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Alternative Parteien: Fünf obskure Parteien, die Hessen verändern wollten

Ob durch Meditation, den Ausbau des Straßennetzes oder völlige Anarchie: Alternative Lösungsansätze für Probleme in Hessen gab es schon einige. Wir nennen Ihnen die fünf absurdesten Parteien und ihre Ziele.
Foto: dpa Foto: Arne Dedert (dpa) Foto: dpa

Union nicht genug überdachten Lächelns trotz innerer Genialität (UngüLtiG)

Bild-Zoom Foto: Felix Kästle (dpa)

1987 tritt die „Union nicht genug überdachten Lächelns trotz innerer Genialität“, kurz UngüLtiG, bei der hessischen Landtagswahl an. Bei der vorangegangenen Bundestagswahl waren sie knapp an einer Zulassung gescheitert, weil der Bundeswahlausschuss damals keine ernst gemeinten politischen Ziele der Partei erkennen konnte. Nach ihrer ursprünglichen Satzung waren sie in „Banden“, „Gangs“ und „Sauhaufen“ organisiert, was sie allerdings in Bezeichnungen wie „Chef“ für ihren Vorsitzenden und „Großer Bruder“ für ihren Pressesprecher änderten. So schaffen sie dann auch eine Zulassung zur nächsten Landtagswahl. Politisch wollen sie „eine Partei für alle Nichtwähler, die sich ärgern“ sein – 244 Personen fühlen sich davon angesprochen und geben der Partei bei der Landtagswahl ihre Stimme. 

UngüLtiG war die erste Spaß- oder Satirepartei, die bei einer Landtagswahl in Hessen antreten durfte.

 

Autofahrer- und Bürgerinteressenpartei Deutschlands (APD)

Bild-Zoom Foto: Axel Heimken (dpa)

Vom Erfolg einer Schweizer Auto-Partei inspiriert, gründet sich im Oktober 1988 die Autofahrer- und Bürgerinteressenpartei Deutschlands (APD). Die Partei vertritt – wie ihr Name schon verrät – die Interessen der deutschen Autofahrer. Sie wollen „Mobilität für alle“ bezahlbar machen. Dabei setzen sie sich für den Ausbau des Straßennetzes, für die Schaffung von zusätzlichen Parkplätzen und einen uneingeschränkten Verkehrsfluss ein. Ihren Namen ändern sie 1992 in AFP, „Autofahrer- und Bürgerinteressenpartei Deutschlands“, unter dem sie bei der Landtagswahl 1995 antreten. „Auto“ steht dabei für die „wirtschaftlichen Grundlagen unseres Wohlstandes“, „Bürger“ für die „Lebensbedürfnisse in unserem demokratischen Staatswesen“. Sie erreichen 6.666 Stimmen.

Um die Interessen von Autofahrern weiter zu vertreten, bildet sich nach der Auflösung der APD 2011 die Autofahrer- und Volksinteressenpartei (AViP). Auch sie sehen sich als Vertreter der Autofahrer, Ihr Slogan „Das Volk und die Autofahrer dürfen nicht länger die Melkkühe der Nation sein“ führt aber auch nicht zu größerer Aufmerksamkeit.

 

Die Naturgesetz Partei, Aufbruch zu einem neuen Bewusstsein

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Die Naturgesetz Partei, Aufbruch zu einem neuen Bewusstsein (kurz: Naturgesetz oder Bewusstsein) ist eine 1992 gegründete Partei, die die „Intelligenz der Natur in die Politik“ bringen will. Sie sind Vertreter der Transzendentalen Meditation, einer Lehre, die ihrer Meinung nach die Politik in vielen Bereichen revolutionieren soll. Durch gemeinsames Meditieren von genügend Menschen soll eine „positive Bewusstseinswelle“ erzeugt werden, die über das Land schwappt. Beispielsweise Gesundheitskosten sollen dadurch um 50 Prozent reduziert, Kriminalitätsraten gesenkt werden. Während der Meditation soll man den Status der Levitation erreichen können, also vom Boden abheben und in eine Art Schwebezustand kommen. Sie nennen sich dann „Yogische Flieger“, nach dem Begründer und Erfinder der Transzendentalen Meditation: Guru Maharischi Mahesh Yogi. Dieser sieht die Meditation als „weltweite Waschmaschine, die das Weltbewusstsein von Stress reinigt“ und „geordnete, evolutionäre Lebenstrends fördert“.

