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Trockenheit bereitet Landwirten und Förstern Sorge: Flora wartet auf Regen

Milde Temperaturen lassen die Natur zwar aufblühen – doch es fehlt der für das Wachstum notwendige Regen. Stress pur für Kulturpflanzen und Bäume. Manche Bauern müssen sogar schon künstlich bewässern.
Kirschessigfliege Foto: Fredrik von Erichsen (dpa) Kirschessigfliege (Drosophila suzukii) auf Traube
Offenbach/Friedrichsdorf. 

Weil es seit Wochen nicht mehr geregnet hat, sorgen sich die Landwirte in Hessen um ihre Pflanzen. Vor allem der derzeit aufblühende Raps leide sehr unter der anhaltenden Trockenheit, sagte ein Sprecher des Hessischen Bauernverbandes in Friedrichsdorf. Die ersten Spargelbauern in Südhessen haben bereits damit begonnen, ihre Felder künstlich zu bewässern. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Offenbach fiel in manchen Regionen Hessens seit knapp drei Wochen kein Regen mehr.

Extra: Kirschessigfliege profitiert von warmem Wetter

Die schädliche Kirschessigfliege könnte Obstbauern auch in diesem Jahr Sorgen bereiten. Bei günstigen Bedingungen sei ein frühzeitiges Massenauftreten des Schädlings nicht ausgeschlossen,

clearing

Auch der hessische Wald leidet. „Ganz junge Pflanzen, die jetzt gerade in den Kulturen frisch gesetzt wurden, sind stark gefährdet“, sagte eine Sprecherin von Hessen-Forst in Kassel. Während große Bäume mit ihren langen Wurzeln noch in die tiefen, wasserreichen Schichten gelangen, vertrockneten kleine Bäumchen viel schneller. „Wenn es nicht bald ausgiebig regnet, drohen zahlreiche frisch gepflanzte Bäumchen zu vertrocknen“, sagte der Präsident des Hessischen Waldbesitzerverbandes, Michael Freiherr von der Tann.

Borkenkäfer-Gefahr

Den Nadelwäldern drohe durch die Trockenheit eine weitere Gefahr, warnt von der Tann. Besonders die Fichte sei bei Trockenstress anfällig für Borkenkäfer, wie den Buchdrucker und den Kupferstecher. Die viel zu warmen Märztage hätten den Frühjahrsflug dieser Insekten, die in der Bodenstreu überwintern und sich nach dem Ausfliegen sofort in die Rinde von Fichten zur Eiablage einbohren, begünstigt. Etwa ab Mitte April seien Waldbauern und Förster gefordert, die Fichtenbestände auf Borkenkäferbefall zu kontrollieren. Befallene Bäume sollten sofort gefällt und aus dem Wald transportiert werden, bevor die Jungkäfer ausfliegen und weitere Bäume befallen, sagt der Präsident des Waldbesitzerverbandes.

Das Rauchen und offenes Feuer seien im Wald bereits seit dem 1. März wegen hoher Brandgefahr gesetzlich untersagt, so von der Tann. Durch die warmen Temperaturen seien Laub auf dem Boden und die abgestorbenen Gräser und Kräuter am Wegrand sehr leicht entzündlich. Autofahrer würden gebeten, keine Zigarettenkippen aus dem Fenster zu werfen. Grillen sei ausschließlich auf den ausgewiesenen Grillplätzen oder zu Hause im Garten erlaubt.

Hinzu kommt: Durch den gefrorenen Waldboden konnten die Niederschläge im Januar nicht versickern, sondern verdunsteten. „Der Boden ist also nicht so gesättigt wie sonst – wir wünschen uns jetzt langanhaltenden Dauerregen“, heißt es bei Hessen-Forst.

Dauerregen erwünscht

Das sieht der Vorsitzende des Arbeitskreises Spargel Südhessen, Rolf Meinhardt, ähnlich. „Wir brauchen dringend Regen“, sagte er. Zweijähriger Spargel, der in diesem Jahr gesetzt werde, müsse bereits künstlich beregnet werden. Die derzeit laufende Spargelernte ist nach seiner Einschätzung hingegen nicht gefährdet, denn das Edelgemüse gedeiht unter Folien. Diese schützten die begehrten Stangen vor dem Austrocknen. „Der Ostertisch ist gesichert“, sagte er.

Laut Deutschem Wetterdienst sind im März nur 50 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen – durchschnittlich sind es 62 Liter. Gleichzeitig war es mit einer Durchschnittstemperatur von 7,4 Grad deutlich wärmer als sonst (3,7 Grad) und die Sonne schien mit 150 Stunden wesentlich häufiger (107 Stunden). Hans Helmut Schmitt vom Agrarmeteorologischen Dienst des DWD sieht derzeit die „Natur auf der Überholspur“, sie brauche aber mehr Wasser.

Zum Wochenbeginn könnte sich die Situation etwas entschärfen, denn dann werden einige Schauer erwartet. „Am Montag breitet sich ab dem späten Vormittag starke Bewölkung auf ganz Hessen aus“, erklärte ein DWD-Meteorologe am Sonntag. Vor allem südlich des Mains kann es regnerisch werden, auch einzelne Gewitter sind möglich. Nach einer richtigen Entlastung sieht es für Bauern und Förster aber auch im Laufe der Karwoche nicht aus: Allenfalls nachts fällt am Dienstag voraussichtlich etwas Regen. Auch am Mittwoch wird es auf den Feldern nach DWD-Prognosen eher feucht als nass.

(lhe,chb)
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