Lade Login-Box.
E-Paper
Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Titelbild Mainova Marathon Laufsport - alles rund um den Mainova IRONMAN Frankfurt 2017 Frankfurt am Main 26°C

Friedensangebot an Kliniken

Von Notfallärzte in Hessen fürchten künftig eine viel zu oberflächliche Untersuchung der Patienten in den Notaufnahmen der Kliniken. Die Kassenärzte halten dagegen und bieten Gespräche an.
Notaufnahme Foto: Marijan Murat (dpa) Ein Notaufnahme-Schild weist Patienten den Weg.
Frankfurt. 

Kurz vor der Einführung neuer Vorschriften für die Notfallaufnahmen an Krankenhäusern hat die Kassenärztliche Vereinigung Hessen (KVH) im Streit um die geplante Gebührenordnung für sachliche Gespräche zwischen allen Beteiligten geworben. „Wir sollten miteinander reden und nicht übereinander“, sagte der stellvertretende Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KVH), Eckhard Starke, am Montag in Frankfurt, nachdem vor zwei Wochen ein öffentlich ausgetragener Streit darüber entbrannt war.

Info: Förderprogramm für Praxisgründungen

Mit einem umfangreichen neuen Förderprogramm in Höhe von zwei Millionen Euro jährlich will die Kassenärztliche Vereinigung Hessen (KVH) dem drohenden Ärztemangel begegnen und die Bereitschaft fördern, eine Praxis zu gründen.

clearing

Hintergrund ist die zum 1. April geplante Neuregelung bei der Aufnahme von Notfallpatienten an den Kliniken. Ein Notaufnahmearzt im Krankenhaus soll demnach künftig schnell entscheiden, ob der Patient stationär aufgenommen wird oder nicht. Reicht eine ambulante Behandlung, muss er den Patienten sofort – ohne weitere Untersuchung – an niedergelassene Ärzte und deren Bereitschaftsdienste verweisen. Für die Entscheidung bekommen die Notfall-Ärzte künftig 4,74 Euro (8,42 Euro nachts und am Wochenende). Zu viele Patienten, die gar keine Notfälle sind und nur wegen eines Schnupfens oder einfacher Rückenschmerzen in die Notaufnahmen kommen, machen eine Neuregelung erforderlich.

Die Arbeitsgemeinschaft Zentraler Notaufnahmen Hessen hatte jüngst allerdings Alarm geschlagen: Diese Vergütung entspreche etwa zwei Minuten Behandlungszeit. Bislang seien es durchschnittlich etwa 30 Euro pro Patient. Der Chefarzt der Zentralen Notaufnahme am Klinikum Frankfurt-Höchst, Peter-Friedrich Petersen, sagte damals, er könne nicht „innerhalb von zwei Minuten entscheiden, ob ein Patient in eine Praxis oder ein Krankenhaus gehört. Damit gefährde ich Leben.“

Die KVH wies die Vorwürfe gestern scharf zurück. „Das, was für qualifizierte Haus- und Fachärzte Alltagsgeschäft ist, nämlich innerhalb von Minuten zu entscheiden, ob Leib und Leben in Gefahr sind, sollte den Krankenhäusern doch eigentlich auch möglich sein“, sagte deren Vorstandsvorsitzender Frank Dastych.

Auch bei der Vergütung machte Dastych eine andere Rechnung auf. An der eigentlichen Notfallabrechnung habe sich ja nichts geändert, die Kliniken erhielten erhebliche Zuschläge für echte Notfälle und schwer kranke Patienten. Die sogenannte Abklärungspauschale von 4,74 Euro sei neu und zusätzlich im Gebührenkatalog – der Notfallmediziner im Krankenhaus bekäme sie dafür, „nichts zu machen“. Die Kassenärztliche Vereinigung – eigentlich das Organ der niedergelassenen Ärzte – ist für die Sicherstellung der ambulanten Versorgung in Hessen zuständig und vergütet daher auch Maßnahmen in der Notaufnahme im Krankenhaus, sofern der Patient dort nicht stationär aufgenommen wird.

Dastych sprach gestern von „einer Angstkampagne“ der Krankenhäuser, die ihrerseits wegen der Kurz-Checks vor „Gefahren für Gesundheit und Leben der Patienten“ gewarnt hatten. „Panikmache und Verängstigung der Menschen lassen wir uns nicht bieten“, sagte der KVH-Vorsitzende.

Auch den Hinweis, der Besuch in der Notfallaufnahme im Krankenhaus sei notwendig, weil die Arztpraxen oft nicht erreichbar seien, ließ er nicht gelten: „Viele unserer Kollegen arbeiten Tag für Tag an der Belastungsgrenze und darüber hinaus.“ Gleichzeitig kündigte er an, die Rufnummer 116 117 für den Ärztlichen Bereitschaftsdienst (Anlaufstelle außerhalb der Praxisöffnungszeiten) noch intensiver bewerben zu wollen.

Vize-Vorstandschef Starke sieht noch ein weiteres Motiv für den Protest der Kliniken gegen das neue Verfahren: „Vielleicht spielen hier doch wirtschaftliche Interessen und die Notfallambulanz als ,Staubsauger‘ für leere Klinikbetten eine viel größere Rolle, als immer behauptet wird“, argwöhnte er.

Gleichwohl betonten gestern beide die Bereitschaft der KVH „für eine Lösung im Dialog“. Vorausgesetzt, die „Falschmeldungen aus dem Klinikumfeld“ würden durch eine echte Dialogbereitschaft ersetzt. Die Chance dafür bietet ein für Anfang April geplantes Gespräch zwischen KVH, Hessischer Krankenhausgesellschaft und Sozialministerium.

Zur Startseite Mehr aus Rhein-Main & Hessen

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse