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Modelle für Lärmpausen: Fluglärm: Eine Stunde mehr Ruhe

Von Acht Monate wurde gewartet, die Spannung war groß: Wie würde Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) sein Versprechen von siebenstündigen Lärmpausen umsetzen?
Durch die Lärmpausen starten und landen nicht weniger Maschinen in Frankfurt. Die Flüge werden konzentriert. „Sie haben abends statt fünf zehn Flieger über dem Kopf, dann aber morgens gar keinen mehr“, erläuterte Minister Al-Wazir gestern beispielhaft den Effekt. Foto: dpa
Wiesbaden. 

Am Ende erlaubte sich Tarek Al-Wazir einen tiefen Seufzer: „Ich hab’ ihn nicht gebaut“, sagte der grüne Wirtschaftsminister über den Frankfurter Flughafen, der ihm in den vergangenen Monaten wohl noch ein paar graue Haare mehr beschert hat. Sieben Stunden Lärmpause, abwechselnd für Flughafen-Anwohner in Ost und West, hatte der Grüne nach den Koalitionsverhandlungen mit der CDU im Herbst 2013 versprochen, nun lieferte er die Lösung des Flugbahn-Puzzles.

Man habe lange diskutiert, 256 theoretische Varianten erarbeitet, und „viele, viele unterschiedliche Interessen“ abgewogen, sagte Al-Wazir am Freitag in Wiesbaden, „und glauben Sie nicht, dass die Luftverkehrswirtschaft Jubelschreie ausgestoßen hat.“ Tatsächlich dürfte es ein zähes Ringen hinter den Kulissen gewesen sein, hatte doch der grüne Minister auf Fragen zu den Lärmpausen zunehmend allergisch reagiert.

Die Modelle: Ein kompliziertes Puzzle

Bei Modell 1 wird abends zwischen 22.00 Uhr und 23.00 Uhr bei Betriebsrichtung Ost auf der Centerbahn und der

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Heraus kamen nun fünf Modelle, die abwechselnd die Anliegerkommunen im Westen und die im Osten von Lärm entlasten soll. Doch der Teufel liegt im Detail, nicht bei allen Modellen kommt tatsächlich eine Entlastung heraus. Da ist die Tatsache, dass es auf der Nordwestlandebahn morgens kein einziges Mal eine Lärmpause geben wird, doch gerade dort reißen die landenden Flieger um 5.00 Uhr morgens die Menschen aus dem Bett.

 

„Wenig verlässlich“

 

Die Nordwestlandebahn müsse am Morgen offen bleiben, weil sonst der Stau der landenden Flieger nicht bewältigt werden könne, sagte Al-Wazir. Abends wiederum stauten sich die startenden Flugzeuge am Boden, daher brauche es auch hier zwei Bahnen. Das aber schränkte die Möglichkeiten für Lärmpausen stark ein, in manchen Modellen kam so nur eine kleine Entlastung etwa für den Frankfurter Süden heraus. Dazu räumte Al-Wazir ein, dass die Modelle vier und fünf „instabiler und weniger verlässlich umsetzbar“ seien.

In Modell eins ist zudem der jetzige Status quo eingebaut, die „Lärmpause“ ist hier nur auf der Centerbahn umgesetzt, was aber kaum weniger Lärm bringen wird, weil die südliche Parallelbahn weiter angeflogen wird. Zwischen Centerbahn und Südbahn lägen ganze 518 Meter, sagte deshalb auch der Parlamentarische Geschäftsführer der FDP-Fraktion, René Rock, das sei „eine reine Mogelpackung“, aber keine echte Ruhe.

Dazu könne die Deutsche Flugsicherung (DFS) immer wieder Veränderungen vornehmen, „es gibt keine Verlässlichkeit und keine Planbarkeit“, kritisierte Rock. Tatsächlich hatte Al-Wazir ausdrücklich betont, dass es bei widriger Witterung, Streiks oder Sicherheitsproblemen „Abbruchkriterien“ für die Lärmpausen gebe, wie oft es also tatsächlich sieben Stunde Ruhe geben wird, ist unklar. „Wir streben an, die Lärmpausen möglichst verlässlich umzusetzen“, betonte der Minister. Frankfurt werde damit internationale der einzige Airport sein, der ein Nachtflugverbot und Lärmpausen habe.

 

Ernüchtert bis wütend

 

„Die Pausen werden nicht funktionieren“, sagte hingegen der SPD-Abgeordnete Marius Weiß, gemessen an den Ankündigungen sei „das Ergebnis mehr als dürftig.“ Dazu schiebe der Minister nun die Entscheidung in die Region ab, „hier ist Streit vorprogrammiert“, während sich der Minister „aus der Verantwortung stiehlt“.

Plädoyer für das Machbare

Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir hat fünf Modelle für Lärmpausen am Frankfurter Flughafen vorgestellt. Doch der Steit wird weitergehen.

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Die Vertreter der Region in der Fluglärmkommission sollen die Entscheidung fällen, welches der fünf Modelle im kommenden Jahr in den Probebetrieb geht. „Ich gehe mit dem Aufruf in die Fluglärmkommission mitzudiskutieren“, betonte Al-Wazir, er wolle bewusst eine ergebnisoffene Debatte. Er hoffe, dass die Entscheidung für eines der Modelle noch vor dem Jahresende falle, sagte Al-Wazir weiter.

Die Bürgerinitiativen zeigten sich ernüchtert bis wütend. Das Bündnis der BIs kritisierte, die hohe Zahl der Modelle lasse „auf einen verzweifelten Versuch schließen, die Quadratur des Kreises zu schaffen.“ Bestenfalls seien Lärmbündelungen und Lärmverschiebungen möglich, der Begriff Lärmpause „politische Schönfärberei.“

Die Modelle zielten darauf ab, „einen Spaltpilz“ zwischen die Kommunen zu treiben, wetterte Linksfraktionschefin Janine Wissler. Al-Wazir könne dann sagen, „ich habe was gemacht, wenn ihr euch nicht einigen könnt, liegt das nicht an mir“, argwöhnte Wissler. Tatsächlich blieb gestern die Frage offen was passiert, wenn sich die Fluglärmkommission nicht auf ein Modell einigen könne. „Ich hoffe immer auf das Gute“, sagt Al-Wazir dazu, „wenn es anders kommt, treffen wir uns hier wieder“.

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