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Verhärtete Fronten in Pfungstadt im Streit um Hai-Aquarium: Geplantes "Shark City": Großer Streit um große Fische

Haie in großen Schaubecken halten? Für Tierschützer ein Unding. Die Haie können wegen ihres Bewegungsdrangs nur in Freiheit leben, finden sie. Die Stadt Pfungstadt hat aber einem Riesen-Aquarium zugestimmt und hofft auf Einnahmen.
Sandtigerhai Foto: Stefan Sauer (dpa-Zentralbild) Ein Sandtigerhai dreht seine Runden im Ozeaneum von Stralsund. In Pfungstadt könnte jetzt Europas größtes Haifischbecken entstehen.
Pfungstadt. 

Die Fronten sind verhärtet. Wenn das in Pfungstadt bei Darmstadt geplante große Hai-Aquarium scheitert, könnten der Stadt Einnahmen von rund 3,2 Millionen Euro durch die Lappen gehen – und obendrein noch Gewerbesteuer von jährlich zwischen 550 000 und 700 000 Euro. Aber wenn das für 2019 angepeilte Projekt „Shark City“ in die Tat umgesetzt wird, leben Haie nach Ansicht von Tierschützern dort in qualvoller Enge. Sie wollen an ihrem Protest festhalten – und den Streit unter Umständen vor Gericht bringen.

Errichten möchte das Aquarium die The Seven Seas Aquarium Betriebs GmbH aus dem rheinland-pfälzischen Grünstadt. Fast 60 Arbeitsplätze könnten entstehen. Etwa 36 Haiarten sollen gezeigt werden, bis zu 150 Haie insgesamt. Aber nicht die großen Tiere, die nur schlecht in Gefangenschaft zu halten seien, wie das Unternehmen betont. Ein Becken soll laut Stadt wegen seiner Größe eine besondere Attraktion in Europa sein.

Finanzielle Folgen

Die Kritiker fühlen sich nicht ernstgenommen, über den Tisch gezogen und erst einmal matt gesetzt. Der Grund: Ihr Bürgerbegehren gegen das Projekt „Shark City“ hat zwar mit jetzt 2801 gültigen Unterschriften genügend Zuspruch bekommen – läuft aber aufgrund juristischer Gutachten allem Anschein nach ins Leere. Es seien Fehler gemacht worden, vor allem würden Angaben über mögliche finanzielle Folgen für die Stadt fehlen, sollte „Shark City“ beerdigt werden müssen, heißt es.

Die Gutachten kommen vom hessischen Städtetag sowie vom hessischen Städte- und Gemeindebund. In beiden kommunalen Spitzenverbänden sei Pfungstadt Mitglied, sagt Bürgermeister Patrick Koch (SPD) und nennt die Stellungnahmen „objektiv“. Man müsse sich dran halten. „Wir reden über Gesetze, nicht über unverbindliche Empfehlungen.“ Alles andere würde auch den Investor verärgern. „Der macht sich dann vom Acker.“

Initiatoren des Bürgerbegehrens bewerten die Gutachten anders. „So etwas kann gar nicht objektiv sein“, sagt Jochen Bier. Eben weil Pfungstadt in beiden Verbänden Mitglied sei. „Die Juristerei ist nicht so eine genaue Sache wie die Mathematik“, sagt Bier. „Das müsste man mit anderen Juristen noch einmal ausdiskutieren.“

Bis dahin dürfte es noch ein bisschen dauern. Als nächstes befasst sich erst einmal der Haupt-, Finanz- und Wirtschaftsausschuss an diesem Donnerstag (14.) mit dem Bürgerbegehren. Dann am 25. September die Stadtverordnetenversammlung mit der fürs erste richtungsweisenden Entscheidung.

Was dabei herauskommen soll, scheint unverrückbar klar. Der Magistrat hat schon vor wenigen Tagen empfohlen, dass das Bürgerbegehren aufgrund der juristischen Einschätzung nicht genehmigt werden könne, also nichts anderes übrig bleibe als eine Ablehnung. „Die Stadtverordnetenversammlung hat keinen Spielraum“, sagt der Leiter des Ordnungsamtes, Reiner Maurer.

Die Stellungnahmen der Dachverbände zum Bürgerbegehren waren vergangene Woche schon bekannt geworden, Koch stellte sie am Dienstag offiziell vor. „Wir begrüßen die Aktion des Bürgermeisters, die bereits veröffentlichten Prüfungsergebnisse zum Bürgerbegehren noch einmal zu erläutern“, teilte Seven-Seas-Geschäftsführer Thomas Walter dazu mit.

In Sinsheim gescheitert

„Shark City“-Gegner Bier beschreibt Seven Seas als ein Unternehmen, das durch Deutschland tingele, um ein Aquarium bauen zu können. Schon im baden-württembergischen Sinsheim sei das Projekt gescheitert. „Bei uns waren baurechtliche Gründe nicht in Einklang zu bringen mit dem, was geplant war“, sagt Oberbürgermeister Jörg Albrecht (parteilos). Dass das nicht geklappt hat, schmerzt ihn offenbar nicht. „Wir haben so viele Leuchttürme in Sinsheim“, sagt er. „Wir waren da relativ emotionslos unterwegs.“ Die Proteste gegen das Aquarium seien „die üblichen“ gewesen.

In Pfungstadt gibt es geteilte Meinungen. „Wenn „Shark City“ nicht hier gebaut wird, wird es woanders gebaut“, sagt Jasmin Zörb (38). „Das Projekt bringt auch mehr Leute in die Stadt.“ Nachdenklich ist Björn Diehl. „Nach zwei Jahren haben wir eine Bauruine“, prognostiziert der 40-Jährige. „Ein Jahr funktioniert das Hai-Aquarium. Dann nimmt die Zahl der Besucher ab.“

Was ist, wenn der Fall vor Gericht kommt? „Natürlich kann ein Richter das alles anders bewerten“, sagt Rathauschef Koch. „Aber das glaube ich nicht.“ Wenn der Richter aber doch anders entscheidet? „Dann würden wir uns das Urteil erst mal angucken.“

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