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Anhörung zu medizinischen Versuchen: Heimskandal: Wer übernimmt Verantwortung?

Von Was wussten die Pharmafirmen über die Studien in den Kinderheimen? Welche Rolle spielten die Jugendämter? Sind rechtliche Konsequenzen heute noch denkbar? Die Parlamentarier sehen großen Klärungsbedarf.
Sitzung des Landtags Hessen - Gerhard Merz Foto: Christoph Schmidt (dpa) Der SPD-Landtagsabgeordnete Gerhard Merz.
Wiesbaden. 

Am Donnerstag hatten sich zum ersten Mal Vertreter von Trägern, Pharmaunternehmen, Ärzten und ehemaligen Heimkindern im hessischen Landtag zu den Menschenversuchen in den 50er und 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts geäußert. Dass es medizinische Tests an Kindern und Jugendlichen tatsächlich gegeben hat, sei für ihn mittlerweile völlig unstrittig, sagt der sozialpolitische Sprecher der SPD, Gerhard Merz. Er befürchtet, dass die Ausmaße noch viel größer sein könnten: „Es widerspricht jeder Plausibilität, anzunehmen, dass es nur die Fälle gab, die bisher bekannt sind.“ Die Anhörung habe gezeigt, wie mühsam die Aufarbeitung sein werde, da die Quellenlage problematisch ist.

Während insbesondere die Vertreter des hessischen Pharmaherstellers Merck KGaA bei der Anhörung den Standpunkt vertraten, dass die Unternehmen in der Nachkriegszeit nicht gegen geltende Gesetze verstoßen haben, will Merz es genauer wissen: „Wir müssen die Rechtslage klarer umreißen. Welche Verantwortung trifft die Pharmaunternehmen als mutmaßliche Auftraggeber der Studien?“

Medikamentenskandal in Kinderheimen Arzneimittelversuche an hessischen Heimkindern: ...

In den 50er und 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts sollen an Heimkindern in Hessen Arzneimittelversuche durchgeführt worden sein. Bei einer Anhörung im Landtag haben sich dazu am Donnerstag erstmals Vertreter von ehemaligen Heimkindern, Ärzten, Jugendämtern, Trägern und Unternehmen geäußert. Die Betroffenen fordern mehr Anstrengung bei der Aufklärung und Entschädigungen.

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Vor dem Sozialausschuss vertrat der Gießener Medizinhistoriker Volker Roelcke die Meinung, dass die Versuche ohne Einwilligung der Erziehungsberechtigten durchaus gegen damals geltenden Rechtsvorschriften verstoßen haben. Sebastian Harder von der Landesärztekammer Hessen argumentierte, dass die Unternehmen eher noch als die Ärzte von der Notwendigkeit einer Einwilligung hätten ausgehen müssen. Grundlage war in dieser Zeit eine preußische Rechtsvorschrift aus dem Jahr 1931.

Die Rolle der Konzerne ist auch für den Frankfurter Landtagsabgeordneten Markus Bocklet (Grüne) zu überprüfen. Er sehe zwar, dass die Unternehmen kooperativ seien, stellte im Rahmen der Anhörung aber konkret die Frage nach der moralischen Verantwortung.

In der Forschungsarbeit der Pharmakologin Sylvia Wagner, die den Skandal aufgedeckt hatte, werden auch Belege für die Duldung und sogar für die Beteiligung von Behörden an den Versuchen angeführt. Eine Arzneimittelstudie ist vom Bundesgesundheitsamt in Auftrag gegeben worden. An anderer Stelle lagen Einwilligungen durch Jugendämter oder Gesundheitsbehörden vor. Gerhard Merz: „Wir müssen wissen, in welchem Ausmaß institutionelles Fehlverhalten vorlag.“ Am Ende des Aufarbeitungsprozesses steht für Merz aber die Frage, wie den Betroffenen heute noch geholfen werden kann. „Wem Schaden zugefügt wurde, dem muss Hilfe angeboten werden. Das bedeutet auch, dass man sich über Entschädigungen Gedanken machen muss.“

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