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Licht und Schatten in der Kriminalitätsstatistik: Hessen: Mehr Straftaten, aber auch mehr Aufklärung

Von Die jüngste Kriminalstatistik zeigt Licht und Schatten: Während die Summe aller Straftaten größer geworden ist, sank die Zahl der Wohnungseinbrüche. Der Innenminister freut sich über eine hohe Aufklärungsquote, beklagt aber die wachsende Gewalt gegen Polizisten.
Razzia in Frankfurter Bahnhofsviertel Bilder > Foto: Boris Roessler (dpa) Razzia im Frankfurter Bahnhofsviertel: Das Land Hessen legte die Kriminalitätszahlen für 2016 vor.
Wiesbaden. 

Zwei gute Nachrichten stellt der hessische Innenminister Peter Beuth (CDU) seiner gestern veröffentlichten Kriminalstatistik für das vergangene Jahr voran: Die Quote der aufgeklärten Straftaten im Land ist mit 62,7 Prozent nicht nur weiter gestiegen, sie hat auch gleich einen Rekord geschlagen: Noch nie seit Einführung der Polizeistatistik Anfang der 1970er Jahre war sie so hoch wie jetzt. Und bei den Wohnungseinbrüchen, die in den letzten Jahren immer weiter gestiegen waren, ist die Trendwende erreicht – sie gingen hessenweit 2016 um mehr als zehn Prozent zurück.

Für Beuth alles in allem eine erfreuliche Entwicklung. „Die Hessen leben sicher“, schließt der Minister daraus. Dass auch die Zahl der registrierten Straftaten wieder um 2,2 Prozent leicht angestiegen ist, scheint da zu verschmerzen zu sein, insgesamt waren es voriges Jahr 412 104, von der „Beförderungserschleichung“, wie Schwarzfahren im Juristendeutsch genannt wird, bis zum Mord. Dass mehr Straftaten verzeichnet wurden, ist kein Wunder, schließlich leben auch mehr Menschen in Hessen. Im vorletzten Jahr kamen allein 79 788 Flüchtlinge und Zuwanderer an und im vergangenen noch einmal 24 615. Doch das ist wohl auch der heikelste Punkt der Statistik: Bei den nichtdeutschen Straftätern stieg die Zahl bei der Polizei registrierter Fälle 2016 um weit überdurchschnittliche 47,6 Prozent auf nunmehr 65 791 an.

Der hessische Landespolizeipräsident Udo Münch bei der Vorstellung der Polizeilichen Kriminalstatistik Hessen 2016.
100 Intensivtäter abgeschoben Innenminister: Flüchtlinge sind nicht häufiger ...

Auch wenn es besonders bedrückend ist, wenn Schutzsuchende kriminell werden: Wächst die Bevölkerung, dann steigt auch die Zahl der Straftaten. Über die detaillierten Zusammenhänge von Flüchtlingen und Kriminalität gibt eine aktuelle Statistik Auskunft.

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Beuth warnt vor Fehleinschätzungen: Dass die Zuwanderer krimineller seien als die Einheimischen, könne nicht daraus geschlossen werden. Die weitaus überwiegende Zahl dieser Gesetzesübertretungen betraf nämlich die Flucht oder den ausländerrechtlichen Status der Migranten selbst. Verstöße gegen das Aufenthalts- oder Asylgesetz wie auch das Gesetz über die Freizügigkeit innerhalb der EU machten allein 46 880 dieser Fälle aus. Rechnet man sie heraus, verbleiben 18 911 Straftaten von Ausländern, die allerdings noch eine Steigerung um fast die Hälfte bedeuten.

Den größten Teil davon machen Vermögens- oder Fälschungsdelikte aus. Schwarzfahren und Ladendiebstähle spielen ebenfalls eine Rolle, aber auch Gewalttaten von Flüchtlingen untereinander, vor allem innerhalb der Unterkünfte, sowie fast doppelt so viele Sexualdelikte wie 2015. Gegen Mehrfachtäter unter den Migranten ging die Polizei laut Beuth verschärft vor. Etwa 100 Zuwanderer mit fünf und mehr Delikten wurden ausgewiesen. Unter den Mehrfachtätern traten Zuwanderer aus Algerien, Marokko, Albanien und Somalia besonders in Erscheinung. Dagegen waren Syrer und Afghanen kaum darunter. Umgekehrt wurden 2016 in ganz Hessen 28 Übergriffe auf Flüchtlingsunterkünfte gezählt, drei weniger als im Vorjahr. Für die weit überwiegende Zahl davon werden Täter aus der rechten Szene verantwortlich gemacht, wie die Präsidentin des Landeskriminalamts, Sabine Thurau, erläuterte. Ansonsten gab es deutlich weniger politisch motivierte Strafttaten als 2015, dem Jahr der gewalttätigen Ausschreitungen bei den Blockupy-Protesten gegen die Europäische Zentralbank (EZB) in Frankfurt.

Ein Flatterband mit der Aufschrift „Polizeiabsperrung”. Foto: Patrick Seeger/Archiv
Kommentar zur Kriminalstatistik So klug als wie zuvor

Die Kriminalstatistik beinhaltet zwar zusätzliche Zahlen; eine seriöse Antwort auf die Frage, ob Zuwanderer eher zu Straftaten neigen als andere Bürger, ermöglichen diese aber nicht.

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Rückläufig war die Tendenz auch bei der Straßenkriminalität, Diebstählen, Tankbetrug sowie Beteiligungs- und Kapitalanlagebetrug. Dagegen gab es bei Rauschgiftdelikten, Körperverletzung und Angriffen auf Polizisten mehr Fälle als im Vorjahr. 49 Straftaten mit terroristischem Hintergrund wurden registriert, davon das Gros aus dem Bereich Islamismus. Den Rückgang der Wohnungseinbrüche erklärte Beuth vor allem mit der verbesserten Prävention. Im Gegensatz zu den vollendeten stieg die Zahl der im Versuchsstadium steckengebliebenen Einbrüche nämlich deutlich an.

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