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Beuth: "Hessische Polizei ist gut vorbereitet": Frankfurter SEK-Kommando probt den Ernstfall: Terroristen eröffnen das Feuer

Von Terroranschläge sind mittlerweile, so abstrus es klingt, fast schon alltäglich geworden. Meist finden sie aber weit weg von uns an einem weit entfernten Ort statt. In Frankfurt fühlten sich am Freitag einige Menschen auf einmal mitten im dramatischen Geschehen.
08.09.2017. Sicherheit in Hessen Bilder > Foto: Leonhard Hamerski Zugriff erledigt. Das Gebäude ist gestürmt, die Lage unter Kontrolle.
Frankfurt. 

Whiskey ist nicht mehr zu bremsen. Mit hoher Geschwindigkeit und gefletschten Zähnen stürzt sich der braun-schwarze belgische Schäferhund auf den Mann in der grauen Jogginghose und dem schwarzen Kapuzenpulli, wirft ihn um und verbeißt sich in seinem Arm. Sekunden zuvor war der massige Kerl mit einer Machete in der Hand aus einem Haus herausgestürmt und hatte mit hasserfüllter Miene ein „Ich mach euch kalt“ in Richtung einiger Polizisten gebrüllt. Aber gegen die geballte Hundepower hatte der Salafist nicht den Hauch einer Chance.

Ok, was der gute Whiskey in seinem Eifer nicht wissen konnte, ist, dass der vermeintliche zu allem bereite Islamist in Wahrheit ein Beamter des Spezialeinsatzommandos (SEK) der Frankfurter Polizei ist. Und dass es sich überhaupt bei der Aktion nicht um einen Ernstfall handelt, sondern nur um eine Übung, allerdings eine mit durchaus realistischen Anklängen.

Chaos durch Hochwasser

Schauplatz des Geschehens ist am Freitagmorgen das Außengelände der Frankfurter Feuerwehr in der Marbacher Straße. Zahlreiche Zuschauer, darunter Hessens Innenminister Peter Beuth, Landespolizeipräsident Udo Münch oder Frankfurts Ordnungsdezernent Markus Frank, verfolgen hinter einem rotweißen Flatterband, wie die Sicherheitskräfte bei einer terroristischen Bedrohung vorgehen.

Das Szenario ist Teil einer Krisenstabsübung, die zeitgleich im hessischen Innenministerium in Wiesbaden abläuft. Unter dem Motto „Hochwasser 2017“ wird von einer flächendeckenden Überschwemmungen im Rhein-Main-Gebiet ausgegangen. Schuld daran ist, auch das durchaus im Bereich des Möglichen, ein massives Tiefdruckgebiet. Das wiederum sorgt dafür, dass hessenweit der Katastrophenschutz, Feuerwehr und Polizei erforderlich machen.

Das landesweite Chaos wollen Terroristen für einen Anschlag ausnutzen, wie Alexander Löhr, Leiter des Frankfurter SEKs die Ausgangssituation skizziert. Zu dieser gehört auch, dass die Polizei einen Hinweis eines besorgten Bürgers bekommen hat. Vier verdächtige Männer hätten mit Waffen herumhantiert. Bei einem handle es sich um einen Nachbarn. Die Polizei schickt daraufhin zwei Streifenwagen, um der Sache nachzugehen.

Wilder Schusswechsel

Auf dem Gelände der Frankfurter Feuerwehr geht es nun Schlag auf Schlag. Als zwei Polizisten sich den mutmaßlichen Terroristen nähern, eröffnen die sofort das Feuer. Einer der beiden Beamten wird am Bein verletzt, schafft es dennoch, sich mit seinem Kollegen hinter dem Wagen in Schutz zu bringen. Einer der Täter flüchtet im Wagen, die anderen flüchten in ein Haus, als weitere Polizisten des „Überfallkommandos Frankfurt“ anrücken.

Während das SEK zur Verstärkung gerufen wird, laufen im Hintergrund die Ermittlungen der Polizei, erklärt Löhr. Man wisse nun, dass einer der Männer aus dem salafistischen Umfeld stamme.

Auf dem Feuerwehrgelände gehen die Sicherheitskräfte nun in die Offensive. Ein gepanzertes Fahrzeug der Bundeswehr fährt vor, um den Verletzten in Sicherheit zu bringen. Nachdem Whiskey den herausstürmenden Terroristen außer Gefecht gesetzt hat, überschlagen sich die Ereignisse.

Ein weiterer Salafist, dem offenbar die Sicherungen durchgebrannt sind, läuft um sich schießend ebenfalls aus dem Gebäude heraus und wird von einer Polizeikugel niedergestreckt. Ein wildes Geballer setzt ein, das ein wenig an die Karl-May-Festspiele in Bad Segeberg erinnert, Schließlich stürmt das SEK-Kommando in das Haus, eine Explosion und weitere Schüsse sind zu hören, Rauch dringt aus dem Gebäude, und dann tauchen die behelmten Köpfe zweier SEK-Beamten an den beiden Fenstern im ersten Stock auf – die Terrorgefahr ist gebannt .

Das Ganze sei im Zeitraffer abgelaufen, erklärt Löhr sagt. In Wirklichkeit dauere ein solcher Einsatz länger, aber im Grundsatz könne er in dieser Form ablaufen. Erwähnt sei noch, dass natürlich keine scharfe Munition, sondern lediglich ungefährlich Übungsmunition verwendet wurde.

Geld ist „gut angelegt“

„Tolle Übung, sehr interessant“, zeigt sich Innenminister Beuth begeistert von der Übung. Und vielleicht auch darüber, dass die zusätzlichen Millionen, die das Land in Zukunft in die Sicherheit investiert, gut angelegt sind. Es sei deutlich geworden, dass die hessische Polizei auf ein solches Szenario gut eingestellt sei, sagt Beuth auch und fügte hinzu: „Ich hoffe, dass es nie dazu kommt.“

Sollte dennoch der Ernstfall eintreten, ist das SEK darauf vorbereitet. „Das war nicht die erste und nicht die letzte Übung“, sagt Alexander Löhr. Für Diensthund Whiskey zumindest eine unter besonderen Vorzeichen. Denn just an diesem Tag feierte seinen zweijährigen Geburtstag. Und bekam dafür einen Terroristen serviert.

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