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Früher Römerkastell, heute Wohngebiet: Einst groß wie die Saalburg

Tiefe Gräben um ein Militärlager sollten Feinde fernhalten. Als die Römer in Südhessen ein Kastell aufgaben, machten die Soldaten die Gräben zur Abfallgrube. Archäologen hatten Finderglück - mitten in einem Wohngebiet.
Die Anlage in Gernsheim ist groß. Foto: Thomas Maurer/Goethe-Universität/Archiv Die Anlage in Gernsheim ist groß. Foto: Thomas Maurer/Goethe-Universität/Archiv
Gernsheim. 

Die Geschichte der Römer in Hessen ist um ein Detail reicher. Archäologen der Frankfurter Goethe-Universität entdeckten in Gernsheim (Kreis Groß-Gerau) im Süden des Landes Reste eines römischen Militärlagers. Es dürfte in etwa die Größe des wieder errichteten und bekannten Römerkastells Saalburg bei Bad Homburg nördlich von Frankfurt gehabt haben, war aber vermutlich nicht so massiv gebaut gewesen.

«In Gernsheim war zwischen 70 und 110 nach Christus eine Truppeneinheit mit etwa 500 Mann stationiert», sagte Grabungsleiter Thomas Maurer am Donnerstag bei der Vorstellung der Funde - Scherben, Münzen, Reste von Amphoren. Sie wurden in einem noch freien Doppel-Bauplatz entdeckt, der mitten in einem Wohngebiet liegt. Zu den Soldaten könnten noch rund 1000 Zivilpersonen dazugerechnet werden, die aber außerhalb des Militärlagers gelebt haben dürften.

Das Kastell in Gernsheim war eine militärische Vorhut, wurde dann aber mit der Entstehung des Grenzwalls Limes überflüssig. Ganz in der Nähe bei Groß-Gerau entdeckten die Archäologen bereits 2011 Reste eines anderen römisches Militärlagers, das nur etwas eher existiert haben dürfte als das Kastell in Gernsheim.

Dass es in Gernsheim Spuren der Römer gibt, war bekannt. Aber so viele Tausende Funde an einer Stelle und das Entdecken des schon lange vermuteten Kastells sei schon großes Glück gewesen, meinte Maurer. Die gesamte Größe des Kastells lasse sich aber nicht mehr freilegen, «denn da müssten wir in den Gärten der Nachbarn graben». Gernsheim habe sich nach dem Zweiten Weltkrieg ausgedehnt und dabei viele römische Spuren vernichtet.

Das Kastell befand sich an einer militärisch günstigen Stelle. Unterstellt war es Mainz, «der Garnisonsstadt weit und breit», wie Professor Hans-Markus von Kaenel erläuterte. Die Römer errichteten das Kastell, um in den 70er Jahren des ersten Jahrhunderts n. Chr. den rechtsrheinischen Raum großflächig in Besitz zu nehmen. «Hier in der Gegend muss es auch einen Hafen gegeben haben», vermutete von Kaenel. «Der Transport auf dem Wasser war wichtig.»

Die Funde der Grabungen werden nun dokumentiert. Die Suche kann fortgesetzt werden. Das Doppel-Grundstück soll laut Maurer in den nächsten Jahren nicht bebaut werden.

(dpa)
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