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Studie warnt vor Partikeln: Gefährliches Plastik im Trinkwasser – erste Hinweise auch in Hessen

Von Eine Studie warnt vor gefährlichen Mikroplastikteilchen im Trinkwasser. Doch wie sieht es in der Region aus? Eine Bestandsaufnahme.
Es gibt noch keine gesicherten Erkenntnisse über das Vorkommen von Mikroplastik im hessischen Trinkwasser. Foto: Stefan Sauer (dpa-Zentralbild) Es gibt noch keine gesicherten Erkenntnisse über das Vorkommen von Mikroplastik im hessischen Trinkwasser.
Frankfurt. 

Die Zahlen sind beunruhigend: Genau 83 Prozent der Leitungswasserproben aus unterschiedlichen Ländern seien von Mikroplastikpartikeln verseucht. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der amerikanischen Rechercheplattform Orbmedia. Sie hatte das Leitungswasser in sieben unterschiedlichen Regionen der Welt untersucht. Dazu gehörten neben den USA auch Ecuador, Libanon, Uganda, Indien und Indonesien.

Info: Die unsichtbare Gefahr

Wie genau das mikroskopisch kleine Plastik ins Leitungswasser gelangt, ist laut der britischen Zeitung „Guardian“ noch nicht abschließend geklärt.

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Laut Studie waren die Proben der USA mit 94 Prozent am meisten mit Mikroplastik verunreinigt. Die Proben aus Europa dagegen am wenigsten verseucht. Beruhigend ist das trotzdem nicht. Denn noch auch hier seien 74 Prozent aller Proben mit Plastikpartikeln verunreinigt gewesen. Speziell für Deutschland hatte die „Bild“-Zeitung Trinkwasser auf Plastikpartikel untersuchen lassen. Das Ergebnis: In Hamburg und Dortmund hätten die Forscher in rund einem halben Liter Leitungswasser durchschnittlich 2,5 Teilchen gefunden. In Berlin sei nur eine einzige Probe – die aus dem Deutschen Bundestag – unbelastet gewesen.

„Zum Vorkommen von Mikroplastikpartikeln im Trinkwasser gibt es erste Hinweise, aber keine ausreichend gesicherten Erkenntnisse. Das Umweltbundesamt sieht zurzeit keine Beeinträchtigung der Trinkwasserqualität“, sagt Hubert Schreiber, Sprecher von Hessenwasser, die Wasserbeschaffungsgesellschaft der Rhein-Main-Region. Dabei beruft sich Schreiber auch auf die Trinkwasserexpertin des Umweltbundesamtes, Ingrid Chorus, die zum Thema Mikroplastik feststellte, dass bei dessen Aufnahme das Trinkwasser „der am wenigsten relevante Pfad sei“.

Der Grund: Das Grundwasser, aus dem in Deutschland rund 80 Prozent des Trinkwassers gewonnen werden, sei durch gut filternde Bodenschichten gesickert und enthalte darum auch keine Partikel in der Größe von Mikroplastik.

Hohe Aufmerksamkeit

„Mikroplastik ist kein Bestandteil der Trinkwasserverordnung. Aus diesem Grund liegen uns derzeit keine Untersuchungsergebnisse zum Vorkommen von Mikroplastik im Trinkwasser in Hessen vor“, sagt Markus Büttner, Sprecher des hessischen Gesundheitsministeriums. Grundsätzlich lasse sich aber festhalten, dass das Thema Mikroplastikrückstände bei den Behörden eine hohe Aufmerksamkeit genieße. „Dementsprechend laufen aktuell Forschungsvorhaben des Bundesinstituts für Risikobewertung in Zusammenarbeit mit der Bundesanstalt für Gewässerkunde und dem Umweltbundesamt sowie des Technologiezentrums Wasser (TZW) in Karlsruhe“, so Büttner weiter.

Auch international seien derzeit Forschungsvorhaben im Gange. Thematisch gehe es insbesondere darum, den Wissenstand zum Vorkommen von Mikroplastikrückständen in den Oberflächengewässern darzustellen, eine standardisierte Probenahme und Analytik zu entwickeln, um eine Vergleichbarkeit der Untersuchungsergebnisse zu schaffen. Diese Forschungen sollen die Relevanz von Mikroplastikrückständen für die Wasserversorgung aufzeigen.

In der kreisfreien Stadt Bad Homburg sind die kommunalen Stadtwerke für die Bereitstellung des Trinkwassers verantwortlich. Auf Mikroplastikteilchen werde das Trinkwasser allerdings nicht untersucht, so die Stadtwerke auf Nachfrage dieser Zeitung.

Guter Mineraliengehalt

Damit steht Bad Homburg im Hochtaunuskreis nicht alleine da. „Es gibt für das dem Trinkwasser als Grundlage dienende Grundwasser keine regelmäßigen, gesetzlich vorgeschriebenen Untersuchungen auf Mikropartikel beziehungsweise Plastikteilchen“, sagt Kreissprecherin Andrea Herzig.

Woher das Frankfurter Wasser kommt, lesen Sie hier.

Dass Trinkwasser seinen Namen verdient, davon sind Experten überzeugt. So weise es zum Beispiel auch einen ähnlichen Mineraliengehalt auf, wie das Mineralwasser aus dem Supermarkt. Das macht ein Vergleich des Bad Homburger Trinkwasser mit denen von herkömmlichen Mineralwasseranbietern deutlich. Bei einem Vergleichstest, der dieser Zeitung von den Stadtwerken zur Verfügung gestellt wurde, erzielt das Bad Homburger Trinkwasser im Härtebereich „Hart“ einen Mineraliengehalt von rund 470 Milligramm pro Liter. Dieser Wert sei vergleichbar mit zwei Mineralwasseranbietern des Einzelhandels, deren Produkte einen Mineraliengehalt von 490 beziehungsweise 580 Milligramm pro Liter aufwiesen.

Auch Schreiber verweist darauf, dass „der Mineraliengehalt unserer Trinkwässer den Vergleich mit kommerziellen Mineralwässern nicht scheuen muss“. Das Trinkwasser sei genauso mineralstoffhaltig. Und es enthalte ebenso wie Mineralwasser auch Mineralien wie Kalzium, Magnesium und Natrium. Dies hätten Untersuchungen der Stiftung Warentest gezeigt. „Das Gros der Mineralstoffe des Trinkwassers genügt einer ausgewogenen Ernährung“, sagt Schreiber.

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