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Besuch in Offenbach: Gauck spricht mit Schülern über Integration: «Ich bin stolz auf euch»

Der Bundespräsident besucht Offenbach und spricht dort mit Schülern. Thema sind Zuwanderung und Integration. Das kommt an in der Stadt mit dem höchsten Ausländeranteil in Deutschland.
Bundespräsident Joachim Gauck (M) im Berufsschulzentrum in Offenbach. Foto: Frank Rumpenhorst Bundespräsident Joachim Gauck (M) im Berufsschulzentrum in Offenbach. Foto: Frank Rumpenhorst
Offenbach/M.. 

Als Bundespräsident Joachim Gauck das dicke Lob ausspricht, strahlen die Schüler. «Ich bin stolz auf euch», sagt das Staatsoberhaupt. Rund eine Stunde hatten er und seine aus dem nahen Hanau stammende Lebensgefährtin Daniela Schadt am Dienstag im Offenbacher Berufsschulzentrum Buchhügel mit Jugendlichen verschiedener Schulen über Integration und Zuwanderung gesprochen.

Darin sind die 14- bis 22-Jährigen Experten. Fast alle haben ausländische Wurzeln. Damit stehen sie für rund 60 Prozent der Offenbacher Bevölkerung. An den Schulen liegt der Anteil teilweise noch höher. Dem Bundespräsidenten berichten die Jugendlichen, was sie für das Zusammenleben tun. In Schulbands, Antirassimus-Projekten und Patenschaften für frisch zugewanderte Mitschüler.

Alles bestens? Der Bundespräsident und Schadt trauen dem nicht so ganz. Gauck bohrt nach. «Soll ich das so verstehen, dass es für in Deutschland Geborene einfacher ist, aufs Gymnasium zu kommen?», will er wissen, als es um Schulwechsel geht. Die Antwort der Runde ist kollektives Kopfnicken.

Ob es denn unter den zahlreichen Nationen keine Diskussionen auf dem Schulhof gebe? Na ja, räumt Kevin Ngo ein, vielleicht unter einzelnen Personen, aber Druck von Cliquen gebe es nicht. «Die kommen nicht zustande», sagt der Absolvent der Theodor-Heuss-Schule. In der Bibliothek des Berufsschulzentrums sitzen die Gäste aus Berlin mit den Abgesandten der drei Schulen zusammen.

Schadt erkundigt sich, ob die Jugendlichen sich außerhalb der Schule mit Menschen anderer Kulturkreise austauschen. «Ich treffe Leute, die die gleiche Sprache sprechen und die gleiche Kultur haben. Ich weiß nicht, ob das ein Fehler ist», räumt eine Schülerin ein. Begegnung ist ein Thema, das die Schüler auf ihre Wunschliste gesetzt haben.

Princess Akoto, Sprecherin der Bachschule, hätte gerne einen Aufenthaltsraum für die Haupt- und Realschule. Der alte Treffpunkt wurde geschlossen. «Vielleicht wurde da geraucht?», fragt das Staatsoberhaupt und gibt der Schülerin den Hinweis, die Schülervertretung solle Möglichkeiten eines neuen Raums ausloten. «Nicht, dass ihr denkt, jetzt kommt der Bundespräsident, und wir sagen dem das mal.» Das Albert-Schweitzer-Gymnasium kritisierte, Schüler der Deutsch lernenden Intensivklassen könnten kaum am alltäglichen Schulleben teilnehmen. Ein Begegnungsraum könne die Integration fördern.

Die Jugendlichen fanden die Diskussion «cool». Der Mensch Gauck kam an bei ihnen. «Er hat geredet, wie jeder reden und verstehen würde», sagt Ohmed Ahmadi. Nadine Mielke stimmt zu: «Er war locker. Er war interessiert und hat Fragen gestellt. Das hat mir die Aufregung genommen.» Der Präsident sei ein ganz normaler Mensch – der sich in der jungen Runde offenbar wohlfühlte. «Es war total schön für Daniela und mich, zwischen euch zu sein», verabschiedet er sich.

Auch Offenbachs Oberbürgermeister Horst Schneider (SPD) war zufrieden. Trotzdem sprach er an, was Gauck in dem Gespräch mit den Schülern etwas vermisst hatte: die Alltagsprobleme in der Stadt. Diese «dunkle Seite» geht teilweise auf hohe Zuwanderung und teilweise auf finanzielle Not zurück. Es gebe noch «viel zu viele Menschen, die nicht den sprachlichen und kulturellen Einstieg schaffen», sagte Schneider. Er würdigte den Besuch des Bundespräsidenten als «lange vermisste Anerkennung für die Integrationsarbeit der Stadt». Gut ein halbes Jahrhundert bemühe sich Offenbach um die Eingliederung zugewanderter Menschen.

An die Vielfalt erinnert auch das Gastgeschenk für den Bundespräsidenten. Neben einem Nachdruck von Georg Büchners «Der hessische Landbote» erhielt Gauck das Buch «Länderboten» mit Porträts von 111 Zugewanderten.

(dpa)
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