Lindbergh noch persönlich kannte, weil er dessen VW Käfer auftankte, wenn er bei seinen Deutschland-Aufenthalten zu seiner heimlichen zweiten Ehefrau fuhr. Den habe Lindberghs erste Frau Anne Spencer Morrow später aus Wut verschrotten lassen, aber es seien noch Einzelteile erhalten, erzählt Fiebig. Auch Lindberghs Enkel sei Mitglied des illustren August-Euler-Vereins. Und natürlich haben die Flugzeugfans auch einen Nachbau von Lindberghs Atlantikflieger „Spirit of St. Louis“ in der Sammlung, „aber der ist gerade eingelagert“.

 

Der August-Euler-Verein bietet jeden letzten Samstag im Monat von 15 bis 18 Uhr Besichtigungen und auch Führungen nach Vereinbarung in Griesheim an. Kontakt: Burkhard Fiebig, Telefon (06101) 1304, E-Mail: fiebig@august-euler-museum.de

 

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