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Gutes Jahr für Wildschweine: Wie bleiben sie fern?

Wildschweine wagen sich zunehmend aus den Wäldern in die Vorgärten der Städte. Auf der Suche nach Futter durchwühlen sie Beete, Wiesen und Mülltonnen. Können Zäune die Wildtiere abhalten?
Ein Wildschwein. Foto: Lino Mirgeler/Archiv Ein Wildschwein. Foto: Lino Mirgeler/Archiv
Frankfurt/Main. 

Das Jahr 2017 wird nach Einschätzung von Fachleuten ein gutes Jahr für Wildschweine in Hessen. Das könnte allerdings so mancher Stadt und Gemeinde Probleme machen: Die Wildtiere zieht es auf der Suche nach Nahrung auch in waldnahe Wohngebiete, und sie gewöhnen sich zunehmend an den Menschen.

Die wirksamste Möglichkeit, die Population einzudämmen, ist nach Ansicht von Fachleuten die Jagd. Aber auch Zäune könnten vor Verwüstungen schützen, zumindest wenn sie Gärten, Mülltonnen und Komposthaufen vor den gefräßigen Tieren schützen. Eine empfängnisverhütende Pille für Wildtiere sei keine Lösung, sagt Tina Baumann vom Grünflächenamt Frankfurt. Die Tiere nähmen sie nicht an und zeigten erhebliche Nebenwirkungen.

Der milde Winter und das gute Nahrungsangebot etwa an Eicheln und Bucheckern lassen nach Einschätzung des Landesbetriebs Hessenforst eine sehr hohen Population an Schwarzkitteln erwarten. „Wir hatten schon im vergangenen Herbst eine unglaublich starke Mast, so dass die Tiere schon vor dem Winter extrem gut energieversorgt waren”, sagte Hessenforst-Sprecherin Petra Westphal.

Darmstadt gehört zu den Großstädten, in denen das Schwarzwild Spuren hinterlassen: „Die Tiere wagen sich immer weiter in die Stadt hinein”, berichtet ein Sprecher der Stadt. So seien nicht mehr nur Waldwiesen und außerhalb gelegene Freizeitanlagen von der Wühlerei der Wildtiere betroffen, „sondern mittlerweile auch die Gärten der Vororte”. Städte und Gemeinden aus dem Taunus, dem Odenwald und den Kreisen Fulda und Gießen berichten ebenfalls von ungebetenen Besuchern aus dem Wald in ihren Wohnsiedlungen.

In Kassel dagegen gab es zumindest in den letzten beiden Jahren keine Probleme mit Wildschweinen. Zumindest seien beim Ordnungsamt keine Beschwerden eingegangen, sagt Michael Schwab von der Stadt. Die letzte Meldung aus dem Kasseler Stadtgebiet stammt aus dem Jahr 2014, da gab es ein paar Wildschweine in der Dönche.

Frankfurt erwartet für das laufende Jahr keine übermäßig hohe Population. „Wir haben gut gejagt”, sagt Baumann vom Grünflächenamt zur Begründung. Allerdings wolle sie sich angesichts des sehr milden Winters noch nicht festlegen. Die Stadt sieht sich mit ihrer „Jagd auf hohem Niveau” dennoch gut gerüstet. „Anders als in Berlin sind die Wildschweine nur nachts in der Stadt unterwegs.” Und dann auch nur in den Stadtteilen Goldstein und Schwanheim.

Neben den Jägern im Wald seien inzwischen auch vier Stadtjäger im Einsatz. Sie lauern den Tieren in der Dämmerung, bei hellem Mond und in guter städtischer Beleuchtung auf. Dies sei allerdings heikel, wegen der Sichtverhältnisse bei Dunkelheit und der Gefahr, dass plötzlich ein Mensch oder Hund auftauche. „Von zehn Beobachtungen kann man maximal einmal schießen”, sagt Baumann. „Die intelligenten Wildschweine haben schon gelernt, Laternen zu umlaufen.”

Helfen könnten den Stadtjägern sogenannte Nachtaufheller, sind Stadt und Ortsbeirat überzeugt. Um diese als erste in Hessen nutzen zu dürfen, brauche es aber eine Genehmigung des Umweltministeriums. Bessere Sichtverhältnisse könnten die Abschussquote von derzeit 10 bis 20 Tieren pro Jahr in der Stadt erhöhen und dienten überdies dem Tierschutz. „Die Wildschweine müssen sofort tot umfallen”, betont Baumann.

Feste Zäune um Gärten, Mülltonnen und Komposthaufen hielten die Wildschweine aus den Siedlungen fern, sagt Baumann. Ein starker Rückschnitt von Hecken und Sträuchern zeige ebenfalls Wirkung, weil er den Tieren Deckungsmöglichkeiten genommen habe. Einige Anwohner fürchteten sich vor den „friedlebenden Tieren”, andere lockten sie mit Futter an. Baumann forderte die Frankfurter auf, dies zu unterlassen. Wildschweine hätten ein extrem gutes Gedächtnis, merkten sich Futterstellen und gäben dieses Wissen weiter.

Ein Zaun zwischen dem Stadtwald und den zwei betroffenen Stadtteilen sei einem Gutachten zufolge dagegen nicht sinnvoll. Dieser müsse rund drei Kilometer lang sein und mindestens 20 Tore haben, erläutert Baumann. Wenn es einem Wildschwein gelinge, durch eines der Tore in ein Wohngebiet zu schlüpfen, könne es dort in Panik geraten, weil sein Rückzugsweg in den Wald versperrt sei. Dies könne dann gefährlich werden. Zudem sei der Zaun mit etwa 450 000 Euro recht teuer.

Hessenforst und die Jäger halten auch nicht viel von solchen Zäunen. „Wenn Wildschweine entschlossen sind, auf ein umzäuntes Gelände zu kommen, dann schaffen sie das”, sagt Westphal von Hessenforst. Einzige Ausnahme sei ein teurer Elektrozaun. Dagegen sprächen aber die Kosten. Rolf W. Becker vom Jagdverband ergänzt: „Mir ist kein Fall bekannt, bei dem eine Umzäunung dauerhaft diese intelligenten Tiere von ihrem Ziel abgehalten hätte.”

(dpa)
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