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Genosse Flughafen

Von Als „flughafenpolitischer Sprecher“ der SPD-Landtagsfraktion hat Marius Weiß eine schwierige Rolle: Er muss Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir und dessen Grünen-Fraktion dafür kritisieren, dass sie keine Nachtruhe zwischen 22 und 6 Uhr eingeführt und den Bau des Terminals 3 nicht verhindert haben – obwohl er selbst und seine SPD dies gar nicht wollen.
Hessischer Landtag Foto: Frank Rumpenhorst (dpa)
Wiesbaden. 

Die lauteste Stimme der Opposition im hessischen Landtag in Sachen Flughafen war jahrelang Frank Kaufmann. Das Urgestein der Grünen war stimmgewaltig, forsch und für seine Sachkunde in allen Airport-Belangen berüchtigt und respektiert – auch beim politischen Gegner und bei der Betreibergesellschaft Fraport. Doch diese Stimme ist verstummt seit die Grünen mit der CDU auf der Regierungsbank sitzen und Kaufmann selbst in den Fraport-Aufsichtsrat eingezogen ist.

Damit fällt der Blick zwangsläufig auf Marius Weiß, den Landtagsabgeordneten der SPD aus Idstein, der für die größte Oppositionspartei mittlerweile das Thema Flughafen Frankfurt beackert. „Das macht die Lage nicht einfach“, sagt der 40-Jährige selbst. Die Linke mache es sich einfach, die übernähme einfach die Maximalforderungen der Bürgerinitiativen gegen den Flughafen und ziele mit ihren Attacken politisch vor allem gegen die Grünen.

 

Angriff von

 

zwei Seiten

 

Die FDP, strikt pro Ausbau, wollte hauptsächlich die CDU angreifen und dem früheren Koalitionspartner aufzeigen, wie er nun ohne die Liberalen die Zukunft des Flughafen gefährde. Monothematisch seien Linke und FDP, „ich dagegen muss immer von zwei Seiten angreifen“, sagt Marius Weiß – „breiter schießen“. Zum einen gegen den Grünen-Minister Al-Wazir und ihn an seine Wahlversprechen erinnern, die da waren Nachtflugverbot von 22 bis 6 Uhr und den Bau des Terminal 3 verhindern.

Zum anderen müsse er den Blick darauf haben, was die CDU mit dem Flughafen und dem Wirtschaftsstandort generell anstelle – Attacken also gegen die Union als den politischen Hauptgegner der SPD.

Dabei stellt Weiß ausdrücklich klar, dass die Hessen-SPD zur Flughafenerweiterung im Sinne der Mediation steht: „Wenn man die SPD als ,Ausbaupartei‘ bezeichnet, stimmt das, ich nehme das als Kompliment.“ Die entscheidenden Weichenstellungen auch für den Bau der Nordwest-Landebahn seien von den sozialdemokratischen Ministerpräsidenten Holger Börner und Hans Eichel gestellt worden.

Er selbst sei „komplett neu“ zum Thema Flughafen gekommen, sagt Weiß. Bis zur Legislaturperiode Anfang 2014 war der Frankfurter Genosse Gernot Grumbach für den Flughafen in der Fraktion zuständig. Eine Rolle, in der man ihn so gut wie gar nicht wahrgenommen hat. Möglicherweise wegen der schwierigen Position der Frankfurter SPD bei dem Thema. Die offizielle Parteilinie der Genossen trägt den Ausbau mit. Doch seit der Inbetriebnahme der neuen Landebahn sind Ortsverbände wie Sachsenhausen und Niederrad ausgeschert, Oberbürgermeister Peter Feldmann punktet inzwischen mit der Forderung nach einem Nachtflugverbot von 22 bis 6 Uhr.

 

Mit Ypsilanti

 

im Landtag

 

Fraktionschef Thorsten Schäfer-Gümbel wollte wohl mit einem neuen Mann für den Flughafen dieses Wahrnehmungsdefizit bereinigen und schlug Weiß vor. Der freute sich: „Ich wollte das Thema unbedingt haben“, sagt Weiß. Es sei „hochspannend“ und „ein Schwachpunkt von Schwarz-Grün“. Er habe zwar keine Flughafen-Expertise mitgebracht, aber er könne sich schnell in neue Themen einarbeiten, sei „angriffslustig und ein Freund der deutlichen und zugespitzten Sprache“.

Das ist sein Kontrahent Al-Wazir auch, was zu hitzigen Wortwechseln im Plenum führt. So merkte Weiß mit Blick auf einen PR-Film aus Al-Wazirs Ministerium zu den Lärmpausen einst an, „den Menschen wird Angelina Jolie versprochen, und sie bekommen Frank Kaufmann“. Al-Wazir konterte: „Mancher träumt offenbar davon, Brad Pitt zu sein. Aber schauen Sie mal in den Spiegel, Sie bleiben Marius Weiß.“

„Remmidemmi“ im Landtag veranstalten, könne Weiß durchaus, bescheinigen ihm Politiker aus dem Regierungslager, bei der Sachkenntnis in den Flughafenthemen attestieren sie ihm allerdings noch Mängel. Bis zu einem Frank-Kaufmann-Status ist es noch ein Stück Arbeit.

Aber der ist Weiß bislang im Landtag nicht aus dem Weg gegangen. 2008 zog er mit dem hervorragenden Wahlergebnis von Andrea Ypsilanti in den Landtag ein, nachdem er vorher schon einige Jahre für die SPD in der Stadtverordnetenversammlung Idstein und im Kreistag des Rheingau-Taunus-Kreises gesessen hatte. Im Zuge der Neuwahl nach Ypsilantis gescheiterter Regierungsbildung zog er erneut in den Landtag ein. Er wurde Mitglied des Haushaltsausschusses und kümmerte sich da um die Einführung der Schuldenbremse. Der Jurist wurde Mitglied des Untersuchungsausschusses zu den vier geschassten Steuerfahndern. Im U-Ausschuss zu den Millionenzuschüssen für die European Business School war er dann Obmann für die SPD.

 

Stürmer der

 

Politik-Elf

 

In die SPD – und in die Politik überhaupt – gelangte Weiß durch Helmut Kohl. Er habe zu der Generation gehört, die befürchtet habe, nie einen anderen Kanzler zu erleben, sagt Weiß. „Viele sind wegen Helmut Kohl in die CDU eingetreten, ich bin wegen Helmut Kohl 1997 in die SPD eingetreten.“

Der Mann, der nach eigener Aussage so angriffslustig ist, spielt im Landtag auch noch eine andere Rolle, bei der dieser Wesenszug von Vorteil ist: Er kickt als Stürmer in der Landtagself. Früher im Sturm-Duo zusammen mit Peter Beuth, dem jetzigen CDU-Innenminister, dem er als Direktkandidat im gemeinsamen Rheingauer Wahlkreis stets unterliegt.

Das sei ein schöner Ausgleich, wenn man sich mit den Kollegen aus allen Fraktionen, mit denen man sich vorher im Plenum gerauft habe, nach dem Spiel abklatschen könne. In einer Saison sei er auch mal Torschützenkönig gewesen, in weniger treffsicheren Zeiten hätten ihm die Sportkameraden aber auch einst ein Trikot mit der Aufschrift „Chancentod“ überreicht, erzählt er grinsend.

Als gebürtiger Bielefelder habe er zwar „die Arminia im Herzen“, sei inzwischen aber auch großer Eintracht-Fan: „Ich habe eine Dauerkarte und versuche bei jedem Heimspiel dabei zu sein. Anfang Oktober wird Weiß erstmals Vater, „mal sehen, wie das dann noch so geht“.

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