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K+S hofft auf weitere Erlaubnis zur Abwasserentsorgung: Gefahr für das Trinkwasser?

Millionen Kubikmeter Abwasser presst der Kali-Konzern K+S in den Untergrund. Die Kritik daran wird lauter. Nun hofft der Konzern auf eine letzte Verlängerung der Erlaubnis.
K+S - Abwasserentsorgung Foto: Uwe Zucchi (dpa) Weißer Rauch steigt aus Schornsteinen im K+S-Verbundwerk Werra in Philippsthal auf. Im Hintergrund die Abraumhalde.
Kassel. 

Noch bis Ende November darf der Kasseler Kali-Hersteller K+S Salz-Abwasser aus dem Werk Werra in der Erde versenken, dann ist Schluss – zumindest nach heutigem Stand. Derzeit ist noch unklar, ob das Regierungspräsidium Kassel die Erlaubnis wie von K+S beantragt verlängert.

Worum geht es genau?

Beim Abbau von Kali in Osthessen entstehen große Mengen an salzhaltigem Abwasser. Diese werden zum einen in die Werra geleitet, zum anderen werden Millionen Kubikmeter in tiefe Gesteinsschichten in die Erde gepresst. Für letzteres Verfahren läuft die Genehmigung von K+S am 30. November 2015 aus.

Wie ist das Prozedere?

Den Antrag auf eine Verlängerung hat K+S vor rund sechs Monaten beim Regierungspräsidium Kassel gestellt. Danach sollen von Dezember 2015 bis Ende 2021 durchschnittlich bis zu zwei Millionen Kubikmeter Lauge pro Jahr am Standort Hattorf (Philippsthal) in Osthessen versenkt werden. Die Menge war im mit dem Land Hessen vereinbarten Vier-Phasen-Plan so vorgesehen. Über den Antrag werde „rechtzeitig“ entschieden, sagte ein Sprecher des Regierungspräsidiums Kassel. Für eine Verlängerung der Versenkerlaubnis bis 2021 muss K+S nachweisen, dass Trink- und Grundwasser nicht gefährdet werden. „Ende 2021 kann die Versenkung eingestellt werden, wenn die im Vier-Phasen-Plan vorgesehene Oberweserfernleitung in Betrieb ist“, sagt ein K+S-Sprecher.

Was spricht gegen die Erlaubnis?

Die Versenkerlaubnis war von Kritikern und Umweltverbänden infrage gestellt worden, nachdem ein Gutachten des Hessischen Landesamtes für Umwelt und Geologie (HLUG) vom Juli 2014 eine Gefahr für Trink- und Heilwasserbrunnen durch die Lauge nicht ausgeschlossen hatte. Eine akute Gefährdung des Trinkwassers gibt es demnach aber nicht. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) fordern dennoch ein Ende der Abwasserversenkung. Die thüringische Gemeinde Gerstungen an der Grenze zu Hessen sieht ihr Trinkwasser durch aufsteigende Lauge gefährdet. Die Bürgerinitiativen des „Kantigen Tisches“ argumentieren, K+S hatte genug Zeit, in umweltverträgliche Verfahren der Abwasserentsorgung zu investieren.

Was passiert, wenn K+S die Erlaubnis versagt wird?

„Wir gehen davon aus, dass bis zum 30. November 2015 eine Entscheidung der Behörde ergeht, die die kontinuierliche Produktion im Werk Werra gewährleistet“, sagt K+S. Wenn nicht, stehen rund 4400 Arbeitsplätze auf der Kippe. Laut K+S-Werksleiter Rainer Gerling kann der Abbau von Kali ohne die Erlaubnis nur noch wenige Wochen aufrechterhalten werden. Die Laugenversenkung sei notwendig, bis das Abwasser über eine Pipeline zur Oberweser fließt.

„Trotz aller Anstrengungen des Unternehmens für noch mehr Umweltschutz machen wir uns Sorgen um unsere Arbeitsplätze in der Kali-Industrie an der Werra“, sagte K+S-Betriebsratsmitglied Stefan Böck kürzlich. Ein plötzliches Aus der Produktion würde die gesamte Region treffen.

„Wir sitzen in einem Boot. Am Bestehen der Kali-Industrie hängt auch das Wohl unserer Landkreise“, sagten die Landräte Reinhard Krebs, (Wartburgkreis/Thüringen) und Michael Koch (Kreis Hersfeld-Rotenburg). „Ohne K+S würde die Wertschöpfung in der Region wegbrechen. Die Konsequenzen wären desaströs und könnten nicht anderweitig kompensiert werden“, betonten die beiden CDU-Landräte unlängst.

Wie soll in Zukunft mit Salzabwasser umgegangen werden?

Die Verlängerung der Erlaubnis ist zentraler Teil des Vier-Phasen-Plans zwischen K+S und dem Land Hessen zur dauerhaften Salzabwasserentsorgung. Dieser sieht unter anderem ein Ende der Verpressung des Abwassers in den Boden im Jahr 2021 vor. Ab dann soll das Abwasser über eine Pipeline in die Weser fließen. Bis 2075 soll die Einleitung von derzeit jährlich rund 7 Millionen auf 1,5 Millionen Kubikmeter in Flüsse reduziert werden. Langfristig sollen Werra und Oberweser Süßwasserqualität erreichen. Der Plan ist in den anderen Bundesländern umstritten.

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