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Urteil in Darmstadt: Haft für Menschenhändler

Von Aus Bukarest nach Hessen: Für eine 17-Jährige endete die Reise unfreiwillig als Prostituierte. Ihre Peiniger wurden gestern in Darmstadt verurteilt.
Darmstadt. 

Zwei 21- und 28-jährige Rumänen sind vor dem Darmstädter Jugendschöffengericht wegen schweren Menschenhandels verurteilt worden. Vorgeworfen wurde ihnen sexuelle Ausbeutung, Körperverletzung und Zwangsprostitution einer zum Tatzeitpunkt 17-jährigen und damit minderjährigen Landsfrau. Das Gericht verurteilte den von Anfang an geständigen jüngeren der beiden Angeklagten zu zwei Jahren und sechs Monaten Gefängnis. Dem 28-Jährigen war nach dem Plädoyer der Staatsanwaltschaft keine Mittäterschaft nachzuweisen, sondern lediglich Beihilfe. Er wurde zu zwei Jahren Haft verurteilt, die das Gericht auf drei Jahre zur Bewährung aussetzte.

Das Gericht war in seiner Urteilsbegründung von einer besonders schwerwiegenden Tat ausgegangen. Die Beziehung, die der 21-Jährige zur Geschädigten noch in Rumänien aufgebaut hatte, habe von Anfang an dem Zweck gedient, sie zur Prostitution zu zwingen. Wie viel der zweite Angeklagte davon wusste, insbesondere bezüglich des Alters der jungen Frau, sei nicht klar geworden, wohl aber, dass er dem 21-Jährigen Beihilfe geleistet habe.

Der Staatsanwalt hatte für den 21-Jährigen, der nach Jugendstrafrecht zu beurteilen war, eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und drei Monaten gefordert, für den Älteren zwei Jahre und sechs Monate. Die Vertreterin der Geschädigten hatte sich im Wesentlichen dem Antrag der Staatsanwaltschaft angeschlossen, während die beiden Verteidiger des älteren Angeklagten Freispruch für ihren Mandaten forderten. Ihm sei in der monatelangen Hauptverhandlung nicht einmal Beihilfe nachzuweisen gewesen.

Geständnis

Für den Staatsanwalt hatte es an der Schuld des 21-Jährigen wegen seines Geständnisses, aber auch wegen einer Fülle von Indizien und Zeugenaussagen keinerlei Zweifel gegeben. Wenn dem 28-Jährigen auch keine Mittäterschaft nachzuweisen sei, so habe er durch die Bereitstellung seiner „Logistik“ die Tat überhaupt erst ermöglicht. Der Anklagevertreter zählte dazu die Wohnung in Neu-Isenburg, das Organisieren der Fahrten zu dem Bordell in Friedrichsdorf sowie den Umstand, dass seine Freundin im Club als Aufseherin der Geschädigten eingesetzt war.

Der Verteidiger des 21-Jährigen forderte eine Jugendstrafe für seinen Mandanten, die zur Bewährung ausgesetzt werden kann, da er bereits knapp ein Jahr in Untersuchungshaft sitze. Für die Vertreterin der gestern nicht anwesenden Nebenklägerin hatte sich diese in den 21-Jährigen verliebt und sei psychisch in ein tiefes Loch gefallen, nachdem sich ihr die wahren Hintergründe der Beziehung offenbart hätten. Nachhaltige Traumatisierungen seien die Folgen, an denen sie heute noch zu leiden habe. Die Anwältin sprach von einem „Klima der Einschüchterung, Angst und Gewalt“.

Die Verteidiger des älteren Angeklagten erklärten, ein Großteil der Anklage habe sich entweder als zu vage, teils auch als falsch erwiesen. Manches, was die Frau bei der Polizei noch zu Protokoll gegeben habe, sei im Prozess gar nicht thematisiert oder aber ganz anders dargestellt worden. So habe die junge Frau bei ihrer Aussage den Angeklagten sogar entlastet, er habe sie nie bedroht und auch nicht zum Anschaffen gezwungen. Auch die Mutter, die allen Grund gehabt hätte, auf den Angeklagten als Haupttäter sauer zu sein, habe ihn nicht belastet.

Gefälschte Dokumente

Die damals 17-jährige soll laut Anklage von den beiden Angeklagten mit gefälschten Reisedokumenten von Bukarest nach Neu-Isenburg gebracht worden sein. Dort sei sie gefangen gehalten und mehr als einen Monat lang täglich nach Friedrichsdorf gefahren worden, wo sie in einem Bordell „anschaffen“, ihren Verdienst aber komplett abliefern musste. Es soll sich insgesamt um einen Betrag von 6000 Euro gehandelt haben.

Dem Mädchen war es gelungen, mit dem Handy einer „Kollegin“ ihre Mutter in Rumänien anzurufen und um Hilfe zu bitten. Daraufhin hat die Polizei dann im Mai 2014 die Frau bei einer Razzia angetroffen und befreit.

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