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Kindesmissbrauch-Plattform "Elysium": Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt und BKA: Jagd auf Kinderschänder

Von Mehrere Männer verabreden sich im verborgenen Teil des Internets zum Missbrauch von Mädchen und Jungen. Mindestens einer bietet sogar seine eigenen Kinder dafür an. Die Polizei hat jetzt 14 Verdächtige festgenommen. Um allen 87 000 Plattform-Nutzern auf die Spur zu kommen, wird weltweit ermittelt.
Login-Seite der Kinderpornografie-Plattform „Elysium”. Foto: Arne Dedert Login-Seite der Kinderpornografie-Plattform „Elysium”. Foto: Arne Dedert
Wiesbaden. 

Die Kinderporno-Plattform „Elysium“ wurde erst Ende vergangenen Jahres gegründet. Obwohl sie in einem für Außenstehende nicht zugänglichen Netzbereich, dem sogenannten Darknet, angesiedelt war, wuchs sie binnen weniger Monate auf weltweit rund 87 000 Nutzer, die sich den Zugang zu dem kriminellen Forum nicht etwa mit Geld erkauften, sondern quasi als Eintrittspreis selbst entsprechende Dateien mit sexuellen Handlungen und oft auch Gewalt an Kindern darin einstellen mussten.

Info: Der Untergrund des Internets

Im sogenannten Darknet (englisch für „Dunkles Netz“) können sich Internetnutzer anonym bewegen. Der nur über Anonymisierungsdienste erreichbare Bereich des Internets wird etwa von Kriminellen genutzt,

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Bislang sind 14 Beschuldigte in verschiedenen Ländern festgenommen worden, davon allein fünf in Deutschland, von wo aus die mehrsprachige Plattform betrieben wurde. Zwölf der 14 Inhaftierten werden nicht nur der Verbreitung von Kinderpornografie beschuldigt, sondern auch des – oft schweren – sexuellen Missbrauchs der zwei bis acht Jahre alten Kinder.

Bis nach Neuseeland

Wie die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt und das Bundeskriminalamt (BKA) gestern auf einer gemeinsamen Pressekonferenz erläuterten, stehen Polizei und Justiz vor langwierigen und weltweiten Ermittlungen. Aus wie vielen Staaten die fast 90 000 Teilnehmer des illegalen Tauschforums kommen, kann Georg Ungefuk von der federführenden Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft nicht sagen. Beispielhaft nennt er neben Deutschland aber noch Österreich, Italien, Australien und Neuseeland. Die Krux ist, dass der Zugang zum Darknet nach Angaben der Ermittler mit der entsprechenden Software gar nicht schwer ist.

„Da kommt man dann in fünf Minuten herein“, berichtet der Frankfurter Oberstaatsanwalt Andreas May. Um so schwieriger gestalten sich aber in solchen Fällen die Ermittlungen. Denn die Nutzer agieren anonym und verschlüsselt. Ermittlungen gestalten sich daher recht kompliziert und gleichen vielfach einer „Puzzlearbeit“, wie es Ungefuk ausdrückt. Dass der Kinderpornoring so schnell nach seinem Aufbau zerschlagen werden konnte, betrachten die Fahnder daher schon als deutlichen Erfolg. Wie genau sie den Beteiligten auf die Spur kamen, wollen sie aus ermittlungstaktischen Gründen nicht verraten. Nur, dass die Experten unablässig versuchen, die Szene zu kontrollieren, lassen Ungefuk und der Cybercrime-Abteilungsleiter beim BKA, Markus Koths, wissen.

Als Hauptverdächtiger in dem Fall sitzt ein 39-jähriger Familienvater aus dem Kreis Limburg-Weilburg in Untersuchungshaft, der das Forum aufgebaut und betrieben haben soll.

Bislang 29 Opfer

Doch dazu bedurfte es jeder Menge technischen Know-Hows, das einer alleine gar nicht hätte bewältigen können, wie die Ermittler erläutern. Ebenfalls inhaftiert ist ein 61 Jahre alter Mann aus dem bayerischen Landkreis Landsberg am Lech.

Er soll nicht nur für das grafische Erscheinungsbild der Plattform gesorgt haben, auch der sexuelle Missbrauch zweier Kinder im Alter von fünf und sieben Jahren wird dem Verdächtigen zur Last gelegt. Die grenzüberschreitenden kriminellen Verflechtungen beleuchten, dass es sich dabei um die Kinder eines 28-jährigen Beschuldigten aus Österreich handeln, der neben einem weiteren 40 Jahre alten Mann in dem Nachbarland ebenfalls wegen Beteiligung an dem Tauschforum festgenommen wurde.

Weiter sind aus Deutschland in dem Fall noch in Untersuchungshaft: Ein 56-jähriger Mann aus dem Main-Tauber-Kreis in Baden-Württemberg als Moderator der Plattform, der auch dessen mehrsprachige Chatforen betreut habe, ein 41-Jähriger aus Berlin und ein 40-Jähriger aus Dresden.

Gar nicht so einfach ist es in solchen Fällen auch, die missbrauchten Kinder ausfindig zu machen, die zum Teil aus Fernost kommen. Bislang konnten weltweit 29 Opfer identifiziert werden, davon 13 in Österreich.

Im Einzelfall sind dazu auch sogenannte Schulfahndungen notwendig, bei denen Lehrkräften Bilder der missbrauchten Kinder vorgelegt werden.,wie Ermittler Koths berichtet. Natürlich müssen die 29 identifizierten Kinder nach den Missbrauchsfällen jetzt psychologisch betreut werden.

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