Lade Login-Box.
E-Paper
Abo & Service Immo Stellen Trauer

Rheinland-Pfalz setzt auf Investorensuche: Flughafen Hahn: Neuer Käufer oder Insolvenz

Landen nächstes Jahr noch Flugzeuge im Hunsrück? Eine Entscheidung fällt möglicherweise bald. Die rheinland-pfälzische Landesregierung will in einer zweiten Bieterrunde einen Investor finden, der den Flugbetrieb fortführt.
Flughafen Frankfurt-Hahn Foto: Thomas Frey (dpa) Im Hunsrück könnten die Lichter bald ausgehen.
Hahn. 

Rheinland-Pfalz sucht nach der Bruchlandung wegen eines mutmaßlich betrügerischen Käufers aus China nach neuen Investoren für den Flughafen Hahn. Sollte die Suche aber scheitern und ein Insolvenzantrag nötig werden, könnte mit Starts und Landungen im Hunsrück nach Ansicht eines Insolvenzexperten sehr schnell Schluss sein. Das zuständige Innenministerium setzt auf den Verkauf, der Airport auf sein Überleben. „Wir gehen davon aus, dass der Hahn weiterhin als Flughafen betrieben wird“, hieß es am Montag bei der Flughafen GmbH. Wie immer werde mit möglichen zusätzlichen Airlines verhandelt. Der Flughafen verwies auch auf seinen neuen Fünf-Jahres-Vertrag mit der irischen Billigfluggesellschaft Ryanair.

„Es ist sehr teuer, den Flugbetrieb mit seinen hohen Sicherheitsauflagen aufrechtzuerhalten“, sagte Anwalt Hans-Gert Dhonau in Bad Sobernheim. Wenn ein vorläufiger Insolvenzverwalter sehe, dass er Geld drauflege, könne es – ohne Nothilfe vom Wirtschaftsministerium – mit regelmäßigen Flügen rasch vorbei sein. „Theoretisch könnte schon eine Woche nach Beauftragung eines vorläufigen Insolvenzverwalters mit Genehmigung des Insolvenzgerichts der Flugbetrieb eingestellt werden.“ Dhonau ist Vorsitzender des Fachausschusses Insolvenzrecht der Rechtsanwaltskammern Koblenz und Zweibrücken.

Rheinland-Pfalz will in einer zweiten Bieterrunde den hoch defizitären Flughafen verkaufen, der 2015 ein Defizit von 17,4 Millionen Euro verbuchte. In diesem Jahr erwarten Branchenkenner einen Fehlbetrag in ähnlicher Höhe. Ein Investor soll nach dem Willen der rot-gelb-grünen Landesregierung den Flugbetrieb möglichst fortführen. Er könnte dabei die Hilfe eines staatlichen Darlehens in Höhe von 34 Millionen Euro in Anspruch nehmen. Allerdings wird in der öffentlichen Debatte auch die Umwandlung des Airports in einen Gewerbepark nicht ausgeschlossen – so wie es schon mit dem pfälzischen Flughafen Zweibrücken geschehen ist.

Der Flughafen habe „erhebliche positive volkswirtschaftliche Auswirkungen“, teilte das Innenministerium am Montag in Mainz mit. Die EU-Kommission habe die Möglichkeiten staatlicher Finanzierungen erheblich eingeschränkt. Seither habe die Landesregierung die Voraussetzungen geschaffen, die Anteile an der Flughafengesellschaft veräußern zu können.

Dhonau sagte, wenn Flughafen-Chef Markus Bunk eine Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung erkenne, müsse er binnen drei Wochen Insolvenz beantragen. „Sonst macht er sich strafbar“, erklärte der promovierte Experte für Insolvenzrecht. Jede Insolvenzakte werde auch routinemäßig von der Staatsanwaltschaft unter die Lupe genommen. Der Hahn-Aufsichtsratsvorsitzende Salvatore Barbaro (SPD) hatte im September bekräftigt, dass der Airport voraussichtlich bis Ende Oktober liquide sei.

Ein vorläufiger Insolvenzverwalter würde nach Angaben von Anwalt Dhonau prüfen, ob ein Verfahren beim Insolvenzgericht am Amtsgericht Bad Kreuznach eröffnet werden könnte – oder mangels Masse abzuweisen wäre. „Dann würde alles zusammenkrachen und die Gläubiger müssten jeweils selbst schauen, was sie noch bekommen könnten. Dies wäre dann ein ungeordnetes Verfahren“, sagte Dhonau.

Der ehemalige US-Militärflughafen gehört zum Großteil Rheinland-Pfalz und zu einem kleinen Teil Hessen.

Zur Startseite Mehr aus Rhein-Main & Hessen

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2016 Frankfurter Neue Presse