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Hessen: Kampf gegen Rassismus im Alltag

Der hessische Landesausländerbeirat fordert Schwarz-Grün zum Kampf gegen Rassismus im Alltag auf - der Staat müsse als Vorbild dienen. Anonymisierte Bewerbungsverfahren und interkulturelle Schulungen für Lehrer, Polizisten und Fahrscheinkontrolleure könnten Abhilfe schaffen.
Verkleidet als Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer oder alltäglich gelebter Rassismus? Die Stadtwette sorgte im Dezember bei «Wetten, dass..?» für Diskussionen um alltäglichen Rassismus. Foto: dpa Foto: Sven Hoppe (dpa) Verkleidet als Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer oder alltäglich gelebter Rassismus? Die Stadtwette sorgte im Dezember bei «Wetten, dass..?» für Diskussionen um alltäglichen Rassismus. Foto: dpa
Frankfurt. 

Rassismus oder Tradition, Diskriminierung oder Missverständnis - im Alltag gibt es häufig Situationen, die Anlass zu Diskussionen um das korrekte Miteinander geben. Rassismus ist ein alltägliches Phänomen, dass sich in den verschiedensten Handlungen und Äusserungen verbergen kann. Er beruht auf Vorurteilen oder Pauschalisierung, die sich in zahlreichen Formulierungen und Traditionen niedergeschlagen haben - wie sich zuletzt an der öffentlichen Diskussion um den «Negerjungen» Jim Knopf aus Michael Endes Buch «Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer» auf der «Wetten dass..?»-Bühne gezeigt hat. Man muss kein Nazi sein, um im Alltag einem gesellschaftlich akzeptierten Rassismus das Wort zu reden - oder sind es künstlerische Freiheit und Traditionen, die man nicht mit Rassismus gleichsetzen darf?

Wenn Hautfarbe oder Nationalität die Jobsuche erschweren, oder die Wohnungssuche zu einer Odyssee werden lassen tritt jedoch offen zu Tage, was sich in Stereotypen und Pauschalisierungen an alltäglichem Rassismus verbirgt.

Der hessische Landesausländerbeirat hat nun die neue schwarz-grüne Regierung in Wiesbaden zu einem aktiven Kampf gegen Rassismus im Alltag aufgeordert. Dazu müsse die angekündigte Antidiskriminierungsstelle auch mit den nötigen Mitteln ausgestattet werden, verlangte der Beirat am Samstag bei einer Tagung in Frankfurt. Erstmals war der neue Staatssekretär für Integration, Jo Dreiseitel (Grüne), zu Gast bei einer Plenarsitzung der Arbeitsgemeinschaft der Ausländerbeiräte (AGAH) Hessen.

Anonyme Bewerbungsverfahren

Der Beirat mahnte, in den Kampf gegen Diskriminierung die Mehrheitsgesellschaft einzubeziehen. AGAH-Geschäftsführerin Ulrike Foraci sagte: «Wenn einer sagt, mir kommt kein Türke in den Betrieb, können Migranten noch so gut integriert und qualifiziert sein.» Der Beirat forderte das Land auf, als Vorbild anonyme Bewerbungsverfahren einzuführen, bei denen die Herkunft nicht erkennbar ist. Gülegen regte interkulturelle Fortbildungen für Lehrer, Polizisten und Fahrscheinkontrolleure an. Hier komme es immer wieder zu Problemen.

Kritik äußerte der Landesausländerbeirat am Umgang mit Flüchtlingen. Es sei klar, dass viele der Flüchtlinge auf absehbare Zeit in Deutschland blieben. Die Landesregierung müsse darum die strikte Trennung zwischen Flüchtlings- und Integrationspolitik aufheben, sagte AGAH-Geschäftsführerin Foraci. Es werde Zeit, dass die Regierung auch die Potenziale sehe, die diese Menschen mitbrächten.

Sensible Fragen

«Wir haben einen sehr offenen Staatssekretär, der in dieser Frage sensibilisiert ist», sagte der Vorsitzende des Landesausländerbeirats, Enis Gülegen. Allerdings werde Dreiseitel auch die notwendigen Strukturen für seine Politik brauchen. Im Landesausländerbeirat sind rund 90 kommunale Beiräte mit etwa 1000 gewählten Mitgliedern vertreten.

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