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Einbrüche In Hessen: Hauptsaison für Einbrecher beginnt

In den Herbst- und Wintermonaten gehen Einbrecher wieder verstärkt auf Tour. Fast 11 000 Mal haben sie im vergangenen Jahr Wohnungen und Häuser in Hessen heimgesucht.
Bei Einbrüchen ist die Aufklärungsquote gering. Foto: Andreas Gebert/Archiv Bei Einbrüchen ist die Aufklärungsquote gering. Foto: Andreas Gebert/Archiv
Frankfurt. 

Neulich nachts im südhessischen Alsbach-Hähnlein: Die Bewohner der Siedlung mit Einfamilienhäusern und Doppelhaushälften schlafen schon, als sich Kriminelle an mehreren Terrassentüren zu schaffen machen. Wenn sie ins Haus eindringen können, greifen sie sich alles, was sie auf die Schnelle finden: Schmuck, Geldbeutel, Handys. Dann sind sie auch schon wieder weg. Erst als ein Hausbewohner einen Einbrecher stört und dieser flüchtet, hat die Diebestour ein Ende. Die Polizei sucht sogar mit einem Hubschrauber nach den Tätern, allerdings ohne Erfolg.

Fälle wie dieser könnten sich in den nächsten Monaten häufen, denn im Herbst und Winter haben die Einbrecher Hauptsaison. «Der Kriminelle arbeitet lieber im Schutz der Dunkelheit oder der Dämmerung», sagt der Sprecher des Polizeipräsidiums Südhessen, Ferdinand Derigs. Wenn es früher dämmere und die Menschen noch auf der Arbeit seien, lägen die Häuser ganz im Dunkeln. «Da haben die Einbrecher oft leichtes Spiel.»

Die Täter gingen ganz unterschiedlich vor, sagt Prof. Rudolf Egg, Direktor der Kriminologischen Zentralstelle in Wiesbaden. Inhaftierte Einbrecher hätten ihm berichtet, dass sie meistens bei einer Masche geblieben sein, wenn diese zum Erfolg geführt habe - «weil sie sich da sicher fühlen», sagt Egg. «Die einen steigen immer durch Fenster ein, die anderen würden niemals in eine bestimmte Gegend gehen und so weiter.»

Dass Einbrecher in Häuser eindringen, wenn die Bewohner zu Hause sein könnten, sei eher die große Ausnahme. «Die meisten versuchen es zu vermeiden», sagt Egg, der aber auch einen anderen Fall kennt. «Ich habe sogar mal einen Einbrecher interviewt, dem es Spaß gemacht hat, dann in den Wohnräumen zu sein, wenn die Eigentümer da sind.» Werden die Kriminellen dann aber erwischt, drohen ihnen höhere Strafen - denn dann geht es nicht mehr nur um Diebstahl, sondern um Raub.

Alle vier Minuten werde in Deutschland in eine Wohnung eingebrochen, heißt es in einer Info-Broschüre der hessischen Polizei. Der Schaden belaufe sich auf mindestens 650 Millionen Euro pro Jahr. Nach den Erfahrungen der Ermittler sind viele der Kriminellen gut organisiert, sie schlagen vor allem entlang von Autobahnen zu - so können sie sich rasch wieder absetzen.

«Der Einbruch ist scheinbar leichter als ein Überfall bei einer Bank. Man ist da auch im Anonymen», sagt Egg über die Motive von Einbrechern. Bei einem Raub gebe es direkten Kontakt mit dem Opfer etwa durch Bedrohung oder körperliche Gewalt.

Geschnappt werden die Einbrecher meist nicht. «Leider ist der Einbruch ein Delikt mit einer sehr geringen Aufklärungsquote», sagt der Kriminologe. Die Statistik untermauert das: In Hessen konnten die Ermittler im vergangenen Jahr nur etwa jeden fünften Einbruch aufklären. Knapp 11 000 solcher Delikte haben sie 2013 registriert - gehäuft in den Monaten November, Dezember, Januar und Februar. Mitgezählt werden auch die Versuche (42 Prozent aller Fälle).

Einer der Hauptgründe für die schlechte Aufklärungsquote ist Egg zufolge, dass die Spuren am Tatort nicht immer eindeutig zuzuordnen sind. Die Dunkelziffer sei anders als etwa beim Ladendiebstahl sehr klein. Denn Einbrüche müssten angezeigt werden, da sonst die Versicherung nicht zahle.

Die hessische Polizei versucht daher, vorzubauen. Derzeit läuft die Kampagne «Sicheres Hessen - Einbrechern einen Riegel vorschieben». Auf Info-Veranstaltungen sensibilisieren die Beamten, Wohnungs- und Hausbesitzer für die Gefahren. Denn oft reichen schon einfache Sicherungen etwa an Türen und Fenstern, damit Einbrecher keine Chance haben - auch nicht im Herbst oder Winter.

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