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G 9-Wahlrecht für alle?

Ein Gießener Vater kämpft um das Recht seiner Tochter, zum neunjährigen Abitur zurückkehren zu dürfen.
Wiesbaden. 

Nein, einer Partei will sich Andreas Bartels nicht zuordnen lassen. "Ich bin einfach nur Vater", sagt der 49 Jahre alte Doktor der medizinischen Physik aus dem mittelhessischen Gießen. Seine Tochter geht in die 6. Klasse eines Gymnasiums, und als Bartels hörte, dass die Landesregierung den Schulen die Wahl lassen wolle, ob sie zum Abitur mit neun Jahren zurückkehren, da freute er sich. Von der Leistung her, da schaffe seine Tochter das verkürzte Abitur nach acht Jahren durchaus, betont er. "Wir wünschen uns aber als Eltern, dass die Kinder mehr Zeit haben", erklärt der Vater: "Wir nehmen den Kindern Kindheit weg."

Dann aber erfuhr Bartels, dass seine Tochter gar nicht zu G 9 zurückkehren kann, sondern dass ihre gesamte Klasse bis zum Abitur bei G 8 bleiben muss. So will es das neue Schulgesetz, das der Landtag Ende 2012 mit den Stimmen der schwarz-gelben Regierungsmehrheit beschloss. "Wir haben das erst nicht glauben wollen, wir haben gedacht, das muss ein Irrtum sein", sagt er. Als aber die Bestätigung von Schulleiter und Schulamt kam, wurde der Vater wütend: Es gebe doch keinen vernünftigen Grund, die 5. und 6. Klassen pauschal von der neuen Wahlmöglichkeit auszuschließen, sagt Bartels, der kurzentschlossen eine Elterninitiative "G 9-Wahl" mitgründete.

Bestandsschutz für G 8

Im Kultusministerium widerspricht man: Als die Wahlmöglichkeit bei den Integrierten Gesamtschulen gewährt worden sei, seien die G 8-Befürworter, "massiv unter Druck gesetzt worden, da gab es unschöne Mobbingszenen", sagte Ministeriumssprecher Christian Henkes. Deshalb habe man nun davon Abstand genommen. "Es muss auch einen Bestandsschutz geben für die, die sich zu den damaligen Regeln für G 8 entschieden haben ", betonte Henkes. Auch sei der Unterricht bei G 8 und bei G 9 "völlig anders strukturiert", bei einer Rückkehr könne es Schwierigkeiten mit den Fremdsprachen geben. Kultusstaatssekretär Alexander Lorz habe das auch Herrn Bartels erläutert. Und überhaupt bleibe "der große Run" der Gymnasien auf eine Rückkehr zu G 9 bisher aus, betonte Henkes: Von 107 Gymnasien im Land hätten bislang nur gut ein Drittel ein Interesse zur Rückkehr bekundet. In Frankfurt seien es bisher ganze vier Gymnasien, in Kassel, Darmstadt und Wiesbaden gar keines.

Unterstützer willkommen

Bei der Elterninitiative verweist man dagegen auf 22 396 Unterschriften, die im Internet für eine Wahlfreiheit der 5. und 6. Klassen zusammenkamen. 21 000 davon seien allein aus Hessen, und das innerhalb von nur sechs Wochen, sagt Bartels. An der Schule seiner Tochter seien "mindestens zwei Drittel der Eltern" für eine Rückkehr zu G 9 gewesen.

G 8, so seine Erfahrung, lasse den Kindern einfach zu wenig Zeit für Vereine oder Freunde. "Wir haben kein Interesse, das in den Wahlkampf zu ziehen, wir wollen eine Änderung jetzt", betont er zudem: "Wir sind auf der Seite der Kinder, und jeder, der sich mit auf diese Seite stellt, ist willkommen."

Und überhaupt, Druck auf G 8-Befürworter wolle man auf keinen Fall aufbauen: "Wir wollen den Bestandsschutz ernst nehmen", betont Bartels. Wer G 8 wolle, solle es auch bekommen können. "Wir wollen nur auch, dass die Mehrheit gehört wird", sagt er. Schließlich könne es doch nicht sein, dass "die Kinder in G 8 gezwungen" würden. Die Unterschriften will Bartels heute im Landtag als Petition übergeben. In den Landtag darf er dabei nicht – Landtagspräsident Norbert Kartmann will die Petition nur vor der Tür in Empfang nehmen. Das sei schade, findet Bartels: "Man fühlt sich da als Bürger nicht so richtig ernst genommen."

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