Etablierten Politikern machen sie Vorwürfe, weil sie die Kraft der Meditation nicht ernst nehmen. Sie machen sich dadurch mitschuldig an „Verbrechen“ und „Gesundheitsschäden“ unter der Bevölkerung, was man ja aus ihrer Sicht sehr leicht verhindern kann. Die Naturgesetz Partei stellte sogar gegen damalige Politiker Strafanzeigen – und zwar tausende. Letztlich wurden von zehntausend geplanten Anzeigen 1500 verwirklicht, die Staatsanwaltschaft wies diese aber zurück.

Zweimal, 1995 und 1999, tritt die Naturgesetzpartei bei hessischen Landtagswahlen an. Die Ergebnisse waren aber enttäuschend. Nur etwa 4500 beziehungsweise 2500 Wähler machten ihr Kreuz.

 

Flughafenausbaugegner (FAG)

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Aus Frust über den geplanten Ausbau des Frankfurter Flughafens bildet sich 2001 die Wählergemeinschaft Flughafenausbaugegner Frankfurt (FAG). Nach ihrer Ansicht beeinträchtigt der Flughafenausbau nicht nur die Lebensqualität der Menschen, sondern gefährdet auch ihre Gesundheit. Ihr Hauptargument gegen den Ausbau ist der steigende Fluglärm, auch die Belastung der Umwelt wird von ihnen kritisiert. Darüber hinaus setzt sich die Wählergemeinschaft für eine Förderung des Nahverkehrs und einen verbesserten Wohnungsbau ein.

Bei der Landtagswahl 2003 kommen sie nur auf 0,6 Prozent der Stimmen, können aber bei Kommunalwahlen größere Erfolge erzielen. Von 2001 bis 2012 sind sie im Stadtparlament Frankfurts vertreten und bilden zeitweise die größte Oppositionsgruppe.

Nachdem die FAG-Partei den Flughafenausbau nicht verhindern konnte, bildet sich zur Landtagswahl 2013 die Partei „Lärmfolter-Umwelt-Politik-ehrlich“ (LUPe). Sie fordern nun den Rückbau der 2011 eröffneten Nordwestlandebahn. Erfolgreicher als die FAG sind sie aber nicht, nur knapp zweitausend Bürger machen ihr Kreuz bei LUPe.

 

Anarchistische Pogo-Partei Deutschlands (APPD)

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Foto: APPD

Frieden Freiheit Abenteuer: Mit diesem Motto geht die Anarchistische Pogo-Partei Deutschlands (APPD) 2013 in die Landtagswahl. Sie stehen oft in der Kritik, kein Wunder, wenn man sich ihre Wahlparolen anschaut. Bei Wahlen werben sie mit Slogans wie „Politik ist Scheiße“ oder „Saufen, Saufen, Jeden Tag nur Saufen!“ um Stimmen.

Die APPD wird von vielen Wahlbeobachtern als Spaßpartei eingestuft, sie selbst sind anderer Meinung. Trotzdem werden sie zu vielen Wahlen nicht zugelassen. Das erklärt sich schnell, wenn man einen Blick in ihr Wahlprogramm wirft: Das Recht auf Arbeitslosigkeit bei vollem Lohnausgleich, das Abschaffen der Schulpflicht und die Legalisierung aller Drogen sind nur einige ihrer Forderungen. Bundesweit setzen sie sich für die Einrichtung von „Pogo-Zonen“ ein. Leistungswilligen, Leistungsverweigerern und „Gewaltorientierten“ soll demnach ein „artgerechter Lebensraum“ zugeteilt werden, in dem sie sich frei entfalten können.

Die hessischen Wähler sind davon nicht überzeugt, nur 216 gaben der APPD bei der Landtagswahl 2013 ihre Stimme.

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