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Kurioser Fall: Gericht: Esel-Halter muss Autoreparatur zahlen

In einem ungewöhnlichen Rechtsstreit heißt es: Auto gegen Esel. Das Tier soll zugebissen und einen Lackschaden verursacht haben. Kann das wirklich sein? Für das Landgericht Gießen ist die Sache klar.
Vom Esel gebisssener Sportwagen Foto: Carolin Eckenfels (dpa) Hat der Esel den Sportwagen von Markus Zahn wegen der Lackierung womöglich für eine überdimensionale Möhre gehalten?
Gießen. 

Was Esel „Vitus“ geritten hat, in einen orangen Sportwagen zu beißen, ist unklar. Hatte er vielleicht eine riesige Möhre im Sinn? Sicher ist nur, dass der Vierbeiner vor einem Jahr in Schlitz (Vogelsbergkreis) zulangte und an dem teuren Flitzer einen Lackschaden von 5800 Euro anrichtete – davon ist das Landgericht Gießen überzeugt. Es entschied am Donnerstag, dass die Halter des Esels die Reparaturkosten zahlen müssen. Damit hatte die Klage des Autobesitzers Erfolg. Das Urteil ist aber noch nicht rechtskräftig.

„Vitus“ kommt nicht

Der 50-Jährige ist mit seinem schicken Sportwagen zum Gericht gefahren, er parkt in einer Seitenstraße. „Vitus“ dagegen kommt nicht zum Prozess, auch seine früheren Halter sind nicht da. Der Vierbeiner lebt Medienberichten zufolge mittlerweile bei einem neuen Besitzer. „Wussten Sie, dass ein gefährlicher Esel in der Gegend sein Unwesen trieb?“, fragt der Vorsitzende Richter den Kläger in der Verhandlung. Nicht ohne Augenzwinkern natürlich. Mit seiner Frage bezieht sich der Richter darauf, dass der Esel schon einmal in ein Auto gebissen haben soll. Die wichtigere Frage für das Gericht ist aber: Hat wirklich „Vitus“ in den Sportwagen gebissen, oder waren schon vorher Kratzer dran? Der Eigentümer des Wagens beteuert, dass dieser keinen Lackschaden gehabt habe. Der Unternehmer legte sich nach eigenen Angaben seinen knallorangen Schlitten vor drei Jahren zu.

Im September 2016 wollte der 50-Jährige kurz etwas beim Arzt abgeben, wie er dem Gericht erzählt. In der Nähe einer Weide habe er wenden wollen und seinen Wagen rückwärtsgefahren. Den Esel habe er erst bemerkt, als dieser plötzlich aufgetaucht sei und zweimal ins Heck gebissen habe. Das Tier habe dafür den Zaun weit nach vorne gedrückt. Ein Zeuge, ein Mitarbeiter des Klägers, bestätigt die Angaben.

Der Vorfall hatte bereits kurz nach der Beißattacke für Aufsehen gesorgt. Wohl auch, weil die Polizei in einer Mitteilung schmunzelnd mutmaßte, der Esel könnte den Sportwagen wegen der orangen Lackierung für eine überdimensionale Möhre gehalten haben. In einem Fernsehbericht zeigte der Kläger damals Verständnis für „Vitus“.

Hintergründe „unklar“

Der sei schließlich ein Tier und könne nichts dafür. Er war auch zuversichtlich, dass die Versicherung des Halters den Schaden begleichen werde. Doch die zweifelte laut Gericht den Unfallhergang an und wollte nur die Hälfte des Schadens zahlen. Also kam der Fall zur Verhandlung. Auch heute noch nehme er die Beißattacke schmunzelnd hin, sagt der Kläger nach der Verhandlung.

Was den Vierbeiner trieb, das konnten schon die humorvollen Polizeibeamten nicht sagen. In ihrer Pressemitteilung schrieben sie: „Die Hintergründe der Tat sind noch völlig unklar, mehr als ein ,Iah‘ war aus ihm nicht herauszubekommen.“

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