Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
5 Kommentare

Fahrradsport in Hessen: Gegen illegale Mountainbike-Strecken können Waldbesitzer wenig ausrichten

Von Radler, die den Kick suchen, fahren immer noch gerne abseits der offiziellen Wege. Waldbesitzer und Naturschützer fürchten schon lange die Folgen des schnellen Sports. Selbst eine große Initiative hat aber nicht viel verändert. Jetzt soll ein neuer Anlauf unternommen werden.
Mountainbike-Projekt im Erzgebirge bekommt Tourismuspreis Foto: Jan Woitas (dpa-Zentralbild) Abseits der offiziellen Wege ist es Fahrradfahrern nicht erlaubt, durch den Wald zu gondeln. Viele halten sich nicht daran.
Friedrichsdorf. 

Christian Raupach steht im Wald und versteht die Welt nicht mehr. E-Bikes, Fat-Bikes, Action-Cams, Helmlampen, die so viel Lux haben, „dass man denkt, ein A 380 setzt über einem zur Landung an“. Mittlerweile gibt es nichts mehr, was es nicht gibt. Die Fahrradindustrie wird immer spezieller, immer ausgefeilter, um den maximalen Spaß auf dem Bike zu garantieren. Wochenendausflügler, Freizeitsportler, echte Bike-Profis tummeln sich Woche für Woche im Wald. Es wird geholzt im Gehölz. Wie kleine Bulldozerschaufeln graben sich dann die dicken Profile ihrer Räder in den Waldboden, abseits der erlaubten Wege, über Setzlinge und Kleintiere, durch Dickicht und über illegal angelegte Sprungschanzen. Der Wald kommt buchstäblich unter die Räder, und die Eigentümer des platt gefahrenen Grüns, wie Christian Raupach, zugleich Geschäftsführer im Hessischen Waldbesitzerverband, können beinahe nur hilflos zusehen.

Initiative verpuffte

Seit Jahren geht das schon so. Und es wird nach Beobachtungen der Forstbesitzer immer schlimmer. Raupach kann von illegalen Trails quer durch den Taunus erzählen, die mühsam beseitigt werden. Doch nur wenige Wochen später und einige hundert Meter weiter entstehen wieder neue. Zum Teil haben sich Mountainbiker sogar Schneisen durch dichten jungen Fichtenwald mit der Rosenschere geschnitten, um dort durchfahren zu können. Seltener, aber noch zerstörerischer für die Natur seien Motocross- und Quad-Fahrer.

Bild-Zoom
Christian Raupach zeigt auf eine illegale Sprungschanze im Taunus.

Dass sie alle mit ihren Geräten fremdes Eigentum befahren, dabei Pflanzen, Tiere und ihre Lebensräume empfindlich beschädigen, merken diese Leute offenbar überhaupt nicht. Bei manchen könnte man auch denken, es sei ihnen egal. „Der Wunsch, die Freiheit auf naturbelassenen Wegen ausleben zu wollen, ist einfach größer.“ Was die Wildfahrer ebenso nicht bedenken: Im Wald gibt es Forstarbeiter, die Bäume fällen und im Herbst die Jäger.

1000 Gesichter

Nicht auszumalen, wenn es hier zu Zwischenfällen mit Bikern kommen könnte. Mal ganz abgesehen von den Risiken, mit Karacho auf ganz normale Waldspaziergänger zu treffen. Dabei gab es schon einmal einen runden Tisch. 27 Organisationen, Verbände und Vertreter der Politik, darunter die damalige hessische Umweltministerin Lucia Puttrich (CDU), hatten 15 „Verhaltensregeln“ (siehe Kasten) für den Wald ausgearbeitet, nachdem vor vier Jahren das Thema in der politischen Debatte und zwischen Bikern und Waldbesitzern bis zum Siedepunkt hochgekocht war.

Olaf Kern
Kommentar: Wer so radelt gefährdet andere und sich selbst

Bei allem Verständnis für das Verlangen nach Freiheit und Abenteuer: Abseits der erlaubten Wege durch den Wald zu rasen ist so uncool wie enge Radlerhosen kurz unter dem Bierbauchansatz.

clearing

Drei Regeln lauten seitdem: „Fahre und reite nur auf Wegen. Passe deine Geschwindigkeit an, und schone die Waldwege.“ Oder: „Beachte Hinweisschilder und Absperrungen.“ Nur halten wollen sich offenbar nur wenige daran. Die feierlich vereinbarte Initiative von damals verpuffte wie die Luft in einem porösen Schlauch. Auf Nachfragen in den Taunus-Kommunen hatte der Hessische Waldbesitzerverband zwar jüngst immer wieder zu hören bekommen, dass jene Verhaltensregeln damals fleißig verbreitet wurden, allerdings die Öffentlichkeit davon nicht allzu viel Kenntnis nahm.

Der Hessische Waldbesitzverband will jetzt noch einmal die Werbetrommel rühren. Verteilt Flyer auf Radmarathons, wie zuletzt in Kronberg, und startete eine neue Kampagne. Titel: „Der Wald hat 1000 Gesichter.“

Zur Startseite Mehr aus Rhein-Main & Hessen

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse