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Flörsheim wittert freie Hand für Fraport: Flughafen: Ausbau, Lärm und kein Ende?

Die Hessische Landesregierung hatte Ende März die dritte Änderung des Landesentwicklungsplanes gebilligt. Heute endet die Offenlegung des Entwurfs, gegen den die Kommunen Einwände vorbringen können. Flörsheim hat Bedenken wegen einiger Formulierungen, die den Flughafen betreffen.
Über den Dächern von Flörsheim setzt eine Passagiermaschine zum Landeanflug an. Foto: Boris Roessler (dpa) Über den Dächern von Flörsheim setzt eine Passagiermaschine zum Landeanflug an.
Flörsheim. 

Die Diskussion um den Flughafen bleibt kontrovers. Während die einen den Flughafen als Jobbringer feiern und etwa der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) die bremsende Flughafenpolitik von Frankfurts OB Peter Feldmann (SPD) als „irre“ bezeichnet, sind die vom Lärm betroffenen Gemeinden weiter höchst misstrauisch.

Zum Beispiel stören sich Flörsheims Magistrat und Stadtverordnete am Entwurf des neuen Landesentwicklungsplans (LEP), der bis heute öffentlich ausgelegt ist. Sie protestieren gegen Formulierungen, die ihrer Meinung nach der Fraport freie Hand für einen weiteren Ausbau und eventuelle Einschränkungen des Nachtflugverbotes geben könnten. So wird beantragt, den Passus zu streichen, der Airport sei als „Flughafen von herausgehobener internationaler Bedeutung“ zu erhalten. Die Formulierung klingt auf den ersten Blick gar nicht so spektakulär, aber die Kritiker glauben, damit werde der Airport landesplanerisch auf das Ziel festgelegt, zur weltweiten Spitzengruppe der Großflughäfen zu gehören. Letztlich werde Frankfurt mit Dubai oder Istanbul verglichen, obwohl dort grundlegend andere räumliche und rechtliche Verhältnisse gelten. Sprich: Dort wird auf Menschenrechte und Umweltschutz weniger Rücksicht genommen.

Bilderstrecke Die Anfänge des Frankfurter Flughafens auf dem Rebstock-Gelände
Passagiere und Flugpersonal vor einem Flugzeug ("Münster") der Lufthansa nach der Landung auf dem "Flughof Rebstock" in Frankfurt. Fotos: FraportMit dem Bau dieses Flughafens in Nähe der Messe war der Grundstein für die Erfolgsgeschichte des Frankfurter Flughafens gelegt.Auf dem am 2. Julli 1924 gegründeten "Flughof Rebstock" in Frankfurt werden Flugpassagiere abgefertigt. Die Ur-Vorgängerin der Flughafenbetreibergesellschaft Fraport wurde vor 90 Jahren von Frankfurter Kaufleuten und Unternehmen sowie dem Flugzeugbauer Junkers gegründet und firmierte unter dem Namen "Südwestdeutsche Luftverkehrs AG".

In ähnliche Richtung ziele eine weitere Formulierung, die Flörsheim streichen will, nämlich: „Der Flughafen Frankfurt Main ist in seiner Wettbewerbsfähigkeit zu stärken.“ Dieses Ziel könne, so der Vorhalt aus Flörsheim, – zusammen mit der zuvor geforderten herausgehobenen internationalen Bedeutung – negative Auswirkungen auf den Lärmschutz haben. Unter Hinweis auf die Wettbewerbsfähigkeit könne etwa Fraport die Zulassung von Nachtflügen beantragen. Um hier auf der sicheren Seite zu sein, fordert die Stadt Flörsheim Begriffe und Formulierungen, die den Status quo garantieren.

Das hessische Wirtschaftsministerium hält die Flörsheimer Sorgen für unbegründet: Der Grundsatz, der die „besonders schutzbedürftige Nachtruhe der Bevölkerung“ für die Kernstunden garantiere, bleibe auch nach Inkrafttreten der LEP-Änderung in Kraft. Die Garantie werde sogar auf stabilere Füße gestellt. Außerdem legt man im Wirtschaftsministerium wert auf die Feststellung, dass die Debatte um den LEP offen sei. Das heißt, die Eingaben aller Akteure, also auch der Flörsheimer, würden geprüft und bewertet.

Bilderstrecke Flughafen Frankfurt: Wie die Koffer auf die Reise gehen
Seit 40 Jahren ist die  Gepäckförderanlage am Frankfurter Flughafen in Betrieb und leistet zuverlässige Dienste. Anlass für eine Würdigung. Fotos: Chris ChristesFraport hat anlässlich des Jubiläums eigens eine Ausstellung konzipiert, die bis zum 25. Juli auf der Empore im Terminal 1 A zu besichtigen ist.Die 80 Kilometer langen Tunnel für das Gepäck liegen unter dem Vorfeld und dem Terminal.

Die Frankfurter Rechtsanwältin Ursula Philipp-Gerlach, Spezialistin für Umwelt- und Verwaltungsrecht, sieht den LEP nicht ganz so entspannt. Die dynamisierenden Formulierungen, die auch von Flörsheim beanstandet werden, könnten als Türöffner für Billigflieger interpretiert werden, meint sie. Auch Ausbaugegnerin Ursula Fechter, Fluglärmschutzbeauftragte des Frankfurter OB ist, sieht generell die Gefahr, dass durch den vermehrten Einsatz von Billigfliegern künftig der Fluglärm zunehmen könnte.

Zur Dynamik der Entwicklung passt, dass Fraport-Chef Schulte vergangenen Woche klarstellte, den Flugsteig für Billigflieger bereits 2020 in Betrieb zu nehmen – und nicht wie ursprünglich geplant mit dem Terminal 3 in 2023. Es gibt aber durchaus Experten, die sagen, dass es mit den Billigfliegern nicht zwangsläufig zu mehr Fluglärm kommen müsse.

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